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The Teenagers - Reality Check

The Teenagers Reality Check

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Dass Popgruppen mit die größten Lügner der Gesellschaft sind, muss schon einmal gesagt werden. Betrachtet man die momentanen Verkaufscharts des Musikhändlers Amazon, fällt auf: Alle Platten, die da auftauchen, romantisieren, schmeicheln oder leiden auf unzulässig plakative Art und Weise. Sogar eine Amy Winehouse, so rein menschlich gesehen des Kitsches eher unverdächtig, liegt da, räkelt sich und weint, weil Love ja ein Losing Game ist. Die Teenagers sind anders. Sie stammen aus Frankreich. Dass junge Menschen dort ein - nun ja - eher offenes Verhältnis zur Sexualität haben, weiß man seit dem Schüleraustausch und diversen Filmchen, die man mit 17 in der Videothek im Gewerbegebiet klaute. "Reality Check", das Debüt der Pariser, fügt sich in diese Beweiskette nahtlos ein.

Es ist eine unfassbare Schwüle, die über dieser Platte liegt. Alles beginnt mit der Bombe "Homecoming": Der Band-typische, arg französisch eingefärbte Sprechgesang erlebt hier seinen ersten Höhepunkt. Geschildert wird eine recht klassische Begegnung. Boy trifft Girl. Die Hormonwolke führt zu raschem Geschlechtsverkehr. Er so: "I fucked my american cunt." Sie so: "I loved my english romance." Er so: "It was a dirty dream come true, just like I like it, she had nice tits." Sie so: "It was a perfect dream come true. Just like a song by Blink 182."

Danach hat man schon ein bisschen klebrige Finger. Und dann kommt der beste Song des Albums: "Starlett Johansson" huldigt mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein der, äh, gleichnamigen Schauspielerin. Weitere Höhepunkte des adoleszenten Sexual-Sendebewusstseins: "Fuck Nicole" und "French Kiss". Da sagen die Titel alles. Teenager halt, dazu Wodka, Ketamin, Parties, wilde Drogen. "Reality Check" ist fast ein Konzeptalbum, zumal der musikalische Überbau sehr stringent ist. Wie bei diesem kompletten Ding namens New Rave ist es der unbedingte Wille zur Ästhetik, der die Songs beherrscht. Da entstehen musikalische Schnittmuster, die ziemlich genau zwischen dem Soundtrack zu "La Boum", coolem Wave, Elektro und 90er-Britpop liegen. Der emotionale Ausbruch, der kommt übrigens am Schluss doch noch: "End of the road. The look in your eyes. I know it's over", heißt es hier. Aber Quentin, Michael und Dorian werden nur kurz leiden. Diese Platte wird ihnen dabei helfen, die ganze Welt flachzulegen.

Jochen Overbeck

Wertung
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Datum: 16.03.2008

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