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Ray Charles: Genius & Friends

Ray Charles Genius & Friends

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Wenn ein Genie einen letzten Wunsch äußert, nennt man das gemeinhin "Vermächtnis". Ray Charles, der Vater des Soul, erteilte noch kurz vor seinem Tod im Jahr 2004 einen besonderen Auftrag an sein Management: Aus Aufnahmen der späten 90er-Jahre, allesamt Duette mit Kollegen, sollte eine Compilation werden - nach dem Vorbild von "Genius Loves Company", die 2004 millionenfach verkauft wurde. Dass der Nachfolger "Genius & Friends" ausgerechnet jetzt erscheint, ist kein Zufall: Am 23. September diesen Jahres wäre Ray Charles 75 Jahre alt geworden. Damit hat die Firma Rhino nicht nur den Fans, sondern auch sich selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht.

Was beim letzten Mal noch Norah Jones, Diana Krall, B. B. King und Elton John waren, sind jetzt Diana Ross, Patti LaBelle, Laura Pausini und George Michael - auch diesmal also nicht unbedingt zweite Reihe, was sich rund um Charles' Klavier versammelt hat. Der Rest ist Sache des Geschmacks. Und weil der bekanntlich verschieden ist, hat man auf dieser Platte einfach alles zusammengetragen, was im Horizont des Soulfathers vorkam - einmal von Gospel bis Rock und zurück: Balladen wie "You Were There" mit Gladys Knight oder "It All Goes By So Fast" mit Mary J. Blige, eine soulige Interpretation von "Imagine" mit Ruben Studdard & The Harlem Gospel Singers oder auch, schön funky, "Shout" mit Patti LaBelle.

Nur eigene Stücke sucht man vergeblich. Der Meister hatte scheinbar seinen Spaß daran, die anderen zum Zug kommen zu lassen und begleitet seine Erben unaufdringlich - jeden nach eigenem Stil und Können. Deshalb singt er mit Diana Ross den Blues ("Big Bad Love"), während George Michael sich bei "Blame it on the Sun" (Stevie Wonder / Syreeta Wright) austoben darf. Man muss ja nicht alles mögen. Selbst Sinkflüge in die Tiefebenen des Easy Listening sind verziehen, sobald die auch hier noch unverwechselbare Stimme von Ray Charles sich einmischt. Das ist Soul, komme wer da wolle.

Lena Grundhuber


Datum: 27.09.2005

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