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Meer is nich

Meer is nich

(tsch) Noch nie gab es so viel Berufswahl-Fernsehen wie heute. Ständig werden neue "Superstars" und "Topmodels" gesucht. Oder Jugendliche zeigen in einem Wettkampf um einen begehrten Ausbildungsplatz auf dem Bildschirm, wie schnell sie ein Sandwich schmieren oder einen Knopf annähen können. "Was soll ich werden?" - diese Frage beschäftigt auch die weibliche Hauptfigur in Hagen Kellers Spielfilmdebüt "Meer is nich". Ein schwieriges Unterfangen, denn bisher weiß sie nur, was sie nicht will, und dass am Schlagzeug zu sitzen und zu spielen, das Einzige ist, was sie glücklich macht.

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Es ist Sommer in Weimar und die 17-Jährige Lena (Elinor Lüdde) schließt in ein paar Wochen die Schule ab. Während ihre Eltern, der Berufsberater und die Lehrerin, über ihre Zukunft nachdenken, hängt sie lieber mit ihren Freundinnen Klara (Luise Kehm) und Alex (Sandra Zänker) ab und macht Musik. Bei einem Rockkonzert beobachtete sie eine Schlagzeugerin, die sich auf dem Instrument Frust und Kummer von der Seele zu spielen schien, und weiß fortan: Das will ich auch. Sie übernimmt in ihrer eigenen Mädchenband die Rolle der Drummerin und schafft es durch Glück, von einem coolen Schlagzeuglehrer an der Musikhochschule Privatunterricht zu bekommen.

Ob sie aus der Leidenschaft wirklich einen Beruf machen kann, steht bis zum Ende des Films in den Sternen. Zunächst muss sie aber einmal sich und ihrer Umwelt beweisen, wie ernst sie ihren Traum nimmt. Dafür muss sie kämpfen und sich gegen ihren Vater durchsetzen, der ja nur das Beste für sie will und schon mal über ihren Kopf hinweg eine Ausbildungsstelle besorgt hat. Lena fällt wichtige und einschneidende Entscheidungen, die ihr auch beim Erwachsenwerden und Abnabeln von den Eltern, mit denen sie bisher immer ein gutes Verhältnis hatte, helfen. Und da gibt es dann noch den interessanten Hans (Benjamin Strecker), den älteren Bruder ihrer Freundin Klara. Er ist jemand, mit dem sie über alles reden kann.

"Meer is nich" beschäftigt sich authentisch und ernsthaft mit der Orientierungslosigkeit der Jugendgeneration, ohne dabei ein düsteres Sozialdrama-Szenario zu zeichnen. Die Teenager müssen sich immer früher für einen Weg entscheiden, erleben um sich herum aber eine Berufswelt, in der es immer wieder zu Entlassungen kommt. Diese Stimmung bewirkt auch, dass die Eltern bescheidener als noch in früheren Generationen sind, und sich freuen, wenn das Kind überhaupt unterkommt.

Lenas Vater, der in der DDR noch ein erfolgreicher Brückenbauer war und jetzt arbeitslos ist, muss selbst sehen, wie er wieder im Berufsleben Fuß fassen kann. Seine Antriebslosigkeit stößt die selbst eher lethargische Lena ab und führt zu Konflikten. Der Musterstudent Hans dagegen bricht die Uni kurz vor dem Examen ab, um seinen ganz eigenen Traum vom Schreiben zu verwirklichen. Auch wenn "Meer is nich" nicht plump das Mantra nachbetet - "du kannst alles schaffen, wenn du es nur richtig willst" - zeigt der Film doch, dass man etwas wagen sollte, um den eigenen Weg zu finden.

Jenseits von jeder Plattenbautristesse erzählt Hagen Keller seine universelle und unaufgeregte Coming-of-Age-Geschichte mit schönen Bildern aus dem Freistaat Thüringen und lässt seinen Darstellern auch ihren Dialekt. Die 24-jährige Schauspielerin Elinor Lüdde kann den Film tragen und überzeugt durch ihre Kraft und Natürlichkeit. Für ihre Rolle erhielt sie den Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsschauspielerin. Dabei wollte sie nie in die Branche. Wie ihre Filmfigur Lena ist sie mit Leib und Seele Schlagzeugerin einer Punkband. Diese Überschneidung von Fiktion und Realität verhilft dem Film zu einer erfrischenden Authentizität, denn Musik spielt hier auf der Leinwand eine wichtige Rolle als Reflexionsfläche für die Gefühle. Wenn Elinor Lüdde, Luise Kehm und Sandra Zänker im Film als Band auftreten, wirkt das spannend, roh und live.

Diemuth Schmidt

Credits:
V:Kinowelt, D 2007, R: Hagen Keller, D: Luise Kehm, Elinor Lüdde, Rosalie Eberle u.a.

Laufzeit: 103 Min.

Kinostart:
27. März 2008


Die 17-jährige Lena (Elinor Lüdde) zieht aus und geht ihren eigenen Weg.
Die 17-jährige Lena (Elinor Lüdde) zieht aus und geht ihren eigenen Weg. (2008 Kinowelt GmbH)

Lenas Eltern haben immer wieder Streit. Von links: Thorsten Merten, Ulrike Krumbiegel.
Lenas Eltern haben immer wieder Streit. Von links: Thorsten Merten, Ulrike Krumbiegel. (2008 Kinowelt GmbH)

Beim Schlagzeugspielen kann Lena (Elinor Lüdde) alles um sich herum vergessen.
Beim Schlagzeugspielen kann Lena (Elinor Lüdde) alles um sich herum vergessen. (2008 Kinowelt GmbH)

Datum: 27.03.2008

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Diskussion: "Meer is nich"

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