Nein, eine Kritikerband waren die Corrs noch nie. Mit ihrer zugänglichen Mixtur aus Pop, Folk und zarten gälischen Einflüssen sprachen die vier Geschwister aus Irland das Publikum direkt an - mit einem Erfolg, der sich bequem in den oberen Regionen der Hitparaden ablesen ließ. Nun erscheint mit "Home" ein neues Studioalbum, das sich von allen Vorgängern wesentlich unterscheidet: Die Corrs spielen sich durch ein Repertoire fremder Songs und Coverversionen. Das klingt ausnehmend gut, zumal auch in puncto Produktion weniger geklotzt als gekleckert wurde.
So gelingt den Corrs ein fast zärtliches Album, das Mainstream-Appeal und kompositorische Dichte auf überzeugende Art und Weise verbindet und auch vor ein paar Dingen nicht Halt macht, die gemeinhin eher als Kassengift gelten: Erstmals singt die Band mit "Buachhaill On Eirne" und dem majestätisch anmutenden "Brid Og Ni Mhaille" zwei Songs in ihrer Landessprache. Das klingt verträumt, geheimnisvoll und erotisch - und damit genau nicht so, wie sich das die Programmplaner der deutschen Radiostationen wünschen werden.
Sei's drum, denn auch für die bietet "Home" genügend Material. Da ist zum Beispiel "Spancil Hill". Was als sehr traditioneller Folksong beginnt, wird am Ende doch noch durch den Corrs-typischen Streicher-Background unterfüttert. Auch "Black Is The Colour" und "Old Town" sind eher glatte Ohrwürmer. Gerade bei Ersterem sind die Vergleiche spannend - immerhin coverte zuletzt Modfather Paul Weller den Track. Der schönste Song der CD ist indes eine Adaption des Linda-Ronstead-Stückes "Heart Like A Wheel". Die Corrs übersetzen den Song in einen sehr europäisch anmutenden Kontext, bei dem Sharons glasklare Stimme und ein Klavier die Hauptrollen spielen.
Der von den letzten Platten bekannte Pophammer wird nur einmal ausgepackt: "Old Town" kommt in einer warmen, energiereichen und Groove-betonten Variante daher, die den Corrs aber angenehm steht und wohl als Single alle Hit-Chancen der Welt hätte.