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Teitur - The Singer

Teitur The Singer

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Ob es ein Ritterschlag ist, in der Heimat ein echter Superstar zu sein, hängt zum großen Teil davon ab, wo genau diese Heimat liegt. Für Teitur ist das auf den Färöer-Inseln zwischen Britannien, Norwegen und Island, und dort ist er ein astreiner A-Promi. Ob er mit seinem dritten Studioalbum "The Singer" das Zeug dazu hat, auch bei uns von der Klatschpresse bemerkt zu werden, kann getrost bezweifelt werden. Umso frenetischer dürfte der Applaus der Kritik sein, die ja bekanntlich alles mag, was sich nicht so gut verkaufen lässt. So wie Teitur eben.

In Verhältnis zu den Einwohnern der Färöer-Inseln verkauft Teitur mehr als Herbert Grönemeyer in Deutschland, hat die verzweifelte Plattenfirma in akribischer Kleinstarbeit berechnet. Es dürften so etwa sechs der zehn Einwohner sein, die seine Alben besitzen. Scherz beiseite, Teitur singt, wie man sich die Färöer vorstellt. Sehr individualistisch!

Einerseits typisch Insel: geistige Inzucht, verschroben, eigenbrötlerisch, schräg. Andererseits typisch Insel: Jedes Schiff, das vorbeikommt, lässt ein wenig von seinen Ideen, seinen Gewürzen, seinen Einflüssen auf dem Eiland, wo das alles, sobald die Einwohner wieder alleine sind, stetig weiter erzählt, entwickelt, verändert und ins Seemannsgarn eingesponnen wird.

Deshalb wohl klingt Teitur wie ein Mix aus Jeff Buckley und Turin Brakes, also zwischen wunderlichen Endlossongs und der konservierten Schönheit der Simon- und Garfunkel-Lieder. Dazu packt Teitur einen Hauch Seventies-Serienmusik, schräge sizilianische Bläser, wie sie auch Tom Waits hin und wieder liebt, einige nordische Bizarrheiten à la Hanne Hukkelberg, die sich an gar keine Regeln mehr hält und Rufus Wainwrightsche Dramatik jenseits von ausgebaggerten Tränenkanälen.

Hin und wieder erzählt Teitur seine Elegien lediglich zu Kontrabass, dann wieder kommen schräge Engelschöre, unmotiviert eingesetztes Schlagwerk oder ein altes, stöhnendes Kirchenharmonium ins Spiel. Ein Walzer im Balkan-Stil paart sich mit Klassik, Jahrmarktorgeln mit Avantgarde, nichts ist unmöglich. Stücke, die glatt wie "richtige" Songs klingen, sind eher in der Minderzahl, "The Girl I Don't Know" oder "We Still Drink The Same Water" beispielsweise oder auch das fast fröhlich-britpoppige "Catherine The Waitress". Den Großteil machen bei Teitur die elegischen Erzählungen aus, die irgendwie anfangs- und endlos wirken, durchkomponiert und dazu mit ansteigenden und abebbenden Wellen wie die Gezeiten, wie Ebbe und Flut. Glasklar und doch schräg, bizarr, schwierig und trotzdem extrem kreativ.

Kati Hofacker


Datum: 24.03.2008

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Diskussion: "Teitur - The Singer"

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