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Panic At The Disco - Pretty. Odd.

Panic At The Disco Pretty. Odd.

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Es muss für eine Band ziemlich schlimm sein, gemeinhin als "New-Rock-Sensation des Jahres" gefeiert zu werden. Denn bekanntlich dreht sich die Erde, und das, was eben noch "new" war, interessiert ein Jahr später keine Sau mehr. Panic At The Disco veröffentlichten mit "A Fever You Can't Sweat Out" vor gut zwei Jahren ein Album, das mit seinem ausgefuchstem und extrem modern produzierten Rock gerade bei der jugendlichen Zielgruppe durchstartete und diverse Trophäen einheimste. Übrigens zu Recht: Wer die Band nicht kennt, sollte schnellstens zu Youtube gehen, sich dort das ganz außergewöhnliche Video zur Hit-Single "I Write Sins Not Tragedies" anhören und danach überlegen: Wie, bitteschön, könnte man das denn toppen? Jetzt erscheint mit "Pretty. Odd." die Antwort auf diese Frage.

Eines vorweg: "Pretty. Odd." ist in der Tat eine ebenso schöne wie seltsame Platte. Der Soundtrack zum Abhängen im Kinderzimmer, zum Rummachen, zum Skateboard-Fahren ist das nicht mehr. Statt New Rock gibt's eine ganz seltsame Variante von Old Rock, die sich aus Klavier-Pop, Psychedelic und Westcoast-Rock speist. Die erste Single "Nine in The Afternoon" ist dabei gleichzeitig der eingängigste Song des Albums: Da trifft eine wunderbare und leicht einprägsame Melodie auf Klavier, Handclaps, Bläsersätze, Streicher und einen Gesang, der ein bisschen an 70er-Jahre-Größen wie Jackson Browne oder Randy Newman erinnert. Und wo wir gerade bei Erinnern sind: Die Beatles und ihre "Magical Mystery Tour" sind auch nicht weit weg von dem hier.

Insgesamt ist "Pretty. Odd." eine wahnsinnig verschwenderische Platte. Ganz offenbar setzte sich die Band, die passenderweise aus Las Vegas stammt, keinerlei Grenzen beim Aufnahmeprozess. Die Lider fransen oft genug gegen Ende in herrlichen Klangwüsten aus, mit "I Have Friends In Holy Spaces" erlaubt man sich ein Dixieland-Zwischenspiel, "Folkin' Around" klingt so, wie es der Songtitel vermuten lässt, und in "Pas de Cheval" singt die Gruppe freundlich und verträumt über das Wunder ihres eigenen Haarwuchses. Hach. Dass sich in diesem watteweichen Ballaballa-Kosmos einige ganz hervorragende Popsongs eingenistet haben, ist die eigentliche Überraschung. "She's A Handsome Woman" mit seinen prägnanten Riffs und dem so phrasiertem Gesang ist da zu nennen, aber auch das vielschichtige "Behind The Sea". Irgendwie klingen Panic At The Disco hier so, als ob sie nicht mehr Nahrungsmittel, sondern nur noch Schallplatten der Formationen The Byrds, the Beatles, Big Star und Jellyfish verspeisen würden. Absurde, aber ganz, ganz großartige Musik.

Jochen Overbeck


Datum: 24.03.2008

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