Wie man nun die wiederholte Verfilmung des Sozialexperiments "Die Welle" (derzeit im Kino) finden soll, scheint umstritten. Wichtig aber sind sicherlich die Diskussionen, die der Film anregt: "Wie schnell lassen sich intelligente junge Menschen zum Faschismus verführen?" Noch wichtiger ist für eine Musikrezension aber die Frage: "Braucht man den Soundtrack wirklich?"
Filmemacher Dennis Gansel, der bereits für "Napola" verantwortlich war, verpflichtete für den Soundtrack Heiko Maile, der recht zwiespältig diskutiert wird. Für den Teil des Soundtracks, der mit "echten" Songs bestückt wurde, hat er gute Arbeit geleistet und mit jungen, frischen und weniger bekannten Künstlern eine neue Generation von Rock- und Alternative-Songs aufgetragen, die die unbedarfte Stimmung und die leichte Aggression, die sich nun mal durch so ein Schülerleben zieht, perfekt darstellt. Treibende, wilde und spaßige Stücke wurden da ausgewählt, die von Bands wie El*ke, The Subways, Johnossi, Kilians, DSDS-Max-Buskohls Empty Trash, Orange But Green, Coldcut, Digitalism, Jan Plewka und Bonobo stammen. Die Künstler sorgen für einen rockorientierten, jungen, wilden und ungebändigten Soundtrack - vorerst.
Die Klänge oszillieren von unbeschwertem College-Rock-Klängen à la "Rock 'n' Roll Highschool" von El*ke" über Angepunktes wie "Rock & Roll Queen" von Johnossi bis hin zum treibenden "Fight The Start" und "Short Life Of Margott" der Kilians. Sie brettert über "Garden Of Growing Hearts" von Empty Trash zum Mitgröhlhammer "Everything Under Control" von Coldcut. Digitalism hingegen technisiert die Gangart mit "Homezone", und Jan Plewka sorgt mit "Was dich so verändert hat" für sanftere Töne. Ronda Ray schließlich rundet das Ganze mit zwei Tracks ab: einmal mit Markie J in "Bored" eher hiphoppig, dann mit Trevor Jackson in "Power Control" spacig-technoid und roboterhaft-ungeduldig. Alles gut und schön.
Bitter aber wird es, wenn Heiko Maile den Score angeht. Dort nutzt er ausschließlich herzhaft uninspirierte Sequencersounds, die den Titel "Score" kaum noch verdient haben: Kein Leitmotiv, keine Melodie, nichts erhellt das Dunkel. Zwar funktionieren diese Töne im Film so gerade noch, aber den Silberling kann man sich getrost sparen.
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