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Gus Black

Macht den Typen nicht blöd an!

Sänger Gus Black

(tsch) Gus Black war mal so etwas wie ein Hoffnungsträger, Ende der 90er-Jahre. Er tourte mit Bands wie Pearl Jam und Oasis, begann, sich eine eigene Fanbase aufzubauen - und geriet in die ersten heftigen Eruptionen der musikindustriellen Krise. Zwei Tage nach der Veröffentlichung seines zweiten Albums machte seine damalige Plattenfirma pleite. Gus Black war, sofern man das bei einem Künstler so sagen kann, ohne Arbeitgeber. Er schrieb weiter Songs, und das war eine ganz gute Idee. Mittlerweile hat er sich wieder ein solides Renommee aufgebaut. Er tourte mit den Eels, was schlüssig ist: Deren Kopf, der kauzige E, ist ein guter Freund, drei Bandmitglieder stellen seine Live-Kapelle. Bald kommt er mit für eine eigene Tour nach Deutschland. Die nur auf den ersten Blick wütende Platte "Today Is Not The Day" steht jetzt in den Läden.

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Gus Black läuft durch sein Haus. Und Gus Black hätte jetzt echt gerne einen Kaffee. Ob er sich während des Telefonats tatsächlich in die Küche begibt, um sich einen Becher aufzubrühen, ist etwas unklar. Zumindest schlurft er. Das hört man. Vielleicht auch, weil er leise spricht. Beides ist absolut in Ordnung, es ist in Los Angeles elf Uhr morgens. Da darf man müde sein, zumal Black gerade einiges tun muss. Zum Beispiel über seine neue Platte reden. Und darüber, wie die so klingt. Gus Black sagt kurz diesen einen verbotenen Satz. Den von dem Album, das sein bisher bestes sei und das ihn wunderbar repräsentiere. Aber kurz darauf entschuldigt er sich, und fügt an, dass er schon wisse, dass das so ein Klischee-Ding sei. Aber in einer Sache hat er Recht. Der Titel ist schon ziemlich gut. "Ich saß eines Tages mit E beim Essen. Es war ein absoluter Scheißtag. Und irgendwann sagte ich zu E: 'Hey, today is not the day to fuck with me", erzählt Black. "Und ziemlich genau in dem Moment fiel mir ein, dass das ein echt cooler Titel für meine Platte wäre."

Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt war das Album schon fast fertig. Gus Black hatte schon einen ganzen Haufen Songs beisammen. Rocksongs, vor allem. Doch er korrigierte sich und nahm neu auf. Songs, die vor allem durch die Stimmen zweier Gastsängerinnen leben: Constance Backer und HT Heartache schieben das ohnehin sehr intime Album noch einmal Richtung Bodenständigkeit. Auch am Songwriting waren sie beteiligt - für Black kein ungewöhnlicher Weg: "Ich mache das sehr gerne, es gibt einen anderen Blick auf die Dinge. Ich habe mit Carole King gearbeitet und für A Fine Frenzy Songs geschrieben. Auf meinen eigenen Platten passiert das eher selten, aber diesmal erschien es mir angemessen."

Ein Jahr war es schließlich, das Gus Black im Studio verbrachte. Zeit, die man sich leisten muss. Gus Black löst dieses Problem durch einen zweiten Job: Als Art Director ist er für die Aufnahme von Werbespots verantwortlich. Und möchte gerade deshalb seine Platten nicht allzu eingängig werden lassen. "Das ist eine Arbeit, die anders sein soll als die Werbung. Vielleicht eine Erholung davon, so eine Art Gegenthese."

In den USA wurde das in den vergangenen Jahren nicht mehr honoriert. Und auch "Today Is Not The Day" wird in Amerika zunächst nicht veröffentlicht. Gus Black ist es völlig egal. "Meine Erfahrungen bei einer großen Plattenfirma in Los Angeles waren nicht die besten. Die Menschen, die dort gearbeitet haben, wahren nicht die ehrlichsten. In Europa bin ich bei einer kleinen Plattenfirma. Vielleicht liegt's an der Sprachbarriere, aber alles läuft prima", sagt Gus Black über seine Laufbahn in Europa. Ohnehin ist ihm der europäische Lebensstil oft näher als der amerikanische: "Es ist ein bisschen mühsam, ständig darüber zu reden, aber: In den USA ist einfach so gar nix in Ordnung. Alles ist total fucked up, weil wir einfach einen beschissenen Präsidenten haben. Wir haben alle Chancen missbraucht, diese Welt für uns zu gewinnen." Also Europa. Natürlich auch aus kommerziellen Gründen. "Wenn ich in Deutschland oder Holland oder so unterwegs bin, kommen Leute zu meinen Konzerten. In den USA ist das nur in ein paar Städten der Fall. Auf dem flachen Land bleibt es ein Kampf."

Und dann ist da noch die Sache mit iTunes. Das traditionell geschmacksprägende Downloadportal wählte Gus Black und seine letzte Platte "Autumn Days" eben mal zu "einem der besten zehn Songwriter aller Zeiten." Schmeichelt das? Irgendwie schon, sagt Gus Black: "Ach, weißt Du, über solche Listen kann man natürlich lachen. Aber natürlich ist es schon ein Kompliment. Weißt Du, am Ende des Tages geht es darum, dass ich da doch jemanden berührt habe. Mit meiner Stimme, mit meinen Songs. Und sich darüber zu beschweren, wäre schon irgendwie vermessen."

Jochen Overbeck


Schreibt sich mit kleinen Popsongs vornehmlich in europäische Herzen: Gus Black.
Schreibt sich mit kleinen Popsongs vornehmlich in europäische Herzen: Gus Black. (India Records)

"Today Is Not The Day" zeigt Gus Black in bedrohlicher Knarren-Pose. Eigentlich ist er ein durchaus netter Typ.
"Today Is Not The Day" zeigt Gus Black in bedrohlicher Knarren-Pose. Eigentlich ist er ein durchaus netter Typ. (India Records)

Meidet den Kampf: Gus Black.
Meidet den Kampf: Gus Black. (India Records)

Datum: 24.03.2008

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Diskussion: "Gus Black"

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