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Elizabeth

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(tsch) "Der Mann muss vollkommen durchgedreht sein." Die erste Reaktion von Shekhar Kapur ("Die vier Federn") ließ an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig. Der Grund für die Aufregung: Produzent Tim Bevan hatte ihn gefragt, ob er nicht bei einem Historienfilm Regie führen wolle. Das allein wäre ja noch angegangen. Doch als Inder ohne jegliche Erfahrung mit europäischen Stoffen ein urenglisches Thema wie die Lebensgeschichte von Elizabeth I. auf die Leinwand zu bringen, das erschien Kapur zu absurd. Zum Glück für den Zuschauer ließ er sich schließlich überzeugen: Auf das beeindruckende Drama "Elizabeth" (1998), das nun als Wiederholung im Ersten zu sehen ist, folgte 2007 mit "Elizabeth - Das goldene Königreich" sogar noch eine Fortsetzung unter seiner Regie.

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Der Mut hat sich bezahlt gemacht. Nicht nur für Kapur war es damals ein Risiko, sich an das Leben der "Virgin Queen" heranzuwagen. Auch die Verantwortlichen der Produktionsfirma Working Title Films sahen den Dreharbeiten mit gemischten Gefühlen entgegen: "Wir waren erpicht, einen großen historischen Film zu machen, aber um Gottes willen keinen verstaubten Kostümschinken", erinnert sich Tim Bevan. Schon deswegen erwies sich Shekhar Kapur als Glücksgriff. Mit der Nonchalance des Nicht-Europäers peppte er die eher spröde Geschichte um die Tochter Heinrichs VIII. mit einem Schuss Melodramatik auf. Die keusche Königin bekam mit Robert Dudley (Joseph Fiennes), dem Earl of Leicester, einen feurigen Liebhaber an die Seite gestellt.

Doch trotz einiger kleinerer fiktionaler Intermezzi hält sich "Elizabeth" an die historischen Fakten: Nach dem Tod der blutrünstigen Queen Mary besteigt die junge Elizabeth (Cate Blanchett) den englischen Thron. Eine mehr als undankbare Aufgabe wartet auf sie. Das Land wird von religiösen Auseinandersetzungen geplagt, die Staatskasse ist leer, und im Ausland wetzt man schon die Messer.

Darüber hinaus ist die Königin bei Hofe von Intriganten umgeben. Vor allem der Duke of Norfolk (Christopher Eccleston) arbeitet eifrig daran, die Herrscherin vom Thron zu stürzen. Um ihre Macht zu erhalten, muss Elizabeth lernen zu verzichten: auf private Gefühle und - vor allem - auf Dudley, ihre große Liebe. Aus einer unbeschwerten, jungen Frau wird schließlich eine maskenhafte, kühle Erscheinung, die ihr Leben der Staatsräson opfert.

Um diese Wandlung glaubhaft darstellen zu können, bedarf es einer hervorragenden Schauspielerin: Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett, die gerade das vierte "Indiana Jones"-Abenteuer sowie - an der Seite von Brad Pitt - das Drama "The Curious Case of Benjamin Button" abgedreht hat, gelang eine eindrucksvolle Charakterstudie, die allerdings bei den Kritikern höher im Kurs stand als beim Publikum. Sowohl für "Elizabeth" als auch die Fortsetzung wurde die Australierin für den Oscar nominiert.

Jan Treber


Unnahbar und maskenhaft: Der Preis, den Elizabeth (Cate Blanchett) für ihren Machterhalt zahlen muss, ist hoch. Zugunsten der Staatsräson verzichtet sie auf ihre große Liebe.
Unnahbar und maskenhaft: Der Preis, den Elizabeth (Cate Blanchett) für ihren Machterhalt zahlen muss, ist hoch. Zugunsten der Staatsräson verzichtet sie auf ihre große Liebe. (ARD / Degeto)

Die junge Königin Elizabeth (Cate Blanchett, vorne) ist von Intriganten und Verrätern umgeben. Sie muss lernen, dass sie bei Hofe niemandem vertrauen kann.
Die junge Königin Elizabeth (Cate Blanchett, vorne) ist von Intriganten und Verrätern umgeben. Sie muss lernen, dass sie bei Hofe niemandem vertrauen kann. (ARD / Degeto)

Sie ist nur eine von Elizabeths vielen Feinden: Mary of Guise (Fanny Ardant) will die junge Königin töten, weil diese es gewagt hat, das Heiratsangebot ihres Neffen auszuschlagen.
Sie ist nur eine von Elizabeths vielen Feinden: Mary of Guise (Fanny Ardant) will die junge Königin töten, weil diese es gewagt hat, das Heiratsangebot ihres Neffen auszuschlagen. (ARD / Degeto)

Datum: 24.03.2008

Artikel ID 197560

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