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"Steht Ina drauf, ist Ina drin"Sängerin Ina Müller (tsch) Hamburg: Im loungig-roten "Stage Club" mit den schicken schwarzen Ledergarnituren und dem futuristisch-röhrenförmigen Holzofen präsentiert Ina Müller erstmals vor der Presse ihr zweites Album "Liebe macht taub". Lediglich die Farbe, in die die Location getaucht ist, passt zum etwas kitschigen Titel. Sonst schlägt Ina die gewohnt bissigen Töne an. Es geht unter anderem um schlechte Dates, Liebeskummer und Trennung, wie sie Ina selbst hinter sich hat. Seit etwa einem Jahr ist die Moderatorin und Sängerin aus Hamburg wieder Single. Ina nimmt's gelassen. Viel Zeit zum Trübsal blasen bleibt auch nicht, denn es gibt was zu feiern: Das Debütalbum "Weiblich, ledig, 40" wurde vergoldet, es gab eine Echo-Nominierung in der Kategorie "Künstlerin Rock / Pop national 2008", und das neue Album ist frisch auf dem Markt - Grund genug für Häppchen und Prosecco. Am nächsten Tag wird mittags bei Cafe Latte im Neustädter Café "Marblau" gemütlich geschnackt, über die Qualitäten von Jens, über die Doppelrahmstufe unter den Städten und über die Unlogik der Location vom Vorabend. Irgendwann ist immer das erste Mal. Noch nie habe sie vor einer Toilette gespielt, sagt Ina. Das Publikum drängte sich am Abend links und rechts am Rande der Bühne, die direkt den Blick auf den Gang zum WC freigab. Für Ina kein Problem. Nachdem sie ihrer Irritation kurz in einer frechen Moderation Ausdruck verlieh, widmet sie sich wieder voll und ganz dem etwas ungünstig verteilten Publikum. Sie flirtet mit ihm, strahlt die Männer in der ersten Reihe ungeniert an, die daraufhin leicht verschämt zu Boden gucken. Dann tanzt sie selbstvergessen und scheint in ihren Liedern zu versinken. Der Funke springt da schnell über, der Spaß an der Musik auch. Spontan und natürlich wirkt sie nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Interview, das eher an ein Kaffeekränzchen erinnert. Die erste Tasse wird erst um zwölf Uhr genehmigt, zu einer Zeit, zu der man den unterhaltsamen Vorabend bereits gut verdaut hat. Ina sei Dank: "Wenn ich am Abend einen Auftritt habe, will ich danach keine Interviews geben, sondern mit den anderen feiern und Wein trinken. Ich möchte auch nicht abends in Leipzig sein und am nächsten Morgen um acht Uhr in Baden-Baden. Ich bin schon ein wenig anstrengend." Doch mit ihrer charmanten Art und dem unschuldigen Augenaufschlag kann die Plattenfirma der zierlichen Blondine nichts ausschlagen, selbst wenn sie schon mal Termine absagt, die sonst niemand absagen würde. Ina Müller ist eben ein Querkopf. Genau deswegen lieben sie die Fans, genau das macht ihren Charme aus. Sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und tut, was sie will. Letzteres möchte Ina nicht aufgeben, selbst wenn das bedeutet, immer ein B-Promi zu bleiben. "Ich habe keine Ahnung, wie der A-Status ist, weil ich den noch nicht hatte. Aber der B-Status ist wunderbar. Du kannst alles machen, was Du willst. Ich kann unbeobachtet durch die Stadt laufen, ich kann mit einem Mann knutschen, ohne dass das am nächsten Tag in der Zeitung steht. Immer darauf achten, was man tut, das wäre nichts für mich. Und wenn man dann mal nicht gleich erkannt wird, wird einem wahrscheinlich übel." Erst kürzlich entschied sie sich ganz bewusst gegen mehr Bekanntheit. Die Kabarettistin, die sich erstmals als die eine Hälfte des Duos "Queen Bee" einen Namen machte, steht nicht nur vor dem Mikro, sondern auch vor der Kamera. Die NDR-Kuppelshow "Land und Liebe", den seriöseren Vorläufer der RTL-Show "Bauer sucht Frau", bezeichnet sie als "ihr Baby, meine allererste Fernseherfahrung". Demnächst soll die Sendung im Ersten laufen. "Es stand zur Debatte, ob ich das weitermoderiere oder nicht. Ich entschied mich dagegen." Eine Entscheidung, die Ina Müller schlaflose Nächte bescherte. "Irgendwas bereitete mir Bauchschmerzen. Ich wollte nicht, dass auch noch der letzte Bauer aus der Ecke gekratzt und irgendwie verheizt wird. Ich habe auch keinen Bock auf Quotendruck, den es bei der ARD eben gibt. Das war eine große Chance und eine große Entscheidung, ganz klar auch gegen mehr Berühmtheit, da ich ja noch keine so bekannte TV-Frau bin." Und so bleibt Ina eben Ina, wenn auch nicht ganz die Alte. Viele kennen sie als die "toughe, ledige 40-Jährige", die sich in frechen Songs zu ihrem zufriedenen, kinderlosen Single-Dasein bekannte und ihr "Arschgeweih" zum Lasern freigab. Diese Zeiten sind vorbei. "Ich bin froh, dass ich nicht mehr ständig Interviews darüber geben muss, wie man in Würde altert, ohne sich ständig Botox zu spritzen", sagt die 42-Jährige. "Beim neuen Album weiß ich noch nicht, wohin die Interviews führen werden. Da stecken noch jede Menge Überraschungen drin." Auch die neue Platte steckt voller Überraschungen. Modern und cool sollte sie werden, nur nicht altbacken und schlagerhaft, aber auch nicht zu "abgefahrene, nach Berlin riechende Independentmusik - das klingt bei einer Frau in meinem Alter einfach tragisch." Die erste CD sei schön gewesen, aber auch zu weich gespült. "Danach nahmen wir ein Livealbum auf, und das war ich. Das aktuelle Album hat nun wesentlich mehr Live-Charakter." Die Ideen zur neuen Platte entstanden auf Sylt - Inas Idee: "Die Produzenten Frank Ramond und Hardy Kayser waren mit Annett Louisan, die ich auch gut kenne, eine Woche auf Mallorca. Da sagte ich: 'Geht's eigentlich noch? Warum muss ich bei mir zu Hause am Schreibtisch sitzen zum Texten und selber noch den Kaffee kochen? Wir fahren jetzt auch irgendwohin." Nach dem Erfolg des ersten Albums und einer "tollen" Tour folgte die Panik vor der Ideenlosigkeit, eine völlig unbegründete Sorge. Nur sieben Tage später kam das Trio mit 19 Songs zurück nach Hamburg. "Es war Oktober, das Wetter war nicht so toll. Wir blieben den ganzen Tag im Hotel. Da sitzt Du zu dritt und führst stundenlange Gespräche, bei gutem Wein bis in die Nacht hinein. Daraus entstanden wunderschöne Geschichten." Wie die von Jens, der immer noch in Mark umgerechnet wird. "Der Marksong ist vom Humor her der stärkste. Der ist auch sehr witzig entstanden. Frank und ich unterhielten uns über Geld und darüber, dass der Euro immer noch in Mark umgerechnet wird, wenn es teuer wird. Und schon war die Pointe geboren", erinnert sich Ina und gerät ins Philosophieren: "Welcher Mann möchte schon gerne Jens sein? Aber als Frau lebt man mit einem Jens vielleicht besser als mit einem Mark, weil der Jens liebt einen mehr als der Mark. Den kann man ein bisschen gängeln und triezen, und der bleibt trotzdem." Ein anderes Lied handelt vom Sanieren einer Beziehung. Wobei Ina Müller den Sinn dahinter gerne in Frage stellt. "Der Song ist eher als Persiflage gedacht. Ich glaube nicht, dass man Beziehungen sanieren kann. Ich glaube auch nicht, dass man als Ehepaar wieder Sex miteinander hat, bloß weil man beim Therapeuten war. Der kann die Beziehung auch nicht mehr da hinbringen, dass man sich wieder liebt." Von Beziehung hat Ina ohnehin ganz eigene Vorstellungen: "Ich will verliebt sein, und diese Liebe auch leben, aber das heißt nicht, dass ich seine Unterwäsche waschen muss." Dass zu viel Nähe schadet, das wird Ina auch nicht müde, in ihren Songs zu betonen. So gesehen war ihre langjährige Fernbeziehung zu einem Arzt die optimale Lösung. Er lebte in Bonn, Ina in München. Der Arzt ging, die Liebe ihres Lebens blieb: "München ist die beste Stadt, die ich für mich gefunden habe, genau das Richtige zwischen Dorf und Stadt. Es ist die Doppelrahmstufe unter den Städten. Es gab Kirchen, die heile Welt, und trotzdem war es urban und modern. Hamburg ist viel größer und kälter. Sechs Jahre lebte ich in München und war extrem glücklich. Ich ging dort auch gerne alleine weg." Woran scheiterte dann diese glückliche Beziehung? "Ich bin trotzdem mehr Hamburg. Ich lebe gerne in München, aber sonst habe ich dort nichts zu suchen. Meine Arbeit und mein Leben sind hier in Hamburg." Zur Sicherheit behielt Ina aber die Wohnung in München, als sie schon in Hamburg war, "aus Heimwehgründen." "In einem Jahr war ich dreimal da und dachte: 'Ina, das ist an Dekadenz nicht mehr zu toppen.' Dann gab ich diese schöne Wohnung am Viktualienmarkt auf", sagt sie und wird beinahe melancholisch. "München hat mich verändert." Vielleicht ist die Liebe irgendwann ja doch stärker, und sie kommt zurück. Nina Hortig |
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