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Sönke Wortmann

Unfähig für Ecken und Kanten

Regisseur Sönke Wortmann

(tsch) Nächstes Jahr wird Sönke Wortmann 50 Jahre alt - Zeit für den begeisterten Sportfilmer, sich endlich weniger schweißtreibenden Projekten zuzuwenden? Als Regisseur und Produzent ist Wortmann für einige der erfolgreichsten deutschen Filme der vergangenen Jahre verantwortlich. Er drehte "Der bewegte Mann" mit Til Schweiger, "Das Superweib" mit Veronica Ferres und "Das Wunder von Bern" mit Peter Lohmeyer. Wenn man den gebürtigen Marler daran misst, wie viele Schauspieler er mit seinen Filmen zu Superstars gemacht hat, dann wäre seine Arbeit mindestens gleichrangig mit Roland Emmerichs Wohltaten für einige Hollywoodschauspieler wie Will Smith oder Jake Gyllenhaal. Bevor er sich nun aber an sein nächstes Großprojekt wagt - Wortmann übernahm nach dem Abgang von Volker Schlöndorff im Auftrag der Constantinfilm die Regie für die Abermillionenproduktion "Die Päpstin" - produzierte er "Hardcover" (Kinostart: 03.04.), eine schmissige Komödie mit Kultpotenzial über einen Mietwagenvertreter, der zum Bestsellerautor werden möchte und in die gar nicht so glamourösen Mechanismen der Halbwelt gerät. Im Interview spricht Wortmann über Erfolgsrezepte auf dem deutschen Filmmarkt, verrät einige Details zur "Päpstin" und erklärt, wieso man einen Kultfilm nicht planen kann.

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teleschau: Wie viel Geld Ihrer Erfolgsfilme wie "Deutschland: Ein Sommermärchen" oder "Das Wunder von Bern" steckt in "Hardcover", Herr Wortmann?

Sönke Wortmann: Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich jetzt hohe Summen nennen könnte. Aber das "Sommermärchen" hat uns ja keinen einzigen Cent Überschuss beschert, weil wir den kompletten Reingewinn an die SOS Kinderdörfer gespendet haben. Aber natürlich haben wir etwas vom "Wunder von Bern" überbehalten, das wir reinvestieren konnten.

teleschau: Wo treibt man in Deutschland Geld auf für eine kleine Ruhrpottkomödie?

Wortmann: Als ich von Christian Zübert das Drehbuch bekommen habe, schätzten wir das Produktionsvolumen auf etwa drei Millionen Euro und haben uns gleich daran gemacht, diese Summe aus allen möglichen Ecken zusammenzukratzen. Die höchsten Beträge kommen aus den Vorverkäufen des Films ans Fernsehen - in diesem Fall vom WDR und ARTE - und von der Filmförderung sowie vom Filmverleihs. Wir selbst haben natürlich auch ein paar Euro beigesteuert.

teleschau: Das Fernsehen ist als Ko-Produzent für manche Filmemacher ein unangenehmer Partner, weil die federführenden Redakteure auch gerne kreativen Einfluss ausüben.

Wortmann: Es geht aber in Deutschland nun mal nicht ohne das Fernsehen. Wir wollen unsere Crew und alle Beteiligten ja irgendwie bezahlen können. Ich finde das auch gar nicht schlimm, denn in den Fernsehspielredaktionen sitzen viele kreative Leute, deren Meinungen hilfreich sind. Es ist aber nicht so, dass wir uns den Wünschen des Fernsehens unterordnen müssen. Die Sender erkaufen sich ja dadurch keine kreativen Rechte, sondern hauptsächlich das Ausstrahlungsrecht nach der Kinoauswertung.

teleschau: Wie sehr juckt es Sie in den Fingern, bei einem Film nicht nur Produzent zu sein, sondern sich auch bei der Regie einzumischen?

Wortmann: Bei "Hardcover" war ich sehr interessiert während der Drehbuchphase und beim Casting, wo ich unbedingt mitsprechen wollte, weil ich denke, dass ich da in der Vergangenheit immer ein ganz gutes Händchen bewiesen habe. So geht es mir immer: Bei der Planung, wenn es darum geht, ein Projekt in die richtige Richtung zu lenken, bin ich immer Feuer und Flamme und mische mich gerne ein. Als es aber schließlich zu den Dreharbeiten kam, schaute ich morgens einmal vorbei, merkte aber sofort, dass Christian Zübert alles super im Griff hatte und ich eigentlich nur störte.

teleschau: Was an der Geschichte von "Hardcover" hat Sie letztlich davon überzeugt, dass der Film ein Kassenknüller werden könnte?

Wortmann: Wirtschaftliche Gesichtspunkte spielen bei mir eigentlich nie eine große Rolle und sind immer zweitrangig für mich - auch als Produzent. Ich denke, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man Filme dreht, die man selbst interessant findet und sich gerne im Kino anschauen würde. Natürlich hofft man auch immer auf ein großes Publikum, aber das bleibt ja nun mal ein Glücksfall. Wenn ich ein Drehbuch lese, sagt mir meine innere Stimme relativ schnell, ob ich es verfilmen soll oder nicht. Meistens heißt es dann: Daumen runter. Bei "Hardcover" war es aber der Humor, der mich sofort überzeugt hat: Er ist nicht vordergründig, um schnelle Lacher zu erzeugen, bildet aber eine solide Basis, um inhaltlich darauf aufzubauen. Im Film finden sich keine Schenkelklopfer, und doch habe ich viel gelacht.

teleschau: Mit Lockenkopf und Brille wirkt Lucas Gregorowicz als Held des Films wie Jon Heder, der als "Napoleon Dynamite" in den USA zum Kultstar wurde. Kann man einen solchen Hype wiederholen?

Wortmann: Wer einen Kultfilm drehen möchte, wird notgedrungen scheitern. So etwas kann man nicht planen. Ehrlich gesagt kenne ich Jon Heder auch gar nicht. In Deutschland zumindest hat dieser Film offenbar nicht so kultig eingeschlagen wie anderswo, was wiederum zeigt, dass man gar nicht erst damit anfangen sollte, sich über Kult oder Nicht-Kult Gedanken zu machen.

teleschau: Was motiviert Sie dazu, sich als Förderer junger Regisseure wie Christian Zübert zu engagieren?

Wortmann: Das hat mehrere Gründe. Ich liebe es, Filme zu machen, aber ich finde mich natürlich auch nicht in jeder Geschichte selbst wieder. Es gibt Bücher, die ich großartig finde, selbst aber nicht inszenieren könnte, weil es einfach nicht meine eigene Welt ist. "Lammbock" von Christian Zübert ist ein gutes Beispiel dafür. Ich lernte Christian kennen, als wir einen Autor für ein Projekt suchten und er mir sein Drehbuch zu "Lammbock" als Leseprobe zusandte. Das fand ich so gut, dass ich ihn dazu überredete, bei der Verfilmung seines Buches selbst Regie zu führen, was aber ursprünglich überhaupt nicht sein Ziel war. Die Zusammenarbeit verlief reibungslos, und mittlerweile haben wir den dritten Film gemeinsam realisiert. Ich habe mich parallel jeweils auf die Rolle des Produzenten konzentriert. Es ist interessant, die Entwicklung eines jüngeren Kollegen zu beobachten. Inzwischen sind wir befreundet, und er ist wie mein jüngerer Bruder.

teleschau: Wieso inszenieren Sie solche kleineren Filmprojekte nicht gleich selbst nebenbei?

Wortmann: Bei Little Shark konzentrieren wir uns auf wenige, aber gut ausgewählte Stoffe, die immer umfassend betreut und niemals "nebenbei" hergestellt werden. Christian legte uns ein Buch vor, das fast schon drehbuchreif war. Meinem Partner Tom Spieß und mir hat es sofort gefallen, und es war klar, dass wir "Hardcover" als echten Zübert produzieren würden. Nach unseren Erfahrungen mit "Lammbock" stellte sich die Frage der Regie also gar nicht erst. Ich selbst hätte "Hardcover" auch nicht so authentisch mit Ecken und Kanten inszenieren können.

teleschau: Wie schwierig ist es für Sie, Ecken und Kanten in Ihre großen Produktionen zu hauen?

Wortmann: Das ist ziemlich schwierig und ist, ehrlich gesagt, auch gar nicht mein Ziel. Mein nächster Film wird eine millionenschwere Romanverfilmung über das Mittelalter: "Die Päpstin" ist kein Film, der unbedingt Ecken und Kanten haben soll.

teleschau: Wann fällt die erste Klappe zur "Päpstin"?

Wortmann: Gerade war ich auf Location-Suche in Ostdeutschland, um schon mal einige schöne Motive zu finden. Wir wollen ja planmäßig im August mit den Dreharbeiten hier vor Ort in Deutschland beginnen und dann im November in den Schneideraum. Mehr weiß ich selber noch nicht.

teleschau: Gibt es in Deutschland mittlerweile eine starke Produktionsindustrie oder hangelt man sich als Produzent noch immer von einem Projekt zum nächsten?

Wortmann: Unsere Firma Little Shark Entertainment ist eher klein strukturiert und soll es auch bleiben. Das ist eine Frage der Philosophie: Wir wollen nur wenige Filme machen, die aber dafür richtig von Anfang bis Ende betreuen. Wenn wir mehr produzieren wollten, bräuchten wir mehr Leute, was wiederum die Firma vergrößern, unübersichtlicher und industrieller machen würde. Wir hatten durch diese Taktik das Glück, dass wir mit einer Ausnahme mit allen unseren Filmen sehr erfolgreich waren und durchschnittlich etwa zwei Millionen Kinozuschauer pro Film verzeichnen konnten.

teleschau: Wieso aber machte ein filmisches Kleinod wie "Der Schatz der weißen Falken" eine Bauchlandung?

Wortmann: Wir wussten natürlich nicht vorher, dass es schiefgehen würde. Ich halte den "Schatz der weißen Falken" noch immer für einen der schönsten Kinderfilme der letzten Jahre. Ausdruck davon ist ja auch die Nominierung für den Bundesfilmpreis. Doch leider gilt offenbar die Regel, dass Kinderfilme nur dann an der Kinokasse funktionieren, wenn sie auf einem anderen Medium beruhen. "Die wilden Kerle" gab es vorher schon als Hörbuch, "Bibi Blocksberg" als Hörspiel, und natürlich beruhen die Erich-Kästner-Verfilmungen alle auf großartigen Buchvorlagen: In diesen außerordentlich erfolgreichen Fällen kennen die Kinogänger, meistens natürlich Familien mit kleinen Kindern, die Geschichte schon und gehen nur deshalb ins Kino, um zu sehen, wie das Bekannte neu umgesetzt wurde. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, dafür zu werben, frischen Wind ins Kino zu bringen, und ich würde mir auch vom Zuschauer Begeisterung für neue, ungewöhnliche Geschichten wünschen.

Leif Kramp


Sönke Wortmann ist neuer Regisseur bei der Romanverfilmung "Die Päpstin".
Sönke Wortmann ist neuer Regisseur bei der Romanverfilmung "Die Päpstin". (Little Shark Entertainment)

Spielen die Hauptrollen in "Hardcover" (Kinostart: 03.04.), von links: Lucas Gregorowicz, Lisa Maria Potthoff und Wotan Wilke Möhring.
Spielen die Hauptrollen in "Hardcover" (Kinostart: 03.04.), von links: Lucas Gregorowicz, Lisa Maria Potthoff und Wotan Wilke Möhring. (Universum)

Datum: 01.04.2008

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