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Abbitte

Abbitte

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Das spätviktorianische England des Jahres 1935, ein nobler Landsitz. Schöne Menschen, die "very british" ihren Müßiggang pflegen und sich Beschäftigungen wie dem Schreiben widmen. Was zunächst klingt, als könnte der Regisseur James Ivory die Finger im Spiel haben, erweist sich als ein Kostümdrama, das sich selbst mit ungewöhnlichen Inszenierungseinfällen in neue Höhen des Genres katapultiert. Für die Bestsellerverfilmung (2007) des gleichnamigen Buchs "Abbitte" von Ian McEwans zeichnete der als britischer Shootingstar gefeierte 36-jährige Joe Wright verantwortlich. Das jetzt auf DVD erhältliche Drama war für sieben Oscars nominiert, gewann aber lediglich die Trophäe für die beste Originalmusik.

Die Natur rundherum steht in vollem Saft, alles scheint wie von allein zu gedeihen. Und spätestens, wenn Cecilia (Keira Knightley) wie eine tropfnasse Nymphe im Unterkleid aus dem prächtigen Steinbrunnen steigt, flirrt die Luft. Die arrogante Mine der Schönen ignorierend, zieht Robbie (James McAvoy), der Sohn der Haushälterin, für den diese Inszenierung bestimmt ist, die junge Frau mit den Augen aus. Er liebt Cecilia. Bis sie ebenfalls ihre intensiven Gefühle für den jungen attraktiven Mann zulässt, der dank einer Unterstützung ihres Vaters in Cambridge studieren konnte, vergeht noch eine Weile.

Auf Robbie wirkt die Angebetete wie eine einzige Provokation seiner inzwischen brennenden Leidenschaft. Er verleiht ihr in einem Brief mit unverständlichen Worten Ausdruck: ein Schreiben, das eigentlich nicht für Cecilias Augen bestimmt ist, aber schließlich zum Katalysator einer Liebeszene in der Bibliothek mit fatalen Folgen wird.

Auslöser des Dramas ist Cecilias 13-jährige Schwester Briony, glühend kühl dargestellt von der Oscar-nominierten Saoirse Ronan. Das altkluge und neugierige Mädchen möchte endlich zur Welt der Erwachsenen gehören und lebt seine Fantasie beim Schreiben aus. Soeben hat sie ihr erstes Theaterstück vollendet. Das durchdringende Geklapper ihrer Schreibmaschine gibt den nervösen Rhythmus in diesem ersten Teil des Films vor und verschmilzt auf raffinierte Weise mit der Filmmusik.

Für Briony soll das Leben der Literatur nacheifern, sollen Fiktion und Wirklichkeit ineinander aufgehen. Ihrem eigenen Dasein fehlt das Drama, ein Wendepunkt, der sie aus der Unschuld der langweiligen Kindheit, in der sie sich gefangen fühlt, herausreißt. Gepaart mit Eifersucht auf ihre Schwester und einem noch kindlichen Unverständnis für Sexualität, beschuldigt sie Robbie eines schweren Verbrechens, das sich auf dem Anwesen in derselben Nacht zuträgt. Ihn bringt diese Aussage für Jahre ins Gefängnis, was aber nicht Cecilias Liebe für ihn zerstören kann.

Nach diesem einen, grandios inszenierten Schicksalstag für die Liebenden wechselt der Film in epische Breiten. Robbie kämpft als Soldat in Frankreich, die beiden Frauen ringen in England als Krankenschwestern um das Leben der Verwundeten. Der Film mutiert zum Schlachtengemälde. Die Kamerafahrt über die apokalyptischen Zustände vor der Evakuierung der Briten in Dünkirchen hätte in einem Kriegsfilm großes Kino werden können. Hier aber wirkt das nach dem feinsinnigen Anfang wie das plumpe Hereinbrechen eines Hollywood-Blockbusters.

Die Kraft der Bildsprache wird auf der DVD hervorragend wiedergegeben. Die Farben sind in allen Schattierungen echt. Mit exzellenter Schärfe und genauer Detailzeichnung lässt die optische Qualität keine Kritik zu. Auch der Sound ist bombastisch, gibt den Kriegsszenen eine düster-bedrohliche Atmosphäre und bindet den großartigen Score gut ein. Zahlreiche räumliche Effekte bedienen auch die hinteren Boxen wirkungsvoll. Weniger überzeugend ist der Bonusteil. Neben einem allzu gediegenen Audiokommentar des Regisseurs sowie einigen entfallenen Szenen gibt es lediglich noch ein Making Of sowie eine fünfminütige Abhandlung über den Roman. Beide Dokus sind recht langatmig geraten und leider wirklich nichts Besonderes.

Alfred Kunze

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Ungarisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Bulgarisch, Kroatisch, Ungarisch
extras Audiokommentar Joe Wright (Regie); Making Of; Kurzdoku; Entfallene Szenen
laufzeit 117 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 18 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(GB 2007, R: Joe Wright, D: Keira Knightley, Vanessa Redgrave, James McAvoy u.a.)


"Abbitte" ist großes Gefühlskino rund um eine sabotierte Liebe.
"Abbitte" ist großes Gefühlskino rund um eine sabotierte Liebe. (Universal)

Cecilia Tallis (Keira Knightley, links) und ihre Schwester Briony (Saoirse Ronan) haben sich beide in Robbie Turner verliebt.
Cecilia Tallis (Keira Knightley, links) und ihre Schwester Briony (Saoirse Ronan) haben sich beide in Robbie Turner verliebt. (Universal)

An der Front muss Robbie Turner (James McAvoy) immer wieder an Cecilia denken.
An der Front muss Robbie Turner (James McAvoy) immer wieder an Cecilia denken. (Universal)

Datum: 03.04.2008

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Diskussion: "Abbitte"

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