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R.E.M. - Accelerate

R.E.M. Accelerate

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R.E.M. haben ein Rockalbum gemacht. Diese und ähnliche Aussagen konnte man bereits im Vorfeld lesen. Und folglich wurde selten zuvor in der fast 30-jährigen Geschichte noch vor Erscheinen des Albums so viel über Sound und Songs spekuliert, wurden Band-Statements verbreitet und Erwartungen geschürt. R.E.M. wollten nach eigener Aussage ihre Live-Qualitäten einfangen, wieder einfacher und direkter klingen. Vor allem aber selbst wieder Spaß an der eigenen Musik haben. Und "Accelerate" löst erfreulicherweise diese Versprechen ein.

Mit der Definition als "Rockalbum" sollte man allerdings in ihrem und diesem Fall vorsichtig sein. Macho-Posen, Grobschlächtigkeiten und die Erfüllung von Rockklischees waren nie die Sache des eigenwilligen Dichters und Denkers Michael Stipe und seiner Mannen. Und wenn, dann führten sie, wie beim vergleichsweise breitbeinigen und großmäuligen Grunge-Rock-Abgesang des 1994er-Albums "Monster", zu ziemlich unausgegorenen und unglaubwürdigen Ergebnissen. Insofern sollte "Accelerate" nach zwei mediokren, soundtechnisch unnötig aufgeblasenen Alben vor allem als Rückbesinnung auf alte Stärken begriffen werden.

Und so erinnert das Album mit vordergründig lärmenden, dennoch melodiösen Popsongs daran, warum R.E.M. in den 80er-Jahren als Speerspitze des Alternative- und Collegerocks galten, bevor diese Genrebezeichnungen als Schimpf- bzw. Unworte galten. Bestes Beispiel dafür ist "Man-Sized Wreath", das ohne Probleme auch auf dem 87er-Meisterwerk "Document" seinen Platz finden könnte. In der Vorabsingle "Supernatural Superserious" klingt entfernt der Jangle-Pop nach, der R.E.M. anfangs den Beinamen "Neffen der Byrds" einbrachte. Und im düster-folkigen, Orgel-getriebenen "Houston" darf Gitarrist Peter Buck sogar wieder zur Mandoline greifen, die "Losing My Religion" zu einem Welthit machte.

Buck war es auch, der vor den Aufnahmen zu "Accelerate" dazu mahnte, sich nicht "ewig über irgendwelche Dinge den Kopf zu zerbrechen", wie er in einem aktuellen Interview zu Protokoll gibt. Die Tatsache, dass R.E.M. sich den offensichtlichen Unmut ihres Gitarristen zu Herzen nahmen und nun einfach die Verstärker aufdrehen, wieder ohne jegliche Manierismen losspielen und zudem gute bis sehr gute Songs abliefern, macht "Accelerate" zwar nicht zu einem "Rockalbum". Aber zum Besten, was das Trio seit dem Ausstieg ihres Drummers Bill Berry vor zehn Jahren vorgelegt hat.

Stefan Weber


Datum: 01.04.2008

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