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Der Anfang einer großen SacheAnzeige Es gibt Dinge, wegen denen man Pink Floyd heute nicht mehr ganz versteht. Zum Beispiel brachte die britische Band vor einigen Jahren eine Doppel-CD heraus, die an den Seiten eingearbeitete Leuchtdioden besaß, die munter vor sich hinblinkten. Auch die letzten Shows - sieht man von der Live-8-Reunion ab - waren etwas irritierend. Materialschlachten, Technikfeste - aber der Soul? Der fehlte irgendwie. Um zu verstehen, warum Pink Floyd trotzdem eine der wichtigsten Bands der Popgeschichte sind, muss man also in der Vergangenheit forschen. Alte Platten hören, am besten aus der Zeit, in der Syd Barrett noch Architekt der Band war. Diese DVD bietet dazu Gelegenheit, beinhaltet sie doch Material, das aufgezeichnet wurde, bevor das Debütalbum "The Piper At The Gates Of Dawn" erhältlich war. Eigentlich ist es fast ein kleines Wunder, dass diese Aufnahmen noch nie verwertet wurden, zeigen sie doch die Essenz der frühen Pink Floyd. "London 1966 / 1967" ist ein schillernder Bilderbogen, der anfangs vor allem eines tut: Er irritiert heftig. Denn die Dramaturgie, aber auch die Bildqualität der DVD schlägt dem Zuschauer von heute ein Schnippchen. Sie steigt mit dem anstrengendsten Teil ein: "Nicks Boogie" und "Interstellar Overdrive" waren - zumindest in diesen Fassungen - noch nie zu sehen oder zu hören. Dabei waren es eigentlich die ersten Pink-Floyd-Tonaufnahmen überhaupt: Peter Whitehead, einer der wichtigsten Pop-Filmemacher überhaupt, mietete sich mit Pink Floyd an einem Wintertag im Jahr 1967 in einem Londoner Studio ein, nachdem er einen Live-Gig der Band gesehen hatte. Er brauchte eigentlich vor allem Background-Musik für seinen Film "Tonight Let's All Make Love In London". Pink Floyd, die Band, die ihn "oft genug nicht hatte schlafen lassen, weil sie in meinem Haus probten", beeindruckten ihn nachhaltig. Immer wieder zoomt er auf die Hände, auf die Instrumente, auf die Gesichter. Dazu schnitt Whitehead Live-Footage und Dokumente der Zeit. Man sieht viel nackte Haut - zum Teil angemalt, zum Teil nur von einem Minirock verdeckt und oftmals illustriert mit dem Union Jack. Das alles ist im höchsten Maße psychedelisch, wie auch der komplett mitgeschnittene Auftritt "14 Hour Technicolor Dream Extravaganza". Ein visuell erweckendes Pink-Floyd-Erlebnis sollte man nicht erwarten. Dafür wurde zu viel improvisiert, war die eingesetzte Technik zu dürftig. Auch das Soundrecording hat seit den Aufnahmen Fortschritte gemacht - der Ton wurde für die DVD freilich einer digitalen Kur unterzogen und ist im 5.1-Format nicht ganz so schwach wie vielleicht befürchtet. Neben dem Regisseur kommen im Interviewteil Prominente der Zeit zu Wort - sie äußern sich allerdings nicht explizit zum Thema Pink Floyd. Michael Caine moralisiert ein wenig, redet über die Beat-Ära, Miniröcke und die Rolle der Frau. Ein pausbäckiger Mick Jagger ist vor allem mit seiner Zigarette beschäftigt, während er seine fünf Cent zum Thema Popmusik und Erfolg abgibt. Natürlich, wahnsinnig substanziell ist das alles nicht, Spaß macht's dennoch: "London 1966 - 1967" ist ein Film, der nicht viel Erhellendes über die Band kommuniziert, sondern stattdessen ein körnig-improvisiertes und sehr frei gestaltetes Zeitzeugnis, das dem Zuschauer viel Interpretationsspielraum gibt. Und das ist ja auch mal etwas Schönes. Jochen Overbeck |
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