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Rolling Stones

Das teuerste Fitness-Video aller Zeiten

Band Rolling Stones

(tsch) Es liegt nicht nur an Mick Jaggers Mund. Die Rolling Stones sind Großmäuler. Seit den 60-ern brüllen sie nach "Satisfaction", nach etwas, das sie zufrieden macht. Und doch sind sie mit ihrer Rolle als lebende Legenden mehr als zufrieden. Wäre das anders, wären sie längst tot. Stattdessen steht Jagger mit 64 immer noch auf der Bühne, nennt sich trotz Ritterschlag nicht Sir Michael Jagger und kann auch mal den Mund halten, zum Beispiel wenn er neben dem nur acht Monate älteren Martin Scorsese sitzt.

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Man sieht es deutlich in Jaggers Gesicht, wie er den New Yorker Filmemacher schätzt. Er schweigt, wenn Marty spricht, er würde ihm nie ins Wort fallen, antwortet nur, wenn er gefragt ist. Scorsese, der Mann mit der Hornbrille, der nicht Woody Allen ist, drehte den Konzertfilm "Shine A Light", das Geburtstagskonzert für Bill Clinton, eine Info, die gerne unterschlagen wird.

Christina Aguilera und Jack White von den White Stripes standen als Gäste auf der Bühne des New Yorker Beacon Theatres, der ehemalige amerikanische Präsident samt Gattin und jetziger Präsidentschaftskandidatin applaudierten. Vor mittlerweile anderthalb Jahren stellten sich Mick Jagger, sein Sandkastenfreund Keith Richards, Ron Wood und der altehrwürdige Gentleman Charlie Watts - der darf sitzen - zwei Mal exklusiv einem kleinen Publikum, jeweils 3.000 Zuschauern.

Zu Anfang des Kinofilms fühlt man sich an Scorseses Oscar-Drama "Departed" erinnert. Hat der Regisseur eine Reminiszenz an sich selbst eingebaut? Schwarz-weiß und grobkörnig bebildert der große Künstler des Filmgeschäfts die Frage nach der Zufriedenheit. Mick Jagger mag die Deko nicht, und was, wenn die Kameras stören?

Es wurde Zeit, sagt Scorsese, 40 Jahre wollte er diesen Film schon drehen, kam nur nicht dazu. Von einer Herzensangelegenheit zu sprechen, wäre dennoch zu hoch gegriffen. Vielmehr ist dieser Live-Mitschnitt, für den 16 exzellente Kameraleute zu Helferlein degradiert wurden, ein Spaßprojekt zweier Junggebliebener. Jagger und Scorsese, zwei Anachronismen, die doch immer noch am richtigen Platz zu sein scheinen. Blickt man in die Credits im Abspann, runzelt mancher die Stirn angesichts der ausführenden Produzenten: Das sind die Stones selbst.

"Ein Witz ist das", echauffierte sich Martin Scorsese, ganz Angestellter, beim Pressetermin in Berlin, "Die Show beginnt, und in zwei Sekunden ist sie vorüber." Ein Fingerschnipp. Und die Setlist, die er immer wieder von den Musikern erbettelte, wollten sie ihm erst kurz vor Beginn des Gigs aushändigen. Da grinsen sie, der Keith und der Mick.

Keith Richards wird immer der Coolere bleiben in diesem Duo, selbst jetzt, da er zum ersten Mal sein Gesicht an die Werbung verkaufte - für Edeltaschen. Mit Trapperhut und Indianerschmuck sowie einem eventuellen Restkater setzt er nicht nur sein breitestes Grinsen auf, sondern flirtet tatsächlich beim Fototermin mit einer der Türsteherinnen, deren teilnahmsloser Blick nicht verrät, ob sie weiß, wer sie gerade angesprochen hat. Ladies und Gentlemen, willkommen bei der Eigenwerbung von Keith Richards.

Sowohl Film als auch die Doppel-CD verfügen über keinen einzigen Song nach 1983, dafür aber einen derart brillanten Ton, den auch Laien bemerken werden. "Shine A Light" selbst sollte man nicht als Blick hinter die Kulissen missverstehen. Nach wenigen Minuten in diesem Bereich, einigen kurzen Besprechungen, bleiben die Kameras auf die Live-Show gerichtet. Das darf man sich wie die zersägte Jungfrau im Zirkus vorstellen. Martin Scorsese zaubert - die von den Kameras festgehaltenen Einzelteile wieder zusammen, zu einem Prachtweib, um im Bild zu bleiben.

Das ist das teuerste Fitnessvideo aller Zeiten, das ist überdurchschnittliches Handwerk von einem, der schon mit Elvis Presley auf Tour war. Und der in dem Bereich weitermachen will. Derzeit plant der Mann, der einst den "Taxi Driver" schuf, eine Doku über Bob Marley, auch nicht unbedingt der spannendste Einfall, aber Marty wird's schon richten.

Die Stones planen derweil ihr 23. Studioalbum, wollen Ende des Jahres erste Aufnahmen eintüten. Richards meinte, er wüsste nichts, was dagegen spricht und prophezeite, sich auch im Rollstuhl auf die Bühne fahren zu lassen.

Vielleicht erlebt das britische Seebad Blackpool den Gitarristen noch auf zwei Beinen. Schließlich hat der Bürgermeister kürzlich den Stones-Bann gebrochen. Ihr dürft wieder zu uns kommen, schallte es Ende März durch die Medien. Vor 44 Jahren haben die Krawalle beim Konzert zum Hausverbot der Band geführt. Soweit bekannt ist, haben Jagger und Freunde noch nicht die Koffer gepackt, um im Kurhotel aufzutreten. In gut unterrichteten Kreisen wird gemunkelt, sie fühlten sich noch zu jung für das dortige Publikum. Anlass der Ausschreitungen war übrigens, dass einige Fans Brian Jones bespuckten.

Claudia Nitsche


Angemessen demütig: Die Rolling Stones bedanken sich bei der illustren Schar, die an jenem Abend ins Beacon Theatre in New York kam.
Angemessen demütig: Die Rolling Stones bedanken sich bei der illustren Schar, die an jenem Abend ins Beacon Theatre in New York kam. (Kinowelt)

Bitte lächeln: Mick Jagger und seine Band spielten Bill Clinton ein Geburtstagskonzert. Martin Scorsese filmte mit.
Bitte lächeln: Mick Jagger und seine Band spielten Bill Clinton ein Geburtstagskonzert. Martin Scorsese filmte mit. (Kinowelt)

Die Bühne gab einiges vor - etwa dass die Stones auf ihre Giga-Show verzichten mussten.
Die Bühne gab einiges vor - etwa dass die Stones auf ihre Giga-Show verzichten mussten. (Kinowelt)

Datum: 05.04.2008

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Diskussion: "Rolling Stones"

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