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Oldboy

Oldboy

(tsch) Kino aus Fernost bietet weit mehr als Schwert schwingende Rächer und Jackie Chan. In Südkorea beispielsweise hat sich eine starke einheimische Filmwirtschaft etabliert, die mit 60 Prozent Marktanteil eine Dominanz erreicht, bei der man sich in Amerika verwundert die Augen reibt und die Europäer vor Neid erblassen. Dabei schaffen es die Koreaner, das Mainstream-Publikum zu unterhalten, sich dabei aber künstlerisch vom Einerlei abzuheben. Und zimperlich sind die Koreaner erst recht nicht. Park Chan-wooks "Oldboy" (2003), den ARTE nun wiederholt, ist ebenso hart wie zynisch und bedient sich reichlich bei Kafka.

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Der Film ist ein gutes Beispiel für die Gratwanderung zwischen Kunst und kommerziellem Erfolg. Die Geschichte von Geschäftsmann Oh Dae-su (Min-sik Choi), der von Unbekannten entführt und 15 Jahre in einem fensterlosen Zimmer eingesperrt wird, war sowohl Publikumsrenner in Südkorea als auch Festivalliebling in Cannes. Es ist keine leichte Kost, die Park serviert. Sein Protagonist hat nur einen Fernseher als Kontakt zur Außenwelt. Durch ihn erfährt Oh Dae-su, dass seine Frau ermordet wurde und er der Hauptverdächtige ist. Er beginnt, seine blanken Fäuste zu trainieren, um dem Wahnsinn zu entkommen und um sich auf seine Rache vorzubereiten.

Denn so plötzlich, wie er gefangen wurde, wird er entlassen. Doch der Albtraum ist damit nicht zu Ende: Binnen fünf Tagen muss Dae-su den Grund für seine Folter enträtseln, sonst drohen die Gangster, alle Menschen umzubringen, die er liebt. Also sucht er nach den Gründen und rächt sich dabei gleichzeitig an seinen Peinigern.

"Oldboy" zeigt mit starken Bildern, die nichts für schwache Mägen sind, und ökonomischer Erzählweise, dass Rache kein Selbstzweck sein muss und dass Gewalt viel bedrohlicher ist, wenn sie in den Köpfen des Publikums stattfindet. Denn die Bilder, die dem Zuschauer durchaus den Magen umdrehen können, gibt es mitnichten auf der Leinwand zu sehen. Das vielschichtige Rächerdrama bestätigt jedenfalls mit schmerzhafter Präzision, einem roh verspeisten Tintenfisch und einem zum Zahnziehinstrument umfunktionierten Hammer den Kultstatus des asiatischen Kinos.

Andreas Fischer



Dae-su Oh (Min-sik Choi) hat 15 Jahre in einem fensterlosen Gefängnis verbracht und findet nach seiner Entlassung Unterschlupf bei der Kellnerin Mido (Hye Jung Gang).
Dae-su Oh (Min-sik Choi) hat 15 Jahre in einem fensterlosen Gefängnis verbracht und findet nach seiner Entlassung Unterschlupf bei der Kellnerin Mido (Hye Jung Gang). (ARD / Degeto)

Woo-Jin Lee (Ji-tae Yoo, Mitte) ist ein genialer Marionettenspieler, der sich mit Hilfe seines Leibwächters an seinem Jugendfreund Dae-su Oh (Min-sik Choi, rechts) bitter rächt.
Woo-Jin Lee (Ji-tae Yoo, Mitte) ist ein genialer Marionettenspieler, der sich mit Hilfe seines Leibwächters an seinem Jugendfreund Dae-su Oh (Min-sik Choi, rechts) bitter rächt. (ARD / Degeto)

Datum: 08.04.2008

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Artikel ID 198201

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