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Fleisch ist mein Gemüse

Fleisch ist mein Gemüse

(tsch) "Fleisch ist mein Gemüse" ist ein Nischenprodukt. Das Gros der Kinozuschauer wird mit dem Kopf schütteln, nicht viel anzufangen wissen mit der Biografie Heinz Strunks. Ob das Kino wirklich die jungen Jahre des Entertainers braucht, ist, selbst wenn man dem Hamburger zugetan ist, nur mit einem "Nicht unbedingt" zu beantworten.

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Heinz Strunk ist 45 Jahre alt und war oft bitterböse zu anderen Menschen, wenn er sie am Telefon als Teil von Studio Braun in den Wahnsinn trieb. Strunk hatte aber auch schon gute Ideen, so tourte er mit Charlotte Roche, um aus der Doktorarbeit "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern" vorzulesen. Vor vier Jahren veröffentlichte er seine Jugenderlebnisse, die er mit viel Witz und etwas Tiefgang niedergeschrieben hatte. Das Buch nannte er grundlos aber wohlklingend "Fleisch ist mein Gemüse".

Im vergangenen Jahr konnte man den Autor selbst vor der Kamera erleben, in der wunderbaren, schwarzhumorigen Produktion "Immer nie am Meer". An den Zynismus des Österreichers Antonin Svoboda kann "Fleisch ist mein Gemüse" nicht anknüpfen, dazu kommt die Geschichte über das junge Talent, das selbiges in einer provinziellen Tanzkapelle verschleudert, zu banal daher.

Die ohnehin kurze Produktion ergötzt sich am Prinzip der Wiederholung bis zum sprichwörtlichen Erbrechen. Regisseur und Drehbuchautor Christian Görlitz tritt viel zu lang auf der Stelle, torkelt uninspiriert durch endlose Wiederholungen der Auftritte auf dem platten Land. Das erschöpft sich so schnell wie die Reime von Bandleader Gurki (Andreas Schmidt).

Strunk kommentiert das Geschehen, hängt als Pendant zum Jägermeister-Hirschgeweih an der Wand, spricht auch mal aus dem Off zu Maxim Mehmet ("Der rote Baron"), der ihn spielt. Als jungen Mann in den fraglos hässlichen Achtzigern, mit vielen Pickeln, die man schon als prächtige Geschwüre bezeichnen kann. Die Mama (Susanne Lothar in ihrer Standardrolle) eine Neuroleptikerin, die man natürlich nicht verlassen kann, um auf eigenen Füßen zu stehen.

Dennoch purzelt Heinz vorwärts, scheint seine musische Gabe doch so zwingend, dass auch sein soziales Leben involviert wird. Da sind zunächst die Kollegen um Gurki, die Tiffanys, bei denen er als Saxofonist unterkommt. Beim Tingeln von Familienfeier zum Schützenkönig erlebt Heinz die Vorzüge der Trunkenheit.

Dann gibt er eine Anzeige auf, castet Sängerinnen für "was Eigenes". Tatsächlich bleibt die freundliche Blondine (Susanne Bormann), zu der Heinz freundschaftlichen Kontakt pflegt und sich als angenehmer Gastgeber und Koch empfiehlt. Doch sie ist noch nicht die Richtige.

Warum nur ist der Ton so aufgesetzt naiv? Wenn man sich unbedarft geben will, sollte man nicht vor jeden Dialog ein Ausrufezeichen setzen. Die Zeiten, in denen "Achtung, Witz!"-Ausrufe spaßig waren, sind seit Diether Krebs und "Sketchup" vorbei, da mag der Retrowahn toben wie er will.

Der trockene Humor lässt sich nicht 1:1 umsetzen, wirkt wie isoliert auf der Leinwand. So bleibt der Plot steril. Der bereits 32-jährige Maxim Mehmet beweist sich als solider Schauspieler, vermag dem Drehbuch aber auch nicht mehr Glanz zu verleihen als es ihm die Dialoge und Schachzüge erlauben. So bleiben ein paar müde Lacher und die Tragikomik der Vorlage auf der Strecke.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Universal, D 2008, R: Christian Görlitz, D: Maxim Mehmet, Heinz Strunk, Oliver Bröcker u.a.

Laufzeit: 97 Min.

Kinostart:
17. April 2008


Regisseur Christian Görlitz verfilmt den autobiografischen Roman von Heinz Strunk.
Regisseur Christian Görlitz verfilmt den autobiografischen Roman von Heinz Strunk. (Universal)

Sogar der "echte" Heinz Strunk taucht immer wieder im Film auf.
Sogar der "echte" Heinz Strunk taucht immer wieder im Film auf. (Universal)

Saxofonist Heinz (Maxim Mehmet) und Sängerin Jette (Anna Fischer) geben auf der Bühne alles.
Saxofonist Heinz (Maxim Mehmet) und Sängerin Jette (Anna Fischer) geben auf der Bühne alles. (Universal)

Datum: 12.04.2008

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Diskussion: "Fleisch ist mein Gemüse"

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