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Chiko

Chiko

(tsch) Es geht voran in der Karriere von Komödiendarsteller Denis Moschitto. Nach "Süperseks" und "Kebab Connection" bekommt er die Chance, einen ganzen - von Fatih Akin produzierten - Film zu tragen. Als Dealergeselle Chiko ist er auf der Suche nach Respekt. Seinem Darsteller sollte man den auf jeden Fall zollen.

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Wie oft sie "Alter" zueinander sagen, mag man gar nicht zählen. Doch es gehört zu den Stärken von Drehbuchautor und Regiedebütant Özgür Yildirim, dass er jene Klischees aufbricht. So erträgt auch die Mutter von Chikos bestem Freund Tibet (Volkan Özcan) das Gepose am Küchentisch nicht mehr und versucht, den Hintergrund für den steten Gebrauch dieses Wortes zu erkunden.

Lilay Huser in der Rolle der besorgten Mutter für ihren eigenen und Ziehsohn Chiko ist der emotionale Dreh- und Angelpunkt dieser von Gewalt durchsäten Geschichte. Sie ist Projektionsfläche für Gefühle, schließlich ist es schwer genug, sich diesen zu stellen. Aber wenn Tibet schon davon spricht, dann in Zusammenhang mit ihr. Hätte er Geld, würde er ihr eine neue Niere kaufen. So aber fahren sie zur Dialyse.

Tibet ist nicht so smart wie Chiko, der einen Plan hat, der sich beweisen will, um vom Kiezboss Brownie (Moritz Bleibtreu) ernst genommen zu werden.

Chiko ist brutal, verantwortungslos und dann wieder der gute Junge und noch bessere Kumpel. Die vorherrschende Stimmung ist mit Aggression gepaartes Ehrgefühl, eine heikle Mischung, die Moschitto, aber auch Volkan Özcan nicht nur hinbekommen, sondern oftmals zelebrieren.

Regisseur Yildirim blättert auch in der menschlichen Ecke des Drogenbosses, den Bleibtreu ebenso gut ausbalanciert wie Moschitto seinen Bewunderer. Gerade weil es Manieren gibt, weil die Betrachtungsweise sich immer wieder ändert und beide Hauptdarsteller Sympathieträger sind, bleibt diese Milieustudie spannend.

Es dauert lange, bis der Hamburger einen stillen Moment wagt. Dafür arbeitet er mit Wortspielen, die vielleicht nicht typisch sind für die Szene, im Drama aber Wirkung besitzen. "Ich bereu's, Schiss zu haben" oder eben doch "Ich hab kein Schiss zu bereuen"?

Ursprünglich hatte Yildirim Bleibtreus Rolle als türkischen Zigeuner angelegt, Dank der guten Kontakte seiner Produktionsfirma Corazón, oder genauer zwischen Fatih Akin und Bleibtreu, bekam sein Drama nicht nur einen großen Namen, sondern auch ein Stück Realitätsnähe verpasst. Denn die Macht im Kokainhandel haben die Deutschen selbst.

Moschitto wählte er, damit der Zuschauer keine Scheu vor dem Helden hat, er sollte zwischen Gut und Böse lavieren. Dazu kommt die alles andere als klassische Lovestory. Chikos Freundin ist eine Prostituierte, die ebenfalls für Brownie arbeitet; Disskönigin und Rapperin Lady Bitch Ray bleibt trotz verruchtem Image sehr natürlich bei ihrem ersten Kinoauftritt.

Einen Score sparte sich der Regisseur, schließlich wollte er Authentizität. So beginnt er mit HipHop, solange es um die Kifferszene geht, wechselt dann zu Techno und Trance, wenn Chiko die Kokainwelt betritt.

Seine Schauspieler bestreiten die Tour de Force, die zeigt, wie wenig es zum Lachen gibt auf unseren Straßen. Und so hält der Regisseur die Spirale, die alle nach unten zieht, auch nicht auf.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Falcom, D 2008, R: Özgür Yildirim, D: Denis Moschitto, Moritz Bleibtreu, Volkan Özcan u.a.

Laufzeit: 92 Min.

Kinostart:
17. April 2008


In einem Hamburger Vorort hoffen zwei Freunde auf das große Drogengeschäft.
In einem Hamburger Vorort hoffen zwei Freunde auf das große Drogengeschäft. (Falcom Media GmbH)

In der Drogenszene muss Chiko (Denis Moschitto) immer wieder hart durchgreifen.
In der Drogenszene muss Chiko (Denis Moschitto) immer wieder hart durchgreifen. (Falcom Media GmbH / Maria Krumwiede / corazón international)

Tibet (Volkan Özcan) dreht total durch.
Tibet (Volkan Özcan) dreht total durch. (Falcom Media GmbH / Maria Krumwiede / corazón international)

Datum: 13.04.2008

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Diskussion: "Chiko"

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