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Denis Moschitto

"Deutschland muss mich nicht feiern"

Schauspieler Denis Moschitto

(tsch) Es ist keine Arroganz, wenn Denis Moschitto sagt: "Deutschland muss mich nicht feiern." Denn wir hätten allen Grund, es zu tun. Es gibt hier immer noch viel zu wenige, die so viel können wie Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu oder eben Denis Moschitto. Schauspieler, die intuitiv vorgehen, aus dem Bauch spielen und immer alles richtig machen, ohne sich das stolz an die Weste zu heften. Nein, Deutschland muss den Kölner Schauspieler, der in "Chiko" (Kinostart: 17.04.) eine Meisterleistung hinlegt, nicht feiern. Aber es könnte.

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Nach den Komödien "Süperseks" und "Kebab Connection" durfte er nun ran an einen ernsten, einen harten Gangsterfilm. 17 Kilo nahm er zu für seine Rolle als Dealer, das ist eine Menge bei guten 1,70 Meter. Sein breites Kreuz dominiert bereits die erste Szene. Es war keine Rolle, die er aus dem Ärmel schüttelte.

Chiko ist ein Ausländer, der sich in der unsrigen Bronx Respekt verschaffen will. Auf dem Papier die perfekte Rolle für den Sohn einer Italienerin und eines Türken. Doch von Migrationshintergrund zu sprechen, wäre einigermaßen lächerlich. Denis ist in einem Kölner Krankenhaus geboren. Und so wie er darüber spricht, Rheinländer zu sein, lässt einen schmunzeln, aber sicher nicht über seine Integration nachdenken.

Natürlich, sein Vorname ist schon der erste Clash der Kulturen seiner Eltern, die sich an ihrem Arbeitsplatz kennenlernten. Zwar seien Italiener und Türken nicht so weit auseinander, wie er sagt, dennoch war das in den 70er-Jahren noch eine ungewöhnliche Verbindung. Sein Vater ließ nur bedingt mit sich reden: Im Türkischen heißt es Deniz, der Papa war einverstanden mit dem Weglassen des "z", gesprochen wird der Name wie im Deutschen mit kurzem "e".

In Köln ist der Junge aufgewachsen, in Köln blieb er die letzten 30 Jahre. "Es gibt viele tolle Städte, Berlin, ich mag auch Hamburg sehr gern - aber ich verstehe nicht, wie Menschen mit allem, mit ihren Freunden, der Stadt, in der sie aufwachsen, problemlos brechen können. Das war nie meine Art." Aufgeräumt sitzt er im unauffälligen Streifenpulli und Jeans da, raucht besonnen und hält ein Plädoyer für seine Geburtsstadt.

"Köln ist trotz seiner Größe dörflich, unaufgeregt. Das einzig Schöne ist der Dom, drumherum stehen unglaublich hässliche Bauten, trotzdem sind wir von Natur aus Köln-besoffen, wir feiern unsere Stadt in einem Maße, das man nicht ernst nehmen kann. Ich finde das charmant."

Ein undeutscher Charakterzug, und Denis geht sogar noch weiter: "Ich lebe sehr gerne in diesem Land und ich mag die deutsche Sprache. Sie ist nicht so hässlich wie behauptet wird. Mag sein, dass im Französischen 'Ich wechsle einen Reifen' klingt wie Musik, aber um im Deutschen etwas Kräftiges, Schönes auszudrücken, musst du die Sprache beherrschen. Tust du das, hat sie eine unglaubliche Wortgewalt."

Er blickt kurz auf, vielleicht um die Reaktion auf seine Worte nicht zu verpassen. Moschitto sitzt aufrecht vor einem viel zu niedrigen Tisch, hat ein Bein über das andere geschlagen, die Hand mit seiner Zigarette ruht auf seinem rechten Knie. "Ich bin in der Beobachtung dieses Landes ein bisschen unbefangener als viele Deutsche. Fatih Akin macht aus diesem Grund nüchterne Filme zum Thema Ausländer. Er ist simpel, verkompliziert die Dinge nicht. Das empfinde ich als sehr angenehm. Deutsche Redakteure und Produzenten sind bei dem Thema mit der Angst belastet, bloß nicht politisch unkorrekt zu sein."

Gewalt ist das zentrale Thema von "Chiko". Der Debütfilmer heißt Özgür Yildirim, der aus Fatih Akins Dunst- oder besser Freundeskreis kommt, wie Denis auch. Akin produzierte das Drogen-Drama, das den 30-jährigen Hauptdarsteller so zufrieden macht mit seiner Leistung. Was er kann, hat er bereits vor fünf Jahren in "Verschwende deine Jugend" als Sänger von DAF gezeigt. Leider in einem Film, der - zu Recht - nicht viel Aufmerksamkeit bekam. Demnach scheint Geduld die beinahe wichtigste Eigenschaft in diesem Geschäft zu sein.

"Ja, Geduld ist extrem wichtig", erklärt er. "Ich weiß, was mit mir als Schauspieler möglich ist. Es bleibt schwer, wahrgenommen zu werden. Aber ich bin sehr entspannt, was Reaktionen auf meine Arbeit angeht, selbst wenn keinem der Kontrast zwischen 'Chiko' und 'Kebab Connection' auffallen sollte ... Denn ich bin zufrieden mit meiner Arbeit in diesem Film. Alles Weitere ist Bonus, ich fordere das nicht ein von Deutschland, dass es mich als den deutschen Daniel Day-Lewis feiert." Er lacht, ascht ab.

Zu zweifeln gehört natürlich zum Handwerk, doch nach zehn Jahren Erfahrung bahnt sich das Selbstbewusstsein oder auch nur die Erkenntnis ihren Weg: "Ich weiß, dass ich nicht zu Unrecht diesen Job ausübe. Auch wenn ich mich geärgert oder 'Warum nicht ich?' gefragt habe - war mir immer klar, dass sich meine Karriere gerne viel Zeit nehmen kann und ich Schritt für Schritt wachsen möchte."

Vor fünf Jahren sei er gar nicht in der Lage gewesen, "eine solche Hauptrolle zu spielen und mit der Verantwortung zu leben, dass der Film mit dir steigt und fällt. Da stecken Leute Geld rein. Wenn man dann verkackt, der Hanswurst ist ..." - Immerhin, beim Filmfestival Deutschland - Türkei in Nürnberg wurde er gerade zum besten Hauptdarsteller gewählt. Das darf er als Bestätigung werten, das was er Bonus nennt. Der nächste Schritt.

Claudia Nitsche


Denis Moschitto, 1977 in Köln geboren, spielte unter anderem Hauptrollen in "Süperseks", "Kebab Connection" und "Schule". Nun kommt "Chiko" in die Kinos.
Denis Moschitto, 1977 in Köln geboren, spielte unter anderem Hauptrollen in "Süperseks", "Kebab Connection" und "Schule". Nun kommt "Chiko" in die Kinos. (Maria Krumwiede / corazón international)

Chiko (Denis Moschitto) arbeitet konsequent an seiner Verbrecherkarriere.
Chiko (Denis Moschitto) arbeitet konsequent an seiner Verbrecherkarriere. (Maria Krumwiede / corazón international)

Prominent besetzt: Moritz Bleibtreu und Denis Moschitto spielen Hauptrollen in "Chiko".
Prominent besetzt: Moritz Bleibtreu und Denis Moschitto spielen Hauptrollen in "Chiko". (Maria Krumwiede / corazón international)

Datum: 12.04.2008

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