Mariah Carey - E=MC2
Mariah Carey E=MC2Anzeige Was soll Mariah Carey noch erreichen? Das große Glückskind des Pop-Business war sie bereits. Den freien Fall erlebte sie mit ihrer "Glitter"-Veröffentlichung 2001, um sich dann zu emanzipieren, zu erstarken. Soeben ist die Diva mit den venezolanischen Wurzeln 38 Jahre alt geworden und in ihrer Mitte. Selbstbewusst präsentiert sie sich auf ihrem neuen Album "E=MC 2", ihrem elften. Ein Popalbum. Sie nimmt Fahrt auf. Carey, die Sängerin mit den vier, oft fünf verfügbaren Oktaven, muss nicht nur Balladen singen. Das beweist ihr neues, Bass- und Beats-gesteuertes Album. "Touch My Body", die erste - so minimalistisch wie mitreißende - Ohrwurmsingle, ziert ein Video, in dem Mariah ihren Humor zeigt. Der schnelle weltumspannende Erfolg derselben hat sie überrascht und gleichgestellt mit Elvis Presley, mit dem sie nun die gleiche Anzahl an Nummer-1-Singles in den USA teilt, 18 sind es. Der Song - so verriet sie im Interview - gebe ihre Persönlichkeit wieder. Denn er hat ja noch mehr Text als den Refrain, nur hört da keiner zu, weil alle darauf achten, wie Mariah Carey ebendies immer wieder tut, ihren Körper berühren. Sie lässt es nicht, sie präsentiert sich weiter als Sexbombe. Und lässt dann wieder Statements veröffentlichen, dass sie eher ein "hochgeschlossenes Mädchen" sei. Für die Fans, die seit den Neunzigern an ihrer Schleppe sticken, gilt: Raum, Zeit und Mariah Carey, was braucht man mehr? Der nächste Top Score steht an, will geknackt werden. Nach Elvis Presley sind da nur noch die Beatles, bei den Produktverkäufen wird die 200-er Grenze anvisiert, im Millionenbereich natürlich. Schon ihre erste CD 1991 ging sechs Millionen Mal über den Ladentisch. Utopische Zahlen, ein Popmärchen, das noch lange nicht aus ist. Die bereits in der Vergangenheit erfolgreiche Taktik, mehr Sprechgesang einfließen zu lassen als die Stimme in schwindelnde Höhen zu jagen, verfolgt sie auch diesmal weiter. Dialogpassagen, gerne mit männlichen Partnern, geben einigen Songs erfreuliche Dynamik. Weit weg von dramatischen Posen gibt sich die Künstlerin, die viel mitarrangierte auf dem betont gegenwartsorientierten Album, sehr salopp und sorgenfrei. Wird zu dick aufgetragen, wie in "For The Record", werden die Geigen einfach abgedreht, um dem von den vorigen Songs vertrauten Beat Platz zu machen. Aus der Reihe fällt die zweite Single "Migrate", die Kollaboration mit Rapper T-Pain, mit ihrem orientalischen Stil. Pathetische Einlagen wie "Love Story" und Elemente aus "Thanx For Nothin'" bleiben Ausnahmen. Sehr gelungen ist die zurückhaltende Klavierballade "I Wish You Well". Alle Tanznummern hinterlassen einen wenig angestaubten Eindruck, wie schon "The Emancipation Of Mimi". Ihr Rhythmus befiehlt, sich lasziv zu bewegen, wasserfest zusammengeschweißt von einer stattlichen Produzentenriege (unter anderem der bewährte Jermaine Dupri). Wobei die aufkommende Erinnerung an Madonnas Stil vor fünf bis acht Jahren das in gewisser Weise relativiert. In der Wortwahl werden Mariah-Carey-Songs sich wohl nicht mehr ändern. "Baby" oder "Kiss" muss man ebenso aushalten wie stete Wiederholungen. Sogar im Feuerzeuge-Schwenk-Titel "Bye Bye" zum Tod ihres Vaters. Claudia Nitsche |
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