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Der Duft von Lavendel

Der Duft von Lavendel

(tsch) Goodbye Lenin, hello Weltruhm: Daniel Brühl spielt in seiner ersten internationalen Rolle an der Seite von zwei der bemerkenswertesten Damen des britischen Kinos. Im Schatten von Dame Judi Dench und Maggie Smith bleibt der Liebling des deutschen Arthauses allerdings recht blass, was nicht nur an seiner Rolle liegt, sondern zum großen Teil der altbackenen Inszenierung geschuldet ist. Regie-Novize Charles Dance schickt ihn in "Der Duft von Lavendel" als polnisches Violinenwunder in die englische Provinz des Jahres 1936, wo er zwei älteren Ladies einen zweiten Frühling beschert.

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Andrzej Marowski (Brühl) ist das Aufregendste, was seit Jahren im Leben der beiden Schwestern Ursula (Judi Dench) und Janet (Maggie Smith) passierte. Der junge Mann ist ein Gestrandeter, der nach einem fürchterlichen Sturm an die Küste gespült wird und den Tagesablauf der Damen mächtig durcheinander bringt. Die Schwestern haben sich in einer pastellfarbenen Routine eingerichtet, die aus Gartenarbeit, Radio und täglichen Sticheleien besteht. Das Leben muss den beiden eine Menge geboten haben, nun aber wollen sie sich ausruhen.

Die schüchtern-verspielte Ursula leidet dabei unter der dominanten Janet. Sie sind gemeinsam einsam und haben sich nicht (mehr) viel zu sagen. Gefühle schlummern seit Jahren unter der Oberfläche, ein Ausbruch der Emotionen ist schon lange nicht mehr zu erwarten. Aber Andrzej ist ein Katalysator, der dafür sorgt, dass Lebenslügen und verpasste Chancen aus der Tiefe des erzwungenen emotionalen Exils ihren Weg ans Tageslicht finden.

Charles Dance verpasst es, ihm Konturen zu geben. Seltsam antriebslos wirkt der junge Mann. Brühls harmlos-nettes Lächeln vermag es auch nicht, das Profil der Figur zu schärfen. Alles an ihm ist vage, seine nie geklärte Herkunft, sein Traum von Freiheit in Amerika, seine Beziehung zu den Ladies, die ihn retteten. Er mag Ursula und Janet, ist aber auch bereit, das liebevolle Haus schnellstmöglich für seine Karriere zu opfern. Denn Andrzej ist ein begnadeter Violinen-Spieler, der nicht nur beim Dorffest für Aufsehen sorgt, sondern auch das Interesse der mysteriösen Russin Olga Danilowa (Natasha McElhone) weckt. Als Schwester eines gefeierten Virtuosen erkennt sie sein Potenzial und will ihm zu einer internationalen Karriere verhelfen.

Diese Nebenhandlung wirkt wie ein Fremdkörper und offenbart damit das ganze Dilemma in Charles Dances Regiedebüt. Er will zu viel erzählen und wird dadurch eher zum Flickschuster als zum genauen Beobachter. Das Drama einer fast verhinderten Musikerkarriere, der Blick auf die englische Provinz in den politisch heiklen 30-er Jahren und das Melodram über die verpassten Chancen und Lebenslügen der beiden Schwestern sind Teile, die sich nicht zu einem Ganzen fügen.

Ein paar nette inszenatorische Kniffe hat Charles Dance, bislang vor allem als Schauspieler ("Gosford Park", "Swimming Pool") erfolgreich, dennoch gefunden. So lässt er die Kommunikation zwischen den Engländerinnen und dem Polen drei Jahre vor Ausbruch eines Krieges, der schon wie eine düstere Gewitterwand am Horizont droht, in Deutsch stattfinden. Er schart ein skurriles Personal - von der resoluten Haushälterin bis zum Whisky-trinkenden Landarzt - um die Protagonisten und erzählt mit zurückhaltendem englischen Witz und Understatement in einem angenehm-lockeren Ton.

Aber er hätte sich beschränken und sich mit "Der Duft von Lavendel" auf die Beziehung und das Leben der Schwestern konzentrieren sollen. Hier steckt das Potenzial der Geschichte, hier hat das Leben Spuren hinterlassen, die erst (zu) spät sichtbar werden. Janet hat nie geliebt, war aber verheiratet und verschanzt sich hinter den Erinnerungen an die Ehe. Ursula erinnert sich dank Andrzej wieder daran, dass sie geliebt hat und lieben kann. Sie sieht aber nach einem schwierigem Erkenntnisprozess ein, dass es dafür zu spät ist.

So tragen die beiden Damen den sentimentalen Film auf ihren Schultern. Vor allem Judi Dench ist Identifikationsfigur und schafft es, Ursula eine Vielschichtigkeit zu verleihen, die von Altersweisheit bis zu Backfisch-Albernheiten alle Facetten im Leben einer Frau umfasst. Dench ist großes Kino, ein wahres Wunder mit blauen Augen. Man nimmt ihr die Verliebtheit ab, das Feuer eines jungen Herzens lodert aus dem älter werdenden Körper und beschert dem Film seine zärtlichsten, ehrlichsten und kraftvollsten Momente.

Andreas Fischer

Credits:
V:Concorde, GB 2004, R: Charles Dance, D: Judi Dench, Maggie Smith, Daniel Brühl u.a.

Kinostart:
06.10.2005


Ein Engel mit Violine stieg aus dem Meer und erhellt die Herzen in der englischen Provinz: Andrzej Marowski (Daniel Brühl).
Ein Engel mit Violine stieg aus dem Meer und erhellt die Herzen in der englischen Provinz: Andrzej Marowski (Daniel Brühl). (Concorde)

An der Küste vor ihrem Haus findet Janet Widdington (Maggie Smith) einen mysteriösen Fremden (Daniel Brühl), den das Meer angespült hat.
An der Küste vor ihrem Haus findet Janet Widdington (Maggie Smith) einen mysteriösen Fremden (Daniel Brühl), den das Meer angespült hat. (Concorde)

Judi Dench wird wieder zu einem kleinem Mädchen, wenn sie sich als Ursula Widdington in Andrzej (Daniel Brühl) verliebt.
Judi Dench wird wieder zu einem kleinem Mädchen, wenn sie sich als Ursula Widdington in Andrzej (Daniel Brühl) verliebt. (Concorde)

Datum: 01.10.2005

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