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The Long Blondes - Couples

The Long Blondes Couples

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Es erscheint verlockend, die Gelegenheit eingangs für eine kurze Nachbetrachtung zu nutzen. Denn dank der euphorischen Präsentationen immer neuer Attraktionen aus dem Punk- und Garagen-Zirkus ist seinerzeit fast ein wenig zu kurz gekommen, welch wahrhaft formidables Debüt den Long Blondes aus der Pulp-Heimat Sheffield 2006 gelungen war. "Someone To Drive You Home" war ein Album, das praktisch nur Hits preisgab und Sängerin Kate Jackson als Stil- und Modeikone mit feministischer Autorität etablierte. "Once And Never Again", "Heaven Help The New Girl", "Weekend Without Makeup": Die Long Blondes spielten Song um Song einen inspirierten Wave-Punk, der die unwiderstehliche Prägnanz der frühen Blondie-LPs besaß. Zeit also, mit dem zweiten Album "Couples" auch die hartnäckigsten Zweifler auf die eigene Seite zu ziehen.

Es ist ein durchaus ehrbares Unterfangen, musikalische Weiterentwicklung auch und gerade auf der Basis von Erfolg zu betreiben. Wie so viele andere vor ihnen wollen auch die Long Blondes mit dem zweiten Longplayer nicht einfach beim Erreichten verharren. Und wie so viele vor ihnen erleiden sie dabei nicht gerade Schiffbruch, aber sorgen doch für ein wenig Ernüchterung.

Wohin die Reise gehen soll, verrät sogleich der Opener "Century", eine süffige aber harmlose Dancefloornummer, unterlegt mit 80er-Synthies und Disco-Beat. Mit "Guilt" folgt der Hit des Albums, doch auch hier ist die ehemals strukturierende und rhythmisierende Gitarrenarbeit dezenter in einen synthetisch dominierten Soundteppich eingebettet. Der Titeltrack "The Couples" vermittelt mit Dynamik und reizvollen Harmonien noch am besten einen Eindruck alter Tugenden, wohingegen dem ruppigen und programmatischen "Here Comes The Serious Bit" Charme und Überraschungsmomente abgehen.

Mit Ernsthaftigkeit ist die vorherrschende Tonart von "Couples" überhaupt recht gut erfasst. Statt reizvoll klingt Kate Jackson manchmal gereizt, bisweilen auch etwas kraftlos. "Nostalgia" und "Round The Hairpin" sind Tracks, in denen die Band am nachhaltigsten ihr vormals geschlossenes Konzept aufgibt und sich offeneren und vor allem monotoneren Strukturen anvertraut.

So klingen all die wunderbaren Anlagen, die den Vorgänger ausgezeichnet haben, bei "Couples" durchaus noch nach, doch hat sich in der verschobenen musikalischen Positionierung ein wenig Esprit und Fokussiertheit verflüchtigt. Auch Blondie haben sich seinerzeit rasch vom Punk-Idiom gelöst und gewissermaßen exemplarisch den Sündenfall zum artifiziellen Pop der 80-er vollzogen. Auf dem Weg dorthin noch eine Wundersingle wie "Atomic" abzuwerfen, ist den Long Blondes leider nicht ganz geglückt.

Jens Szameit


Datum: 19.04.2008

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