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Iron Man

Iron Man

(tsch) Das ist sie also, die erste von zehn geplanten Marvel-Eigenproduktionen. Bislang hatte der Comic-Riese seine Superhelden im Kino fremdgehen lassen. Den großen Reibach mit "Spider-Man", "X-Men" und den "Fantastic Four" machten andere. "Iron Man" soll nun eine neue Ära in der Kinoverwertung einläuten. Mit dem schwerreichen Tüftler, Waffenproduzenten und Dandy Tony Stark, der sich mit selbst entworfener genialer Technik zum Superhelden macht, hat sich Marvel durchaus die passende Figur für den Auftakt der zehn Filmgebote ausgesucht. "Selbst ist der Mann" - aber kann das Erfolgsrezept von Eisern-Tony auf die Kinoleinwand übertragen werden? - Ja, unbedingt.

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Das liegt zum einen am Helden. Iron Man ist kein genetisch veränderter Überflieger, kein Außerirdischer, kein Mutant. Iron Man ist ein ganz normaler Mann, ein genialer Bastler, ein erfolgreicher Geschäftsmann und Milliardär, mit sozialen Defiziten freilich. Ein "all american guy" mit dem Erfolg, den sich jeder Amerikaner wünscht (und ein "Self-made Hero", den Amerika gerade nötiger braucht denn je), aber eben auch mit den Fehlern und Schwächen ausgestattet, die der Gesellschaft inhärent sind.

Ecken und Kanten hat dieser Held, und die wurden - ein weiterer Grund, warum "Iron Man" eine fantastische Comic-Verfilmung ist - von einem Regisseur inszeniert, der sich nicht vor ihnen fürchtete. Jon Favreau heißt der Mann, der als Schauspieler bislang eher im Independent-Kino zu Hause war ("The Big Empty") und als Regisseur dem finanziell erfolgreichen "Buddy Der Weihnachtself" (2003) den von der Kritik gelobten Kassen-Flop "Zathura - Ein Weltraumabenteuer" (2005) folgen ließ. Favreaus Verpflichtung erwies sich als Glücksfall, er kennt die Gesetzmäßigkeiten des Genres, weiß aber auch um die Wichtigkeit der Zwischentöne. Also durfte "Iron Man" unter seiner glänzenden, rot-goldenen Rüstung menschlich bleiben und nicht nur mit Waffen, sondern auch mit allerhand (Selbst-)Ironie hantieren.

Gespielt wird dieser widersprüchliche Held von Robert Downey Jr. - noch so ein Glücksfall. Einen Charakterdarsteller für diese Rolle zu verpflichten, noch dazu einen mit so wenig Glamour-Potenzial (dafür bewegter Vergangenheit), das ist mutig. Aber dieser Mut hat Methode. Downey ist phänomenal. Ob als stoischer Snob, der auch im afghanischen Kriegsgebiet an seinem Wodka Martini festhält. Ob als ironischer Kommentar der amerikanischen Volksseele ("Ich schieße lieber einmal richtig als keinmal"). Ob als vom Alltag überforderter Erfinder im Elfenbeinturm, der sich von seiner reizenden Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow mit einer ebenfalls hinreißenden Vorstellung) das normale Leben organisieren lässt.

Tony Stark, das Wunderkind, stellt seine technischen Fähigkeiten in den Dienst seiner erfolgreichen Waffenfirma Stark Industrie, seinen Machismo in den Dienst der Lustmaximierung. Stark behandelt Frauen so , dass der Geheimdienst ihrer Majestät wie eine Klosterschule wirkt. Grandios ist die Szene, in dem sich Stark mit einer kritischen Reporterin einen Schlagabtausch über Gewissen und den Unterschied zwischen den Berufen Held und Händler des Todes liefert; hinter seinem selbstsicheren Antlitz kommt leise Einsicht auf. Die junge Dame freilich wacht ein paar Einstellungen später trotzdem befriedigt in seinem Bett auf.

Subtiler Humor und bissiger Gesellschaftskommentar gehen in scharfzüngigen Dialogen während des gesamten Films immer wieder Allianzen ein. Aber "Iron Man" vergisst nicht, dass er in erster Linie Unterhaltungskino ist. Stark wird also nach einer Waffenpräsentation in Afghanistan entführt und von terroristischen Rebellen gezwungen, seine Superwaffe nachzubauen. Doch anstatt für Chancengleichheit mit dem US-Militär in der Region zu sorgen, entwickelt er eine fliegende Eisen-Rüstung, mit der er entkommt. Die Gefangenschaft hat jedoch nicht nur Spuren am schwer verletzten Herzen hinterlassen. Stark findet heraus, dass seine Waffen nicht nur zum Schutz und zur Verteidigung der USA verwendet werden.

Der geläuterte Held, der Alleskönner, der sich seiner Verletzlichkeit bewusst ist, der Fehler einsieht und genug Größe hat, sie auszubessern - Tony Stark, der in seinem Privatlabor zum "Iron Man" wird, ist das bessere Amerika. Jenes, das in der Anti-Kriegs-Stimmung im Lande wieder gesellschaftsfähig wird und erkennt: Der wahre Feind lebt nicht am Hindukusch, er sitzt im Inneren. Bei Stark ist das der langjährige Geschäftspartner Obadiah Stane (Jeff Bridges, müßig zu sagen, dass auch er in seiner Rolle glänzt). Der will vor allem die Rendite retten, den Wirtschaftskreislauf, den Status quo zwischen Geld und Macht nicht gefährden. Dafür geht er über Leichen.

Natürlich nicht ungestört, denn Stark, Pepper Potts und der gute Soldat Jim Rhodes (Terrence Dashon Howard) kommen ihm auf die Schliche. Was zu einigen hervorragend choreografierten Action-Sequenzen führt, die weniger als Materialschlachten überzeugen, als vielmehr durch Ideenreichtum, gekonnte Schnitte und innovative Einstellungen. Falls es noch einen Beweis brauchte, dass sich solide Action und hintergründiger Witz in einer rasanten Inszenierung treffen können: Jon Favreau liefert ihn mit "Iron Man". Mit ein paar Nebensätzen und beiläufigen Kamera-Schwenks legt er auch die Grundsteine für eine Fortsetzung des Franchise. Robert Downey Jr. hat insgesamt für drei Filme unterschrieben.

Was man dem Film vorwerfen könnte (neben dem aufdringlichen Product Placement des einzigen Ingolstädter Automobilherstellers), ist seine anfangs holprige Dramaturgie. Die Exposition ist recht ausführlich, die dafür notwendige Rückblende zu Beginn wirkt etwas zu manieriert. Irgendwann ist das egal, weil die Figuren glaubwürdig sind, die Geschichte spannend und die Inszenierung voller witziger Einfälle ist. Wer den hilfsbereiten Einarm-Roboter in Tony Starks Werkstatt nicht ins Herz schließt, sollte nachschauen, ob seins noch schlägt.

Andreas Fischer

Credits:
V:Concorde, USA 2008, R: Jon Favreau, D: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Jeff Bridges u.a.

Laufzeit: 123 Min.

Kinostart:
1. Mai 2008


"Iron Man" ist die erste von zehn Marvel-Eigenproduktionen und erfüllt alle Erwartungen an intelligente Comic-Verfilmungen.
"Iron Man" ist die erste von zehn Marvel-Eigenproduktionen und erfüllt alle Erwartungen an intelligente Comic-Verfilmungen. (Concorde Filmverleih)

Ihm gehört die Welt: Tony Stark (Robert Downey Jr.) ist der erfolgreichste Waffenproduzent der USA.
Ihm gehört die Welt: Tony Stark (Robert Downey Jr.) ist der erfolgreichste Waffenproduzent der USA. (Concorde Filmverleih)

Aus der Not geborene Tugendmaschine: Als Iron Man will Waffenproduzent Tony Stark künftig Gutes tun.
Aus der Not geborene Tugendmaschine: Als Iron Man will Waffenproduzent Tony Stark künftig Gutes tun. (Concorde Filmverleih)

Datum: 25.04.2008

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