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Speed Racer

Speed Racer

(tsch) Der Film beginnt ruhig: Ein Junge sitzt auf der Schulbank und müht sich mit einem typisch amerikanischen Multiple-Choice-Test ab. Doch schon schweifen seine Gedanken ab: Er ist auf einer imaginären Rennbahn und braust allen davon. Die Filmemacher Larry und Andy Wachowski haben sich nach der "Matrix"-Trilogie zurückversetzt in die Bonbon-Welt süßer Jungenträume: In "Speed Racer" erzählen sie die Geschichte eines Heranwachsenden, der mit Benzin im Blut um alles in der Welt die Ehre und Rennfahrfirma seiner Familie schützen möchte. Denn die wird bedroht von einem fiesen Mob an Motorsportsponsoren, welche keine Skrupel kennen und alles, aber wirklich alles auf Sieg setzen.

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Gedreht wurde unter anderem in Berlin, eine Reihe namhafter deutscher Schauspisler ergänzen den internationalen Cast mit Emile Hirsch, Chistina Ricci und Susan Sarandon.

Alles ist bunt in jener Welt, zu der sich die Wachowskis offenbar von Kinomagier Tim Burton haben inspirieren lassen. Während die Inneneinrichtungen der häuslichen Umgebungen einer Karikatur der 70er-Jahre gleichen, mäandert die Außenwelt zwischen Puppenhaus-Atmosphäre und technoidem Jahrmarkt-Geglitzer hin und her. Gleichsam wird kein Zweifel daran gelassen, dass das comic-hafte Universum durchsetzt ist mit technologischem Fortschritt. Der damit induzierte Charme lebt also von der scheinbaren Gegensätzlichkeit zwischen konservativem Lebensstil und dem Trachten nach immer neuen, immer futuristischeren Innovationen.

Der Junge namens Speed, Nachname Racer, ist keineswegs ein Hallodri, der nur aus Geltungssucht und infantiler Stupidität seinen Hals auf der Rennstrecke riskiert. Vielmehr wird der charmante Bengel als Enthusiast vorgestellt, der seinem großen Bruder Rex, einem schneidigen Kerl wie aus einer Rasurreklame, nacheifert. Auch als dieser sich von dem familiären Rennstall verabschiedet, weil er anders als sein Vater nicht mehr an die Unbestechlichkeit und Sauberkeit des Rennsports glaubt, verliert Speed nicht den Glauben an sein Vorbild. Als die Familie vom Fernsehen zunächst über Rex' angebliche verbrecherische Untaten und schließlich von seinem Tod während einer halsbrecherischen Rallye unterrichtet wird, bricht für alle eine Welt zusammen. Speed wird fortan im Gedenken an ihn fahren und die Racer-Legende fortsetzen.

So weit, so gut und in nicht überschwänglicher Weise pathetisch. Der mittlerweile erwachsen gewordene Held wird zum gefeierten Champion, doch wird seine Ideologie, der Schutz seiner Familienideale, von raffsüchtigen, aber verführerischen Sponsoren auf die Probe gestellt, die ihn mit allerlei Annehmlichkeiten und Millionengagen locken. Als Speed der Versuchung widersteht, kommt es, wie erwartet, zur Eskalation. Der Traum vom fairen sportlichen Wettkampf steht der Behauptung vollkommener Lenkung durch die Geldgeber entgegen. Das zeitlose Korruptionsthema im Hochleistungssport wird zum alles entscheidenden Kampf zwischen Gut und Böse stilisiert. Natürlich kann es da nur einen Sieger geben. Aber die Vorhersehbarkeit ist nicht das einzige Problem des kunterbunten Bilderreigens aus dem Computer. Popcornkino war gestern: Das Jellybean-Zeitalter ist längst angebrochen.

Erwachsenen wie jugendlichen Zuschauern gleichermaßen dürfte spätestens zur Hälfte der Filmlauflänge bereits schwindelig geworden sein angesichts des Color-Tornados, der durch ihr Blickfeld fegt. Selbst Autoliebhaber sollten sich keine Hoffnungen machen: Viel gibt es nicht zu bestaunen an Rennwagendesigns oder sonstigen interessanten Details. Die ausgiebigen Rennszenen verschwimmen durch ihre schnellen Schnitte und die digital errechnete Beschleunigung zu einem Brei aus Regenbogenfarben, der jegliches Gefühl für den Verlauf des Wettrennens unterminiert.

Den Überblick zu behalten, ist kaum möglich, lieber wird auf das Staunen des Zuschauers gesetzt. Denn die Gesetze der Schwerkraft oder sonstige physikalische Grundregeln gelten nicht mehr in dieser Filmwelt mit springenden Fahrzeugen, halsbrecherischen Rammmanövern bei mehreren 100 Stundenkilometern und Explosionen, bei denen durch Kraftfeldschleudersitze niemand zu schaden kommt.

Die rasante, wenn auch dadurch jeden Sinns enthobene Inszenierung mag noch kurzweilige Unterhaltung versprechen, wären da nicht noch die schmerzhaft flachen Dialoge, die sich aus inhaltslosen Phrasen zusammensetzen und kaum ihre offensichtliche Funktion als Klammer zwischen den ansonsten ach zu zusammenhanglosen Rallye- oder Grand Prix-Szenen erfüllen. Emile Hirsch ("The Girl Next Door", "Alpha Dog") macht sich als Held nicht einmal halb so gut, wie es sich die Wachowskis wahrscheinlich von ihm versprochen hatten. Die meiste Zeit des Films spricht er nicht, einen interessanten Charakter entwirft er nicht. Er sitzt nur hinter dem Steuerknüppel und schaut verkniffen an der Kamera. Und auch die Co-Darsteller wie Jamie Fox ("Lost") als geheimnisvoller Kämpfer gegen Korruption im Rennsport, Susan Sarandon als kochfleißige Mutter oder Christina Ricci als pfiffige Hubschrauber-Pilotin und Freundin Speeds können nicht gegen die herzlose Bildermacht ankommen.

Sie sind trotz Erstnennung im Abspann Nebendarsteller wider Willen, anders als John Goodman als Vater der Racer-Familie und Benno Fürmann als Inspektor einer Behörde zur Überwachung des Rennregelwerks, die beide zumindest Akzente setzen können. Ohnehin tummeln sich zahlreiche deutsche Schauspieler in der Hollywood-Produktion, die zu großem Teil in den Filmstudios in Potsdam-Babelsberg entstand. Neben Fürmann spielen unter anderem noch Moritz Bleibtreu, Ralph Herforth, Werner Dähn, Christian Oliver und Waldemar Kobus mit. So ist es eine vergnügliche Herausforderung, die teils nur kurzen Auftritte der Lokalmatadore zu erkennen. Ansonsten heißt es: Zurücklehnen und die Errungenschaften der Spezialeffektentwicklung auf sich wirken lassen.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2008, R: Andy Wachowski, Larry Wachowski, D: John Goodman, Emile Hirsch, Benno Fürmann u.a.

Laufzeit: 135 Min.

Kinostart:
tt.mm.jjjj


In den 70er-Jahren zählte "Speed Racer" zu den umstrittenen Kinderserien im deutschen Fernsehen.
In den 70er-Jahren zählte "Speed Racer" zu den umstrittenen Kinderserien im deutschen Fernsehen. (2008 Warner Bros. Ent.)

Speed Racer (Emile Hirsch) muss sich auf ein wichtiges Rennen vorbereiten.
Speed Racer (Emile Hirsch) muss sich auf ein wichtiges Rennen vorbereiten. (2008 Warner Bros. Ent.)

Wer gegen den undurchschaubaren Racer X (Matthew Fox) kämpfen will, sollte gut aufpassen.
Wer gegen den undurchschaubaren Racer X (Matthew Fox) kämpfen will, sollte gut aufpassen. (2008 Warner Bros. Ent.)

Datum: 06.05.2008

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Diskussion: "Speed Racer"

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