(tsch) Angeblich 100.000 Eheschließungen jährlich sprechen für sich. Ab 25 Dollar aufwärts gibt's in Las Vegas den Bund fürs Leben - und am Morgen danach häufig ein böses Erwachen. Das mit dem "Prüfe, wer sich ewig bindet" wird in der US-Glücksspielmetropole im Sieges- oder Alkoholtaumel häufig nicht so ernst genommen, was den folgenden schlimmen Kater noch schwerer erträglich macht. Den von Jack Fuller (Ashton Kutcher) und Joy McNally (Cameron Diaz) beispielsweise, die sich mit Ringen aus dem Kaugummiautomaten am Frühstückstisch treffen, verlegen, peinlich berührt ... Man kommt schnell überein, sich postwendend scheiden zu lassen. Kein Problem.
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"Was in Vegas passiert", behauptet eine angeblich populäre Redewendung, "bleibt in Vegas." Sprich: vor Ort geschehene Dummheiten besitzen im Rest des Landes keine Gültigkeit. Auf dieser Prämisse fußt "Love Vegas" von Regisseur Tom Vaughan, der bei seiner Adaption des (zu) leicht vorhersehbaren Drehbuchs der einschlägig vorbelasteten Dana Fox ("Wedding Date") wohl Esprit und Tempo der klassischen Screwball Comedies eines Howard Hawks oder George Cukor im Hinterkopf hatte.
Aber wie es mit Sprüchen so ist: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Diese beiden kommen voneinander nicht los. Ein Drei-Millionen-Dollar-Gewinn am Einarmigen Banditen hat daran Schuld. Die eingeworfene Münze stammt von ihr, er hat den Hebel gezogen. Wem gehört also das Glückspielvermögen? Ein bärbeißiger Richter zu Hause in New York muss entscheiden - und er verurteilt die beiden zu sechs Monaten Zwangsehe nebst wöchentlichen Therapiesitzungen. Der Horror! Für sie, die erfolgreiche Wall-Street-Brokerin, die selbst das Planen plant. Für ihn, den müßiggängerischen Sunny Boy, den der eigene Papa aus der Familienschreinerei gefeuert hat. Aber es hilft nichts. Das Geld will "verdient" werden. Also ziehen die Streithähne zusammen, in Jacks Junggesellenbude.
Es folgt, wenig sophisticated, der Genre-übliche Klamauk um Haare in Badewanne und Waschbecken, heruntergeklappte oder nicht heruntergeklappte Klobrillen sowie der Streit, wer im Bett und wer auf dem Sofa schlafen muss. Dabei fehlen natürlich auf keiner der beiden Seiten der devote Sidekick, der glatzköpfige Anwalt Hater (Rob Corddry) bei ihm, das Schandmaul Tipper (Lake Bell) bei ihr, sowie die übliche Anzahl von (Semi-)Stars, hier Dennis Farina (Joys Chef), Treat Williams (Jacks Papa) und Queen Latifah (Eheberaterin), die sich mit mehr oder weniger launigen Kurzauftritte ein paar Dollar dazuverdienen.
Im Übrigen liegen sich Jack und Joy - die Ulk-Nudel Diaz wird von Mr. Demi Moore wenig gefordert - rund 80 Minuten in den Haaren, bewerfen sich mit Orangen und liefern sich sparwitzige Wortgefechte, ehe sie einander romantisch in die Arme sinken. Freilich erst nachdem Mann brav niedergekniet ist und ordentlich um Fraus Hand angehalten hat. Fehlt was? Nein. Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, dass in der Las-Vegas-Sequenz der berühmte Bellagio-Springbrunnen natürlich nicht fehlt und auf dem Soundtrack mehrfach - wenig unerwartet - Ariel Viallis "Collide" erklingt. Dazu passt, dass man während des Abspanns noch sitzen bleiben sollte, um finale Highlights nicht zu verpassen.
Gebhard Hölzl
Credits: V:Fox, USA 2008, R: Tom Vaughan, D: Cameron Diaz, Ashton Kutcher, Dennis Miller u.a.
Laufzeit: 95 Min.
Kinostart: tt.mm.jjjj
Plötzlich verheiratet: Joy McNally (Cameron Diaz) und Jack Fuller (Ashton Kutcher) schlagen in Las Vegas etwas über die Stränge. (2008 Twentieth Century Fox)
Die genervte Joy McNally (Cameron Diaz) sehnt sich nach einer Auszeit. (2008 Twentieth Century Fox)
Sie wollen einfach nur Spaß: Joy (Cameron Diaz) und Jack (Ashton Kutcher) lassen es im Casino so richtig krachen. (2008 Twentieth Century Fox)