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10 Fragen an den Dalai Lama

10 Fragen an den Dalai Lama

(tsch) Es hätte kaum einen besseren Zeitpunkt geben können für diesen Dokumentarfilm. Der Amerikaner Rick Ray stellt "10 Fragen an den Dalai Lama" und versucht, in einem Crashkurs allerlei Wissenswertes über die Geschichte Tibets und seinen geistigen Führer zu vermitteln. Kurz vor den Olympischen Sommerspielen in Peking ist ihm Aufmerksamkeit gewiss. Da stört es auch nicht, dass der Film bisweilen wie ein Volkshochschulkurs wirkt.

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"10 Fragen an den Dalai Lama" ist in erster Linie ein guter Überblick über die Geschichte Tibets. Als Crashkurs in Landeskunde und Religionsverständnis ist der Film durchaus geeignet, zumal er dadurch die aktuellen Entwicklungen im tibetisch-chinesischen Konflikt verständlicher macht. Mit manchmal holprigen Sprachbildern freilich: "Um die Bedeutung des Dalai Lama zu verstehen, müssten sich die Amerikaner vorstellen, dass die Wiedergeburt Jesu im Weißen Haus regiert." Das trifft den Kern zwar nicht wirklich, bleibt aber hängen. Genau wie die Bezeichnung "Rockstar des Friedens".

Rick Ray reist aus ganz persönlichem Interesse heraus in den Himalaya, sein Film ist eine Herzensangelegenheit mit imposanten Landschaftsaufnahmen und gut recherchiertem Archivmaterial. Ray hat ihn aus einer tiefen Bewunderung für den Dalai Lama heraus gemacht. Das stellt er auch zu Beginn gleich klar, sodass sich niemand über fehlende Distanz beschweren kann.

Dennoch: Der kritische Abstand fehlt, weil man ihn benötigt, um nachzubohren, um Fragen zu vertiefen. Rays Audienz beim Dalai Lama - im späteren Teil des Films thematisiert - dauerte 45 Minuten. Da blieb keine Zeit, aus der Bewunderungsstarre zu erwachen. Also werden die Weisheiten des Oberhaupts der Tibeter unkommentiert, unreflektiert in den Raum gestellt. Das dabei manches - Fragen wie Antworten - oberflächlich bleibt, wird von Rick Ray gern in Kauf genommen. Und wirklich schlimm ist es in der Tat nicht. Denn "10 Fragen an den Dalai Lama" versucht gar nichts anderes zu sein als eine kurzweilige Hommage an eine kluge und trotz schwieriger Umstände heitere Persönlichkeit, die mit Bescheidenheit und Umsicht ein Leben lang für mehr Menschlichkeit in der Welt eintrat und es noch immer tut. Und wenn er nur gemeinsame Picknicks im Nahen Osten vorschlägt, um die religiösen Spannungen zu lösen.

Andreas Fischer

Credits:
V:NFP, USA 2006, R: Rick Ray

Kinostart:
8. Mai 2008


Der US-Dokumentarfilmer Rick Ray stellte "10 Fragen an den Dalai Lama" und erhielt weise Antworten voller Heiterkeit.
Der US-Dokumentarfilmer Rick Ray stellte "10 Fragen an den Dalai Lama" und erhielt weise Antworten voller Heiterkeit. (NFP)

Der 14. Dalai Lama musste in den 50er-Jahren vor den chinesischen Besatzern fliehen.
Der 14. Dalai Lama musste in den 50er-Jahren vor den chinesischen Besatzern fliehen. (NFP)

Für die Tibeter ist der Dalai Lama politisches und spirituelles Oberhaupt zugleich.
Für die Tibeter ist der Dalai Lama politisches und spirituelles Oberhaupt zugleich. (NFP)

Datum: 02.05.2008

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