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Badland(tsch) Ist Amerika reif für einen weiteren Blick in seine kollektive von Kriegen zermarterte Psyche? Wohl kaum, zumindest nach den Zuschauerzahlen von und Kritikerstimmen über einen Film, der die erschreckenden Nachwehen des Irak- und Afghanistankrieges in den Seelen heimkehrender Soldaten zeigt. Die New Yorker "Daily News" schrieb von der "möglicherweise schlechtesten Idee für einen Film in diesem Jahrhundert". Auch die "New York Post", ebenfalls ein Boulevardblatt, äußerte sich vernichtend: "Der stumpfsinnigste Film des Jahres". Bis heute war "Badland", so der Titel, denn auch nur ein begrenzter Kinostart in einigen Metropolregionen der USA beschert. Anzeige Vielleicht ist die Zeit für das verstörende Psychogramm noch nicht gekommen. Zu einfühlsam und schockierend wird dem Zuschauer in teils aufzehrenden 165 Minuten vor Augen geführt, was selbst moderne hochtechnisierte und scheinbar entpersönlichte Kriege mit Langstreckenwaffen und Schießbefehlen per Videoschaltung im Innern des Menschen anrichten. "Badland" erzählt die Geschichte von Jerry, einem Familienvater von drei Kindern, der nach seiner Rückkehr aus dem Irak an der Schuld seiner Taten als Soldat zerbricht und sich von seiner Frau und den Kindern entfremdet hat. Von der Armee unehrenhaft entlassen, soll er gemeinsam mit seiner Truppe für ein grausames Massaker an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern in der Stadt Fallujah verantwortlich sein. Seine Unschuld konnte er nie beweisen. Gespielt wird der junge Mann vom viel versprechenden britischen Newcomer Jamie Draven, der seiner Rolle mit stummer Rohheit besondere Tiefe verleiht. Es ist zweifellos streckenweise eine Qual, den Verfall der in bitterer Armut im Nirgendwo des amerikanischen Mittelwestens in einem heruntergekommenen Trailer lebenden Familie mit anzusehen. Jerry durchlebt Nacht für Nacht seine Kriegserlebnisse in Albträumen. Zwischenmenschliche Beziehungen werden für ihn unmöglich. Sein Chef im Supermarkt, sein vermeintlich bester Freund, seine Frau: Sie alle scheinen zu Feinden geworden zu sein. Und tatsächlich interessiert sich seine Ehefrau Nora kaum für Jerrys Nöte, betrügt ihn sogar mit einem anderen Mann und hortet heimlich alles Geld, was sie in die Finger bekommen kann. Sei es jenes, das ihre beiden Söhne mit dem Austragen von Zeitungen verdienen, oder jenes, das ihr Jerry zum Bezahlen der Rechnungen gibt, damit sie sich die Option offen halten kann, Jerry bei nächster Gelegenheit zu verlassen. Die Kinder selbst sind verstört, können nicht mit der ungewohnten Distanz zu ihrem Vater umgehen und schrecken vor seinen Wutausbrüchen zurück. Doch es bleibt nicht bei der Portraitierung einer dysfunktionalen Familie. Als Jerry herausfindet, das ihn seine Frau gleich in mehrfacher Weise betrügt, rastet er aus und tötet Nora und seine beiden Söhne. Seine Tochter Celina überlebt nur, weil seine Waffe Ladehemmungen hat. Kurzerhand täuscht er auch ihren Tod vor und flüchtet mit ihr in den Nachbarbundesstaat Idaho, wo er Celina in einem dunklen Motelzimmer versteckt, während er versucht, mit einem Job in einem Diner sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Und tatsächlich scheint langsam jene Normalität in sein Leben einzukehren, nach der er sich seit dem Krieg immer gesehnt hat. Sogar eine Romanze mit der Restaurantchefin Oli bahnt sich an. Doch dann lernt er den örtlichen Sheriff Max (Joe Morton) kennen, selbst ein Kriegsveteran, der unter dem posttraumatischem Stresssyndrom leidet und von der kriminellen Vergangenheit Jerrys erfährt. "Badland" ist ein schwer verdauliches Stück Film, das durch seine erbarmungslose Direktheit zwar tief in die zerrütteten Identitäten von Soldaten blicken lässt, gleichzeitig aber zwischen Affirmation und Ablehnung oszilliert. Auf der verzweifelten Suche nach Sympathiefiguren bleibt der Zuschauer allein an Celina, Jerrys Tochter, hängen, die mit beeindruckendem Talent von der Nachwuchsschauspielerin Grace Fulton gespielt wird. Zugleich verängstigt und nach ihrem scheinbar verloren gegangenen geliebten Vater in Jerry suchend, gibt sie das Leben nicht auf. Der kanadische Regisseur und Autor Francesco Lucente erzählt eine wichtige und unbequeme Geschichte, die Aufmerksamkeit verdient hat. Leif Kramp |
Credits: Laufzeit: 165 Min. Kinostart:8. Mai 2008 |
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