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The Notwist

Die Schönheit des Miteinanders

Musiker The Notwist

(tsch) München, Rote Sonne. Martin "Console" Gretschmann ist einer von fünf Mitbesitzern dieses Clubs, hier geben er und die Brüder Micha und Markus Acher der versammelten deutschen Presse Interviews zu ihrem nach sechs Jahren Pause lang erwarteten Album "The Devil, You & Me". Trotz ihrer physischen Anwesenheit in vermeintlich vertrauter Atmosphäre und geduldig beantworteten Fragen - richtig zu fassen bekommt man The Notwist selten. Und das nicht nur, weil das umtriebige Trio (Console, Lali Puna, Ms John Soda, Tied & Tickled Trio, um nur einige weitere Bands und Projekte der Musiker zu nennen) ständig gedanklich und musikalisch unterwegs zu sein scheint. The Notwist vermeiden gerne zu großen Medienrummel, halten kaum etwas von ausgetüfteltem Marketing und Business-Strategien. Das größte Hindernis auf dem Weg, sich der Band im Interview zu nähern ist allerdings die Musik selbst. Zwischen verschiedenen Orten, zwischen den Polen sanfte Elektronik, sperriger Indie-Rock und eingängiges Pop-Songwriting entsteht eine Spannung, die The Notwist selbst nicht erklären wollen, wahrscheinlich kaum können und eigentlich auch nicht müssen. Denn "The Devil, You & Me" ist schlichtweg unfassbar.

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Weilheim, Alien Research Center. Trotz der vieler Wege, die das Trio einschlägt, das bandeigene Studio in der verschlafenen Kleinstadt in Oberbayern ist immer noch der gemeinsame Ausgangspunkt und Rückzugsraum. Hier ist "The Devil, You & Me" über zwei Jahre hinweg entstanden. Mit der festen Absicht, im Gegensatz zum Vorgängeralbum "Neon Golden" wieder mehr als Bandeinheit zu agieren, statt einzeln an Stücken und Sounds zu tüfteln. "Es war uns wichtig, dass wir alle drei gleichzeitig in einem Raum sind", sagt Micha Acher, "Und dass jeder auf den Instrumenten herumspielen kann, man gleich etwas aufnehmen und so etwas Spontanes herstellen kann." Der Entstehungsprozess als solcher sei dementsprechend auch "organischer, nicht mehr ganz so frickelig" verlaufen, wie Markus Acher ergänzt. Und Weilheim als tatsächlicher Aufnahmeort habe dabei nur eine untergeordnete Rolle gespielt. "Das Studio könnte auch in Schondorf, München oder Berlin stehen.", sagt Markus Acher, "Aber wir sind nun mal in Weilheim aufgewachsen, haben uns dort kennengelernt, dort gelebt. Das ist schon ziemlich wichtig. Es ist dort etwas entstanden, vor allem in der Konstellation von Leuten, das uns geprägt hat."

San Francisco, Bay Area. Die Heimat des Avantgarde-HipHop-Labels Anticon. Die Zusammenarbeit mit dem dort ansässigen Duo Themselves beim gemeinsamen Projekt 13 & God im Jahr 2005 war ebenfalls prägend für The Notwist. Als "extrem beeindruckend" empfand Markus Acher die Art und Weise, wie die beiden HipHopper "schnell und trotzdem konzentriert Musik machen", "das Ganze ernst nehmen, aber dabei nicht komplett verkrampfen". Sich in Details und selbst den Überblick verlieren, die Ansprüche stets höher zu schrauben und dabei zu verkrampfen, ist ein Problem, das The Notwist durchaus aus eigener Erfahrung kennen. "Ja, die Gefahr besteht immer", sagt Markus Acher. "Ich glaube auch, dass das bei den meisten deutschen Bands oft so ist. Ich glaube, man nimmt sich gerne zu ernst. Man denkt, man müsste der große Künstler sein. Das ist etwas, das ich gerne versuche zu vermeiden."

On Planet Off. So lautet der Titel eines Songs auf "The Devil, You & Me", der zunächst auch Albumtitel sein sollte. Dass sich die Band noch umentschied, verdeutlicht zum einen die Notwist'schen Vermeidungsstrategien. Markus Acher erläutert: "Planet ist ein Wort, das so oft gebraucht wird, inzwischen sogar für Grafikdesignbüros und Modeläden, dass wir uns damit nicht wohlgefühlt haben." Zum anderen spiegelt sich in der endgültigen Titelwahl aber auch das zum Teil neu gewonnene "Zusammen und Miteinander" innerhalb der Band wider, das "The Devil, You & Me" zu solch einer komplexen, aber doch stets organischen Popeinheit werden lässt. Und, so Acher, "die Texte sind zum Teil schon sehr desillusioniert und eskapistisch, deswegen fand ich es besser, den Teil zu betonen, der auch in dieser Platte steckt und etwas Optimistischeres und Lebensbejahenderes hat."

Prag, Ljubljana, Zagreb. Später ganz Europa, Barcelona, Paris, London. Die Orte, an die The Notwist ihre Tour zum neuen Album führt, verdeutlichen das internationale Ansehen, das die Band genießt. Dieses reicht sogar bis in die USA. So führte die renommierte Online-Musikseite Pitchforkmedia "Neon Golden" unter den 50 wichtigsten Album der 2000er-Jahre, das Billboard-Magazin nannte es einen "Art-Rock-Klassiker". Die weltweite Aufmerksamkeit und die einhellig positiven Kritikerstimmen machen auch The Notwist einmal mehr sprachlos. "Gemischt", ist das einzige Wort, das der Band auf die Frage, wie man damit umgeht, einfallen mag. Hängt das womöglich auch mit den hohen Erwartungshaltungen an das neue Album zusammen, die mit solchen Lobpreisungen einhergehen? "Das stimmt schon", gibt Markus Acher zu. "Es steht eben immer im Raum, dass sich The Notwist bei jeder Platte neu erfinden müssen. Und das neue Album ist jetzt nicht total anders als 'Neon Golden'. Aber ich finde, jede der Platten muss eigentlich für sich stehen können." Und das tun sie. In unfassbarer Schönheit.

Stefan Weber


"The Devil, You & Me" heißt die Platte, mit der The Notwist nach sechs Jahren zurückkehren.
"The Devil, You & Me" heißt die Platte, mit der The Notwist nach sechs Jahren zurückkehren. (City Slang)

Können, wollen nicht zu viel erzählen: The Notwist
Können, wollen nicht zu viel erzählen: The Notwist (City Slang)

Flirrender Indiepop: The Notwist veröffentlichen mit "The Devil, You & Me" ein Referenzwerk.
Flirrender Indiepop: The Notwist veröffentlichen mit "The Devil, You & Me" ein Referenzwerk. (City Slang)

Datum: 03.05.2008

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Diskussion: "The Notwist"

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