Giovanni Ferrario - Headquarter Delirium
Giovanni Ferrario Headquarter DeliriumAnzeige Was haben Eros Ramazotti und Giovanni Ferrario gemeinsam? Sie kommen aus Italien und machen beide Musik. Und sonst? Nichts! Deshalb auch gilt PJ Harvey als großer Fan des verstörend nach Seventies-Independent klingenden italienischen Undergroundmusikers, der nicht nur die italienische Szene mit "Headquarter Delirium" aus dem Koma schüttelt. Zu Anfang des Albums ahnt man kaum, was nach und nach noch alles auf den Hörer zukommt. Hinterlistig schleicht sich Giovanni mit einem Soundmix irgendwo zwischen Nick Cave und Tom Petty in die Gehörgänge und erzählt relativ betulich die "Story Of Your Life". Nach und nach aber kommt sein eigentliches Konzept zum Tragen: steigende Verwirrung, Sixties, Seventies, Indie und schräge Polytonalität. Mehr und mehr driften die Kompositionen in Rufus Wainwrightsche Unendlichkeitsarien, in refrainlose Elegien zwischen Beatlesharmonien, gedoppelt mit melancholischem Brainpop, wavigem Underground und Liedermacherqualitäten. Starke Melodiefetzen und ausgefuchst platzierte Ruheoasen, getarnt als popkompatible Palmeninseln im tosenden Songsturm, beruhigen hin und wieder das aufgewühlte Gemüt. Dann wieder öffnen Western-aromatisierte Instrumentierungen mit Honkytonk-Piano, Akustikgitarre und Hall einen folkinspirierten Kosmos, während Ferrario dem Hörer quasi von hinten wieder zwei verzerrte Indie-Gitarren über den Schädel zieht. Mehr und mehr frickeln sich Elektroniktöne in den Untergrund, schrammeln sich Britrock-Riffs, Quentin-Tarrantinoeskes, Velvet-Underground-Trips und Hives-Revoultionsstimmung in die Lieder. Psychedelisches, Artrock, schwüle Saxofonsoli, Sixties und Seventies, Doppelbödiges bis hin zur Polyfonie - alles wächst und gedeiht geordnet chaotisch unter den versierten Produzentenhänden dieses Musikanten. Vor allem aber übersetzt Ferrario die 60-er und 70-er zeitgemäß ins neue Jahrtausend. PJ Harvey war begeistert von Ferrarios - übrigens durchwegs englischsprachiger - Musik: Sie buchte ihn als Gitarristen für ihr neues Album. Wir freuen uns drauf, denn Ferrarios verrücktes Machwerk, das trotzdem so lässig, spaßig und unverkrampft daherkommt, findet sich gerade in Dauerrotation. Kati Hofacker |
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