Tindersticks The Hungry Saw
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Die hungrige Säge, die das Herz zerteilt. Ein sehr schönes und stimmiges Bild für Englands unangefochten dramatischste Band, die Großmeister der pathosumnebelten Grandezza. "The Hungry Saw" ist die siebte Studio-LP der Tindersticks, die erste nach "Waiting For The Moon" 2003 und zwei mediokren Soloveröffentlichungen von Sänger Stuart Staples in der Zwischenzeit.Man hat sich über die Jahre zähneknirschend damit abgefunden, dass die unbeschreibliche Fulminanz des Karrierebeginns so nicht wieder erwartbar ist. Auf ihren ersten beiden unerhörten Alben hatten die Tindersticks bis Mitte der 90er-Jahre ein nicht mehr zu übertreffendes Niveau erreicht - eine Phase, die mit dem Konzert-Mitschnitt "Bloomsbury Theatre" ihren würdigen Abschluss fand. Seither hat das Ensemble aus Nottingham seine Kunst verfeinert, verschiedene Entwicklungsrichtungen ausgelotet und dabei bisweilen einen etwas ausgebrannten Eindruck hinterlassen. Inzwischen ist die Besetzung der Tindersticks auf nur noch drei Gründungsmitglieder geschrumpft, die mit "The Hungry Saw" ihre gleichwohl beste Arbeit seit mehr als zehn Jahren vorlegen. Nach instrumentaler Ouvertüre sendet "Yesterdays Tomorrows" das erste unverkennbare Lebenszeichen der Band wie wir sie kannten: Mit perkussiver, schneidender E-Gitarre und Bläsern hören wir staunend einen Nachhall des furiosen "Bathtime" vom 97er-Album "Curtains". Das anschließende "The Flicker Of A Little Girl" ist eine ungeheuer zärtliche Tim-Hardin-Hommage, fast leichtfüßig, zu akustischer Gitarrenbegleitung und geschmackvollem Hornspiel. Entscheidend sind bei den technisch inzwischen virtuosen Engländern womöglich nur Nuancen, doch ist unverkennbar, dass die Tindersticks den Faden des leidenschaftlichen Frühwerks wiedergefunden haben. Der manische Klagegesang "The Other Side Of The World" hätte bruchlos auf dem berauschenden "2nd Album" Platz finden können. Das sich schichtweise auftürmende Melodram "Boobar Come Back To Me" schnürt einem gar die Kehle zu. Bis hin zum Abgesang "The Turns We Took", einem orchestral veredelten Otis-Redding-Soul, wie ihn die Tindersticks so kunstvoll beherrschen, klingt hier alles nach Rückschau, nach Besinnung, Reflexion und Konsolidierung. Mit "The Hungry Saw" präsentiert sich eine Band, die zuletzt in mancher Sackgasse gelandet war, und nun einen Weg gefunden hat, an ihre vergangene Magie anzuknüpfen: "Ah those days, those days where did they go?" stöhnt Staples sinister in "Yesterdays Tomorrows", "They shuffled through our doorways. Are they here?" Es schlägt und es blutet wieder, das gequälte Herz der einzigartigen Tindersticks.
Jens Szameit
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Wertung 
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