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The Notwist - The Devil, You + Me

The Notwist The Devil, You + Me

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"Let's just immitate the real until we find a better one": The Notwist, früher die wichtigste Popband Deutschlands und einer der Edelsteine des EMI-Kataloges, beginnen ihr neues Album "The Devil, You + Me" mit einem Bastard aus Rück- und Nabelschau. Ihr Credo: Erinnert Euch an die guten Lügen! Vielleicht auch: Erinnert Euch an einen guten Sommer. Denn "Good Lies", erwähnter Opener, flirrt bezaubernd durch eine popmusikalische Juli-Atmosphäre, die eher nach den Great Plains als nach Weilheim klingt. Da türmen sich die Gitarren, bleiben aber vornehm zurückhaltend, da zirpt es unaufdringlich, da flirrt sich Martin "Konsole" Gretschmann fein durch den Hintergrund. Popmusik, im besten Sinne.

"The Devil, You + Me" ist eine Platte, die dem Hörer auf den ersten Blick nicht allzu viel zumutet. Sie glänzt nicht durch Hits, vermeidet jede Einfältigkeit. Zu behaupten, sie wäre schwierig, wäre aber völliger Unsinn. Das zeigt das mittig angeordnete "Gravity" gut: Die vier Minuten, die unlängst Madonna in ihrer Comeback-Single als geeignete Zeitspanne zur Weltenrettung ansetzte, werden bestens angelegt. "I see the planets spinning faster / or is my body to slow, I don't know, I don't know", singt Acher zu stoisch wiederholten, irritierend klaren Gitarrenpatterns. Die Melodie steckt hier im Detail, in einigen angeschlagenen Tönen. Sie liegt auf der Basslinie wie ein Klettverschluss auf seinem Bett und wird spätestens beim zweiten Hördurchgang zwingend. Das können The Notwist, und dass es ein Major-Label nicht schafft, so eine Band zu behalten, verrät vielleicht mehr über den desolaten Zustand der deutschen Musikindustrie als hunderttausend Statistiken über den Rückgang ihrer Abverkäufe.

Natürlich finden andere Songs etwas weiter draußen statt, klingen harscher. Die Störgeräusche in "On Planet Off" kratzen, und auch an das progressiv-orchestrale Harmoniegerüst von "Hands On Us" muss man sich erst mal gewöhnen. Aber da ist sie dann wieder, die vermiedene Einfältigkeit. Verbunden mit dem Wissen, dass - der Titeltrack zeigt's - The Notwist auch kleine, schummrige Melopop-Kabinettstückchen aus dem Ärmel zaubern können, führt das zumindest beim Rezensenten zu arger Begeisterung. Sechs Jahre Warten haben sich gelohnt, "The Devil, You & Me" schafft den Spagat zwischen Grandezza und angenehmer Unscheinbarkeit.

Jochen Overbeck


Datum: 07.05.2008

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