Paranoid Park
Paranoid Park(tsch) Beobachten statt erklären - Gus van Sant schafft faszinierende Filmräume mit ganz bestimmten Stimmungen, in denen die Dinge unkommentiert ablaufen können und die Schuldfrage des Protagonisten auch mal atmosphärisch gelöst wird. So gesehen zuletzt bei "Paranoid Park" - eine außergewöhnliche Befindlichkeitsstudie Heranwachsender, die 2007 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Jubiläumspreis zum 60. Geburtstag des Festivals ausgezeichnet wurde. Anzeige Der fiktive "Paranoid Park" in van Sants Heimatstadt Portland bezeichnet einen illegal von seinen Benutzern gebauten Skaterpark, einen Ort mit üblem Ruf und Anziehungskraft. Der Film begleitet die beiden 16-jährigen Freunde Alex (Gabe Nevins) und Jared (Jake Miller). Sie wollen endlich auch einmal dem Hotspot, an dem sich vor allem ältere Street-Skater treffen, einen Besuch abstatten. Deren Welt erweist sich als cool und schweigsam. Meditative lange Einstellungen zeigen gekonnte Fahrten auf grauem Beton. Gefilmt wurde in Super-8 mit körniger Optik, dem üblichen Medium des Skater-Films. In Super 8 kostet das Filmmaterial weniger und die kleine Kamera kann gut während der Fahrt gehalten werden. Interessant ist jedoch vor allem der Kontrast der schwerelos fließenden Bilder von Rain Kathy Li zu den 35-Millimeter-Aufnahmen, mit denen Kameramann Christopher Doyle die Lebenswelt außerhalb des Sehnsuchtsorts "Paranoid Park" mit reichlich filmischen Gestaltungsmitteln zeigt. Der erste Besuch macht Lust auf mehr und Alex kehrt abends allein noch einmal zurück. Er lernt einen älteren Skater kennen, der ihn zum Eisenbahn-Surfen mitnimmt. Als ein Wachmann sie entdeckt, kommt es zur Katastrophe. Der Erwachsene versucht Alex vom Waggon zu reißen, wird von dem Jungen zurückgestoßen und fällt auf ein anderes Gleis, auf dem gerade ein Zug kommt. Das war's mit der kindlichen Unschuld. Alex, der bisher wie ein Schlafwandler durch sein Leben schlurfte, wird jetzt mit echten Emotionen belastet: mit Schuldgefühlen. Und wieder einmal zeigt Gus Van Sant seine Stärke als Erzähler mit impressionistischen Bildfolgen, bei denen der Originalton auch schon mal fehlt und durch einen hypnotischen Soundteppich ersetzt wird. Doch das Problem kommt nicht zur Sprache, der Junge will alles mit sich selbst ausmachen. Van Sant gelingt es auf magische Weise in ihn hineinzuschauen, ohne ihn etwas erzählen zu lassen. Eine Freundin von Alex rät ihm, aufzuschreiben was ihn bedrückt. Daraus konstruiert der Regisseur in nicht chronologischer Reihenfolge seine Geschichte und wiederholt auch Szenen, die schon mal gezeigt wurde, jetzt aber im Kontext stehen. Der Regisseur scheint der einzige erwachsene Verbündete seiner Figuren zu sein. Die Eltern spielen in "Paranoid Park" keine Rolle, bleiben im wahrsten Sinne unscharf. Es herrscht Gleichgültigkeit, für die Lebenswelten der beiden Generationen gibt es keine Schnittmenge. So tangieren Alex weder die moralischen Werte seiner mit sich selbst beschäftigten Eltern noch die Fragen der Polizei. Er muss seine eigenen Antworten finden. Ob "My Own Private Idaho", "Good Will Hunting" oder "Elephant", wenn es um das Dasein an der Schwelle zu Erwachsenwerden geht, hat sich Gus Van Sant als Spezialist etabliert. Er biedert sich den Jugendlichen nicht an und fällt in keine Klischees. Seine eigene Filmsprache, unterstützt von einer Ton- und Musikmontage zwischen Alternative-Rock und Nino Rota, arbeitet etwas heraus, das der Jugend auch eigen ist: Melancholie. Seine Laien-Schauspieler für eine unverfälschte Darstellung der Charaktere hat der Regisseur übrigens im Internet gefunden. Das Casting fand mittels "myspace" statt. Diemuth Schmidt |
Credits: Laufzeit: 85 Min. Kinostart:15. Mai 2008 |
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