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Alles auf Zucker

Alles auf Zucker

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Milchig und fleischig müssen getrennt werden, so verlangen es die Regeln. Und diese Regeln werden normalerweise streng ausgelegt, aber wenn man in der DDR aufgewachsen ist, dann bringt auch der Rabbi Verständnis auf. Was zählt, ist der Wille. Man hat Verständnis für die kommunistische Sozialisierung und außerdem "ist es nie zu spät, jüdisch zu werden". Na gut, für Jaeckie Zucker (Henry Hübchen), der eigentlich Jakob Zuckermann heißt, vielleicht doch. "Ich stehe bis zum Hals in der Scheiße, aber der Ausblick ist gut", ist das Erste, was ihn Dani Levy erzählen lässt. Der Regisseur gibt damit auch gleich den Ton für die nächsten 90 Minuten vor - es wird schnoddrig, lustig und politisch unkorrekt. Mehr als eine Million Kinozuschauer machten "Alles auf Zucker" (2004) zu einem Überraschungserfolg, die TV-Quoten bei der Erstausstrahlung knapp neun Monate nach Kinostart bestätigten das Ergebnis.

In der DDR war Zucker ein erfolgreicher Sportreporter, ein richtiger Star. Aber seit der Wende musste er als Lucky Loser zahllose Widrigkeiten mit gelassener Schnoddrigkeit annehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Das gelang Zucker immer ganz gut, doch dann überstürzen sich die Ereignisse: Gattin Marlene (Hannelore Elsner) wirft ihn raus, Gerichtsvollzieher und Polizei wollen ihn in Schuldhaft stecken, die Mamme ist gestorben und hat verfügt, dass es das Erbe nur gibt, wenn sich Jaeckie und sein orthodoxer Bruder Samuel (Udo Samel) miteinander aussöhnen.

Die haben allerdings seit 1961 nicht mehr miteinander geredet, als Jaeckie im Osten bleiben wollte und der Rest der Familie in den Westen ging. Als wären die eigenen Familienverhältnisse nicht schwierig genug, steht nun auch noch die gesamte Mischpoche vor der Tür. Samuel bringt nämlich gleich seine pikierte Frau Golda, den ultra-orthodoxen Sohn Joshua und das hübsche Töchterchen Lilly mit. Welten prallen aufeinander, und es sieht ganz so aus, als würden sich die Starrköpfe gegenseitig die Schädel einschlagen. Doch nach Ecstasy-Eskapaden, Vaterschaftsenthüllungen, vorgetäuschten Herzattacken und Mußestunden mit einer attraktiven Palästinenserin bringt das Erbe alle zusammen.

Bisher hat sich aus Befangenheit niemand getraut, Juden und Komödie zusammenzubringen. Dabei war die Zeit schon lange reif für "Alles auf Zucker". Leichtfüßig und beschwingt ist der Film politisch so korrekt wie ein Schweineschnitzel koscher ist. Es geht zwar auch um Unterschiede zwischen Ost und West, um Neid, Dickköpfigkeit und die seltsamen Haken, die Familienbande zuweilen schlagen kann. Aber vor allem geht es um das jüdische Selbstverständnis in Deutschland.

Die Produktion war vor dem Kinostart als Fernsehfilm gedacht, sodass die Bilder guten TV-Standard erreichen. Die Farben sind satt, Kontraste und Schärfe aber nicht überragend. Der Sound allerdings überzeugt völlig - ein guter 5.1-Mix sorgt für klare Dialoge und einige nette Effekte.

Das Bonusmaterial ist üppiger als angesichts des erschwinglichen Preises erwartet. Immerhin finden sich knapp eine Stunde knackiges Making Of und ein kurzes Special über die Musik des Films auf der DVD. Dazu plaudert Dani Levy im Audiokommentar überzeugend und charmant aus dem Nähkästchen.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Audiokommentar; Bio- und Filmografien; Making Of
laufzeit 92 Min.
tonsystem Dolb Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 11 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(D 2004, R: Dani Levy, D: Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Udo Samel u.a.)


Das Testament der Mamme verspricht viel Geld und Regisseur Dani Levy setzt "Alles auf Zucker!" - die erfrischende deutsch-jüdische Komödie erscheint jetzt auf DVD.
Das Testament der Mamme verspricht viel Geld und Regisseur Dani Levy setzt "Alles auf Zucker!" - die erfrischende deutsch-jüdische Komödie erscheint jetzt auf DVD. (Warner)

Schnellkurs in jüdischer Lebensart: Marlene Zucker (Hannelore Elsner) will vorbereitet sein, wenn die Mischpoche aufläuft.
Schnellkurs in jüdischer Lebensart: Marlene Zucker (Hannelore Elsner) will vorbereitet sein, wenn die Mischpoche aufläuft. (Warner)

Der Stress ist groß: Snooker-Spieler Jackie (Henry Hübchen) müsste zum 100.000-Euro-Turnier. Da fällt einer schon mal mit einer Herzattacke ins Grab.
Der Stress ist groß: Snooker-Spieler Jackie (Henry Hübchen) müsste zum 100.000-Euro-Turnier. Da fällt einer schon mal mit einer Herzattacke ins Grab. (Warner)

Datum: 02.10.2005

Diskussion: "Alles auf Zucker"

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Artikel ID 160204

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