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Manderlay

Manderlay

(tsch) Lars von Trier inszenierte mit "Dogville" (2003) einen Purismus im Kino, wie es ihn wohl seit Beginn der bewegten Bilder noch nicht gegeben hat. Mit Kreide malte er auf den Bühnenboden die Umrisse der Häuser, in denen Nicole Kidman als drangsalierter Engel in einer sehr künstlichen Geschichte ums Überleben kämpfte. Der dreistündige Kulturspuk war so anstrengend, das man "Manderlay" (2005) etwas ängstlich erwartete, den zweiten Teil der Trilogie. Doch die Bedenken sind erfreulicherweise komplett überflüssig, wie die Erstausstrahlung bei ARTE belegt.

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Während bei "Dogville" gestelzte Dialoge, umherstaksende Darsteller und das nicht nachzuvollziehende Motiv der Hauptdarstellerin den Einstieg zusätzlich erschwerten, lädt "Manderlay", ein kleiner Ort im Alabama der 30er-Jahre, fast ein, zusammen mit Grace (Bryce Dallas Howard) ein Paradigma zu erleben, das man vielleicht sein Leben lang nicht mehr vergisst. Die Kulisse wirkt offener und lebendiger, das Dorf hat ein Gesicht, und auch die Menschen dort sind alles andere als konturenlos.

Vielleicht ist der Tod eines Menschen auf einer Bühne leichter zu inszenieren als die Flucht, die den ersten Teil eröffnete. Die Plantagenbesitzerin (Lauren Bacall) entschläft, und da sie die Unterdrückerin der Schwarzen war, könnte nun der einschneidende Zeitpunkt sein, an dem die Freiheit zur Knechtschaft kommt, diese für sich selbst arbeitet und solidarisch zueinandersteht. Mit Graces Hilfe.

Sie versucht, Andockstation zu sein, erklärt Dinge wie Eigenverantwortung und arbeitet mit unermüdlichem Idealismus daran, den Menschen in Manderlay die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Der Preis ist hoch für die Gangstertochter mit den hehren Absichten.

Mit erstaunlich klaren Dialogen machen die Protagonisten ihren Standpunkt klar, sei er politischer, kultureller oder rein privater Natur. Die präzisen Sätze wecken mit jedem Kapitel mehr Bilder im Kopf des Zuschauers, und in diesem Fall geht die Rechnung von Triers auf: Das Grau des immer gleichen Motivs wandelt sich durch die Kraft der Worte, die Dynamik der Kommunikation wiegt die dargebotene optische Statik auf.

Das ist dem starken, durchaus aus bekannten Gesichtern von Danny Glover bis Willem Dafoe bestehenden Ensemble zu verdanken, bei dem es keine Akzentuierung von Stark und Schwach gibt. Hier prallen Gegensätze aufeinander, aus verbaler wird physische Aggression. Bryce Dallas Howard spielt unberührt vom Druck, mit der großen Nicole Kidman aus dem ersten Teil verglichen zu werden. Sie braucht ihn nicht zu scheuen, füllt mit Unschuldigkeit und Durchsetzungsvermögen das Rollenprofil bestmöglich. Bleibt abzuwarten, welche Darstellerin im letzten, für 2009 angekündigten Teil "Washington", ihr Erbe antreten wird.

Jan Treber


Grace Margaret Mulligan (Bryce Dallas Howard) und ihr Vater (Willem Dafoe) sind entsetzt über die Zustände auf der Manderlay Plantage.
Grace Margaret Mulligan (Bryce Dallas Howard) und ihr Vater (Willem Dafoe) sind entsetzt über die Zustände auf der Manderlay Plantage. (WDR / Astrid Wirth)

Der Sklavenanführer Timothy (Isaach De Bankolé) ist skeptisch, ob sich die Zustände auf Manderlay verbessern lassen.
Der Sklavenanführer Timothy (Isaach De Bankolé) ist skeptisch, ob sich die Zustände auf Manderlay verbessern lassen. (ARTE F)

Grace (Bryce Dallas Howard) möchte die Sklaven befreien.
Grace (Bryce Dallas Howard) möchte die Sklaven befreien. (WDR / Astrid Wirth)

Datum: 21.05.2008

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Artikel ID 200033

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