(tsch) Von Wim Wenders, kürzlich ausführlich auf der Leinwand vorgestellt im Dokumentarfilm "Von einem der auszog", durfte man nie rasante Roadmovies oder komödiantisch Leichtes erwarten. Aufs ernste Fach geeicht, machte er im Laufe seiner Karriere die Erfahrung, dass bei ihm "Autorenfilm" fast schon zum Schimpfwort wurde. Mit "Don't Come Knocking" brachte Wenders 2005 eine neue heitere Gelassenheit in sein Schaffen und gewann einer eigentlich tragischen Reise ins Ich überraschend komische Seiten ab. ARTE zeigt nun den Film, der 2005 für die Goldene Palme nominiert war, in Erstausstrahlung im Rahmen des Programmschwerpunkts zum Filmfestival in Cannes (14. bis 25. Mai).
Anzeige
"Don't Come Knocking" - bitte nicht stören: Die Batterien des ehemals gefeierten Western-Darstellers Howard Spence (Sam Shepard) sind leer. Er will nicht mehr, und so schnappt er sich am Set einer drittklassigen Filmproduktion ein Pferd und reitet wie im Schlussbild eines seiner Filme aus seinem lächerlichen Leben davon.
Im Gegensatz zu "Paris, Texas", der ersten Zusammenarbeit von Wenders und Shepard vor 20 Jahren, spielt die Landschaft keine Rolle. Die in zu vielen Streifen abgefilmte, inzwischen seelenlose Prärie-Kulisse bedeutet Howard nichts. Er verschenkt Pferd und Cowboystiefel und macht sich erst mit einem Mietauto und dann mit dem Bus auf zu seiner Mutter (Eva Marie Saint), die er seit sehr vielen Jahren nicht mehr gesehen hat.
Auf den Fersen ist ihm der penetrante Sutter, der Howard zum Drehort zurückbringen soll. Er wird gespielt von Tim Roth, der noch in diesem Jahr in drei Leinwandproduktionen zu sehen sein wird: Michael Hanekes eigenem Thriller-Remake "Funny Games U.S." (ab 29. Mai), Francis Ford Coppolas Filmexperiment "Jugend ohne Jugend" und schließlich in der Comic-Verfilmung "Der unglaubliche Hulk" (beide ab 10. Juli).
Ein Album mit Fotos und Artikeln von und über ihn vor Augen sinniert Howard Spence über sein Leben als Star mit tollen Gagen und Ruhm, aber auch über Frauengeschichten und Drogen und das, was er verpasst hat: Liebe, Familie, Kinder. Vor dem endgültigen Absturz nach einer durchzechten Nacht im Casino erfährt Howard, dass es womöglich ein Kind von ihm gibt. Eine Ahnung treibt ihn nach Butte in Montana.
Dort trifft er im Coffeeshop auf seine große Liebe Doreen, gespielt von Sam Shepards großartiger Frau Jessica Lange. Sie hat mit Earl (Gabriel Mann) tatsächlich einen Sohn im passenden Alter. Und dann taucht da noch das geheimnisvolle Mädchen Sky (Sarah Polley) mit einer blauen Urne im Arm in Butte auf.
Überhaupt sind es die Frauen, die in "Don't Come Knocking" pragmatisch das Leben und die Geschichte vorantreiben und die Männer mit ihren schlechten Gewohnheiten lächerlich aussehen lassen. Und schließlich erweisen sich der selbsternannte "Männerregisseur" und Bildkünstler Wim Wenders und der Wortkünstler Sam Shepard, der das Drehbuch verfasste, auch als milde und geben Howard noch eine Chance.
Jasmin Herzog
Howard (Sam Shepard) erfährt, dass er einen 30-jährigen Sohn hat. (ARTE F)
Doreen (Jessica Lange) kann kaum glauben, dass ihre Jugendliebe Howard (Sam Shepard) plötzlich wieder auftaucht. (ARTE F)
Der "Lonesome Cowboy" Howard (Sam Shepard) ist auf dem Weg zu sich selbst. (ZDF / Franz Lustig)
Er versteht sich als kritischer Autor, aufrüttelnder Dokumentarfilmer und politischer Aufklärer: Michael Moore, ein Regisseur, den Gegner freilich einen manipulativen Meinungsmacher schimpfen. Dass ProSieben ...
"Stealing Klimt" - Der Titel von Jane Chablanis und Martin Smiths brisanter Dokumentation hat ein Objekt, aber kein Subjekt. Eines ist klar: Kunst stehlen, kann nur der, dem sie nicht gehört. Doch wer ...
Was passiert, wenn man Poesie, Horror und Action zusammenwürfelt und ungefähr 60 Filme pro Jahr daraus macht? Wenn man manchmal die Logik außen vor lässt und stattdessen mit Slapstick und Humor für Auflockerungen ...
Schon im Vorfeld der Welturaufführung des - jetzt auf DVD erhältlichen - Dokumentarfilms "Die große Stille" (2005) beim Filmfestival in Venedig 2005 wurde von einem "radikalen Kinoereignis" gesprochen. ...
Im Kino ab 27.4.Tag für Tag wird in Wien gleich viel Brot entsorgt, wie Graz verbraucht. Auf rund 350.000 Hektar, vor allem in Lateinamerika, werden Sojabohnen für die österreichische Viehwirtschaft ...
(tsch) Wer hoch fliegt, kann tief fallen - so wie die französische Fußballnation: Auf den Doppeltriumph bei der Weltmeisterschaft 1998 und der Europameisterschaft 2000 folgte das torlose Vorrundenaus in ...
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream