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Harrison Ford

Actionheld mit Meisterbrief

Schauspieler Harrison Ford

(tsch) Ein einfacher Zimmermann wird von einem visionären Regisseur beauftragt, ein paar Möbel für seine Villa zu bauen und bekommt stattdessen eine Hauptrolle in einem der größten Blockbuster der Filmgeschichte. Die Rede ist natürlich von "Star Wars", und besagter Filmemacher war kein Geringerer als George Lucas. Klingt wie die Fleischwerdung des amerikanischen Traums - kein Wunder also, dass diese Anekdote über die Entdeckung von Harrison Ford gerne erzählt wird. Jetzt kehrt der Zimmermann, der zum gefeierten Kino-Star wurde, in seiner größten Heldenrolle auf die Leinwand zurück. "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" startet am 22. Mai.

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Harrison Ford wurde 1942 als Abkömmling irisch- und russischstämmiger Einwanderer in Chigaco geboren. Das College brach er kurzerhand ab und zog nach Los Angeles um Schauspieler zu werden. Gegen Ende der 60er-Jahre hielt er sich mit unzähligen kleinen Filmrollen über Wasser, bei denen meist nicht mal sein Name im Abspann stand. Davon allein konnte er seine Familie allerdings nicht ernähren - Ford war damals in erster Ehe mit seiner Collegeliebe Mary Marquardt verheiratet und hatte zwei kleine Söhne. Also suchte er sich ein vernünftiges Handwerk, ohne zu ahnen, dass ihm gerade der Schreiner-Meisterbrief zu einer internationalen Filmkarriere verhelfen würde.

Als Ford, der in Hollywoodkreisen bald für seine Handwerkskünste bekannt war, Schränke in George Lucas' Villa zusammenzimmerte, gab der Regisseur ihm 1973 eine Nebenrolle in seinem neuen Film "American Graffiti". Beim Casting für sein ehrgeiziges Großprojekt "Star Wars" suchte Lucas zwei Jahre später fieberhaft nach der passenden Besetzung. Ford, der geschickte Zimmermann mit den filmischen Ambitionen, diente ihm dabei als Dialogpartner für die Bewerber. Doch auf einmal fiel dem Filmemacher auf, dass der Ford perfekt in die Rolle des Han Solo passte - ein Hollywoodstar war geboren.

Die Rolle seines Lebens stand dem begeisterten Hobbypiloten allerdings erst noch bevor: Das Dreamteam George Lucas und Steven Spielberg besetzte ihn in "Jäger des verlorenen Schatzes" als Indiana Jones. Ein Glücksfall, denn eigentlich sollte der Part an Tom Selleck gehen. Harrison Ford gelang mit seiner Verkörperung des abenteuerlustigen Archäologen der ganz große Wurf - und "Indy" wurde zur Filmlegende. Um die Figur möglichst authentisch darzustellen, bestand der 1,85 Meter große Darsteller darauf, alle Szenen - auch die Gefährlichen - selbst zu drehen. "Ich mache keine Stunts. Ich renne, springe und falle bloß", scherzte er einmal. Auch bei "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" sei das nicht anders gewesen, verlautete es vom Drehort.

Mit "Der einzige Zeuge", "Die Stunde der Patrioten" und "Air Force One" gelang es Harrison Ford aber dann, sich von seinem Image als "Indy" zu lösen und sich auch im Thrillergenre zu etablieren. Zeitweise stand der Wahl-New Yorker sogar als bestbezahltester Schauspieler der Welt im Guinness Buch der Rekorde. Doch plötzlich schien die Glückssträhne des Megastars abzureißen. Ende der 90er-Jahre und Anfang des neuen Millenniums floppte der Großteil seiner Projekte kläglich. "Sechs Tage, sieben Nächte", "Hollywood Cops" und "Firewall" kamen weder bei den Kritikern, noch beim Publikum gut an. Waren Fords Zeiten als Actionheld passé?

Genau das Gegenteil scheint der mittlerweile 65-jährige nun mit seiner Rückkehr als Indiana Jones beweisen zu wollen."Niemand will einen Helden sehen, der seine Gegner mit dem Gehstock verschlägt. Ich aber fühle mich noch fit genug, um zumindest noch heldenhaft zu tun", verkündet er. Es war Ford, der Spielberg und Lucas dazu drängte, einen vierten Teil zu drehen. Trotz der langen Pause nach "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" (1989) konnte er sich sofort wieder in die Rolle hineinversetzen. "Ich hatte das Indiana-Jones-Kostüm 18 Jahre nicht getragen. Ich zog es an, und es passte wie angegossen. Ich fühlte mich darin total zu Hause und wollte am liebsten gleich loslegen."

Seinen raubeinigen Charme hat Harrison Ford auch heute noch beibehalten. Es ist gerade diese Mischung aus Griesgrämigkeit, Distanz und scheinbarer Naivität, die seine Fans so lieben. "Ich habe den Ruf, mürrisch zu sein. Das stimmt aber nicht. Ich habe nur eine Meinung und bin zielbewusst. Ich komme, um zu arbeiten und nicht, um umschmeichelt und umworben zu werden." Ähnlich kompromisslos ist er, was sein Privatleben betrifft. Diesbezüglich hält sich der Hollywoodstar, der 2004 von seiner zweiten Ehefrau Melissa Mathison geschieden wurde, gern bedeckt. "Der Verlust der Anonymität ist etwas, auf das niemand gefasst ist. Als es passierte, erkannte ich, dass ich eines der wertvollsten Dinge in meinem Leben verloren hatte", klagt er. Erst kürzlich adoptierte der vierfache Vater den Adoptivsohn seiner Verlobten Calista Flockhart.

Beruflich hält sich der Schauspieler zwar eher an erfolgsorientierte Blockbuster - die Hauptrolle im politischen Thriller "Syriania" lehnte er ab - dennoch steckt viel mehr in Harrison Ford, als es ein Blick auf seine Filmografie vermuten lässt. Der Naturmensch setzt sich seit Jahren für wohltätige Zwecke ein. Er unterstützt das Archäologische Institut in Amerika, äußerte sich öffentlich gegen den Irakkrieg und die Waffenlobby und kämpft für den Umweltschutz. Die Hälfte seiner riesigen Ranch in Wyoming gab er als Naturschutzgebiet frei. Für sein Engagement erhielt er eine besondere Auszeichnung: Eine unbekannte Ameisenart wurde nach ihm benannt, genau wie eine neu entdeckte Spinnenspezies. Beide Insekten tragen nun den Beinamen "harrisonfordi".

Sabrina Hoffmann


Nach fast 20 Jahren Pause kehrt Harrison Ford als Indiana Jones zurück.
Nach fast 20 Jahren Pause kehrt Harrison Ford als Indiana Jones zurück. (2007 Paramount Pictures)

In "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" muss sich Harrison Ford gegen die Sowjets zur Wehr setzen.
In "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" muss sich Harrison Ford gegen die Sowjets zur Wehr setzen. (2007 Paramount Pictures)

Immer noch für Stunts zu haben: Harrison Ford denkt nicht an den Ruhestand.
Immer noch für Stunts zu haben: Harrison Ford denkt nicht an den Ruhestand. (2007 Paramount Pictures)

Datum: 16.05.2008

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