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Bonnie "Prince" Billy - Lie Down In The Light

Bonnie "Prince" Billy Lie Down In The Light

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Der schmächtige, bärtige Mann, den wir einst einen Kauz nannten, singt wieder Lieder von der Liebe. Will Oldham hat unter seinen diversen Monikern manchen Abgrund lyrisch umschifft. Einst, da schon als Bonnie "Prince" Billy, blickte er fest in die Finsternis - wandte sich ab und hatte die Liebe gefunden. Rund ein halbes Jahr ist vergangen, seit der umtriebige Songschreiber eine naturgemäß superbe EP mit Coverversionen veröffentlichte. Gemessen an der gewohnten Frequenz also höchste Zeit für einen regulären Nachfolger des 2006 erschienenen "The Letting Go".

Will Oldham hat einen augenscheinlich unverwüstlichen Zustand musikalischer Kontemplation erreicht, aus dem er wie selbstverständlich sein schon jetzt gewaltiges Oeuvre, das man stets als Ganzes begreifen muss, fortsingt. Die meditative Einkehr, das Ätherische, das den in Island aufgenommenen Vorgänger auszeichnete, findet sich auch auf "Lie Down In The Light" wieder. Doch kommen in den extrem feinfühlig austarierten Songarrangements wieder verstärkt amerikanische Folk- und Countryelemente wie Fiddle und Slide Guitar zum Einsatz, die Oldham weit besser zu Gesicht stehen als manch puristischer Fan des zerklüfteten Frühwerks zugestehen möchte.

"Who's gonna know when all is dark that she is not alone?", barmt Oldham im ungeheuer zärtlichen Titelstück, einem neuen Klassiker im Katalog des genialischen Schrats. "I'll Be Glad" und das sublime "For Every Field There's A Mole" mit Orgel und Klarinette sind nicht weniger erschütternd. "I am the king of infinite space", nuschelt der kleine Mann aus Kentucky, und dem Satz haftet nichts von einer Anmaßung an, man denkt viel eher an eine Offenbarung. Unterstützt von seiner frisch angeworbenen Duettpartnerin Ashley Webber drängt der passionierte Nichtsänger sein brüchiges Organ dezent zu Melodien, deren sanfte Frakturen nichts als Schönheit offenbaren.

Es gibt gar nicht einmal bemerkenswert viele Beispiele großer Kunst, die sich aus einem Zustand glücklicher Selbstfindung speist. Das Werk dieses großen amerikanischen Transzendentalisten steht schon heute ganz für sich. Noch schöner: Wir dürfen uns Will Oldham als einen glücklichen Menschen vorstellen.

Jens Szameit


Datum: 17.05.2008

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