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Cannes 2008: Die Weltpremiere von "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels"

Indy entdeckt die Côte d'Azur

(tsch) Mitten in Cannes. Was sind 20 Jahre Wartezeit gegen die letzten Stunden, bevor Kultfigur Indiana Jones in einem neuen Abenteuer endlich wieder seine berühmte Peitsche schwingt? Während sich die einen mit Klatschtiraden im großen Saal auf das bevorstehende Event einstimmten, draußen vorm Palais die letzten verzweifelten Fans mit Hut, aber ohne Tickets noch versuchten, durch Betteln noch einen Platz für die Gala-Vorstellung am Abend mit dem Aufmarsch der Stars zu bekommen, absolvierte die gut gelaunte Crew rund um Steven Spielberg routiniert die Foto- und Pressetermine. Man kennt sich - und das gut und lange. Es wurde gewitzelt und immer wieder betont, wie klasse es war, wieder mit allen, die man so schätzt, zusammenzuarbeiten. Harrison Ford strahlte und präsentierte sich fit und cool wie eh und je. Für ihn erwies sich die Reise in die eigene Vergangenheit als der beste Jungbrunnen überhaupt.

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Bei "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (Start: 22.05.) , dem "Indiana Jones"-Film, sollte alles aussehen wie in den 80er-Jahren. Also viel Handgemachtes mit einem moderaten Einsatz von Spezialeffekten. Ehrensache, dass Mister Ford seine Stunts selbst drehte. "Für mich sind Stunts nicht nur reine Bewegung, sondern körperliches Schauspiel, das Emotionen transportiert."

Zurück in die guten alten Zeiten, darin schien gerade auch für das Duo George Lucas (Produzent) und Regisseur Steven Spielberg der Reiz an diesem Projekt zu liegen. Lucas überrascht mit der Aussage, dass heute die neue Technik oft missbraucht werde, das liege in der menschlichen Natur. "Spezialeffekte sind nur ein Werkzeug, das man wie auch die Filmkamera dazu gebrauchen kann, eine Geschichte zu erzählen." Dazu Spielberg: "Der Blue Screen inspiriert niemand. Ich will in einem wirklichen Tempel sein. Deswegen haben wir - auch wenn das etwas mehr kostet - viele Kulissen aufgebaut. Das hat zu neuen Ideen bei mir und den Schauspielern geführt. Die Magie sollte greifbar sein, nicht digital."

Eine Weltpremiere wie "Indiana Jones an the Kingdom of Crystal Skull" beim Filmfestival in Cannes zu haben, sorgt für Synergieeffekte. Das Festival bekommt seine Stars für den roten Teppich, die Fans, die mit ihren Kameras das Palais belagern, erhalten ihr Hollywoodmotiv und die Filmemacher erreichen alle wichtigen Medien auf einen Schlag. "Normalerweise bekommen die Journalisten den Film nie zu einem Termin, sondern immer mit Zeitverzögerung zu sehen", sagt Spielberg. Das birgt für die Studios die Gefahr, dass eventuelle schlechte Kritiken, die Runde machen, bevor die anderen den Film gesehen haben. Der Cannes-Effekt hat sich hier schon bezahlt gemacht.

Einen Tag nach der Weltpremiere kursieren die unterschiedlichsten Meinungen über den neuen Indiana Jones. Die Welt versammelt zur kollektiven Filmkritik bringt auch Lustiges und Unerwartetes hervor. Eine russische Journalistin verlieh ihrer Begeisterung für den Film in der Pressekonferenz mit solch einer Leidenschaft Ausdruck, dass sich Cate Blanchett, die als russische Wissenschaftlerin eine würdige Gegnerin für Indiana Jones darstellt, genötigt fühlte, sich für ihren klischeehaften Akzent und die Darstellung der bösen Kommunistin zu entschuldigen.

Schon geht an der Cote d'Azur auch das Gerücht, es könnte einen weiteren "Indiana Jones" geben - mit Harrison Ford in einer kleineren Rolle oder gar ohne ihn, aber mit Filmsohn Shia LaBeouf als Hauptfigur. Da haben sicher die Buchhalter das letzte Wort. Das Abenteuer mit dem Kristallschädel muss nach Informationen des Fachmagazins "The Hollywood Reporter" mindestens 500 Millionen Dollar weltweit einspielen, um nicht als Enttäuschung zu enden. Funktioniert das, kommt es auf das Publikum an, Steven Spielberg hat da ein offenes Ohr: "Die letzten 20 Jahre wurde ich immer wieder nach einer Fortsetzung von Indiana Jones und E.T. gefragt. Keiner wollte das von 'A.I.' oder "'1941." Und ohne zu viel vom Film verraten zu wollen - ein bisschen hat Steven Spielberg wohl beim vierten Indiana Jones auch an die Fans von E.T. gedacht.

Diemuth Schmidt


Gut gelaunt bei der Premiere in Cannes: Hauptdarsteller Harrison Ford.
Gut gelaunt bei der Premiere in Cannes: Hauptdarsteller Harrison Ford. (2008 Getty Images)

Sie erweckten gemeinsam einen alten Kinohelden zu neuem Leben, von links: Regisseur Steven Spielberg, Hauptdarsteller Harrison Ford und Produzent George Lucas.
Sie erweckten gemeinsam einen alten Kinohelden zu neuem Leben, von links: Regisseur Steven Spielberg, Hauptdarsteller Harrison Ford und Produzent George Lucas. (2008 Getty Images)

Präsentierten "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (Start: 22.05.) in Cannes, von links: Cate Blanchett, John Hurt, Shia LaBeouf, George Lucas, Steven Spielberg und Harrison Ford.
Präsentierten "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (Start: 22.05.) in Cannes, von links: Cate Blanchett, John Hurt, Shia LaBeouf, George Lucas, Steven Spielberg und Harrison Ford. (2008 Getty Images)

Datum: 19.05.2008

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