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Funny Games U.S.

Funny Games U.S.

(tsch/cg) Neu besetzt mit Naomi Watts und Tim Roth drehte der österreichische Regisseur Michael Haneke nun ein Hollywood-Remake seines eigenen Films „Funny Games“ von 1997. Die brutale Geschichte, damals mit Susanne Lothar und Ulrich Mühe besetzt, war das Heftigste zum Thema Gewalt, was man im Kino sehen konnte. Die Befürchtungen, dass die Hollywood-Version des Thrillers abgeschwächt und an das US-Publikum angepasst sein würde, haben sich als absolut unbegründet erwiesen. „Funny Games“ ist zurück, und zehn Jahre später hat er nichts von seiner schockierenden Wirkung eingebüßt.

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Haneke, geboren in München, aufgewachsen in Wien, wollte eigentlich schon damals in den Neunzigern die englischsprachigen Gewaltkonsumenten ansprechen. "Ich reagierte auf ein bestimmtes Kino, seine Naivität und seinen Zynismus. Die Amerikaner hat der Film jedoch nicht erreicht." Das will er nun ändern, mit Naomi Watts und Tim Roth. Ansonsten bleibt alles gleich, der 66-Jährige drehte "Funny Games" Bild für Bild nach. Es gibt also keine nennenswerten Anpassungen an das neue Jahrzehnt, Land oder Leute, sondern vielmehr eine Bestätigung des Stoffes, den der Regisseur damals so akribisch umsetzte.

Es beginnt in trauter Harmonie. George, Anne und ihr Sohn Georgie kommen in ihrem Urlaubsdomizil an, eine glückliche Familie. Der Vater (Roth) schraubt am Boot herum, der Kleine (Devon Gearhart) wundert sich, warum der Hund so verrückt spielt, und die Mutter (Watts) versucht noch ein paar Freunde zum gemeinsamen Abendessen zu überreden.

Doch bald wird ein Spuk beginnen, der alles über den Haufen wirft, der in seiner Absurdität erst nicht ernst zu nehmen und dann nicht zu ertragen ist. Zwei junge Männer aus der Nachbarschaft kommen vorbei. Einer will ein paar Eier, der andere den Golfschläger ausprobieren. Die Peter-und-Paul-Show beginnt.

Besetzt mit den beiden unverbrauchten Jungschauspielern Michael Pitt als Anführer Paul und Brady Corbet als Peter, bahnt sich ein Spiel aus Höflichkeit und Gewalt seinen Weg.

In Sekunden wird aus einem kräftigen Mann ein hilfloser Krüppel, aus dem souveränen Familienvater, der normalerweise zum Helden avanciert, ein wimmerndes Elend. Was in diesem Ferienhaus passiert, macht sprachlos, entfacht eine übermenschliche Wut im Betrachter. Haneke ist subversiv, gemein.

Die Personen kommen dem Betrachter gefährlich nahe. Das Paket mit der unglaublichen Handlung liegt zerfleddert vor unseren Augen. Es soll doch nur ein Kinofilm sein, doch schon löst Haneke die einrahmende Musik auf, lässt den Schauspieler raten, welche Arie ihn auf seiner Urlaubsfahrt begleitet. Diese Macht, aus dem Bild zu steigen, wird Tim Roth im Verlauf der Geschichte nicht mehr haben.

Michael Haneke bricht in seinem US-Debüt nicht zum letzten Mal die Grenze zwischen der Ebene der Realität und der Filmwelt auf. Doch aus dem Bild steigen hier nur die Bösen. Sie stellen Fragen, bedienen Klischees, um sie wieder zu zerstören. Was ist ihr Motiv? Warum machen sie das, tyrannisieren, quälen die Familie. Diese Frage stellt Roth, diese Frage stellt sich der Zuschauer, und wird mit einem simplen "Warum nicht?" konfrontiert.

Regie führt allein der Dialog, zu Anfang, wenn die Familie zwischen Auto, Erdgeschoss und erstem Stock kommuniziert, zeigt "Funny Games US" nicht mehr als das Treppenhaus und hinterlässt bereits da ein schlechtes Gefühl. Ein Gefühl des Ausgesperrtseins, des Ignoriertwerdens. Ein Gefühl, das man als Zuschauer wenig später gerne zurückhätte, denn nun ist man mittendrin in einem Albtraum.

Immer wieder stolpert man über Michael Pitts schlimme schwülstige Lippen, über sein freundliches Grinsen, seine grauenhaften Drohungen. Alles begann mit vier Eiern, belanglos, obendrein eine zerbrechliche Angelegenheit. Fragil ist auch das Gefüge, das sich im Wohnzimmer der Familie entwickelt. Ein Scharade um Macht, um Leben und Tod, keine Antworten. Die Spannung aber wird gehalten - durch Hanekes unerträgliches Wegschauen.

Die Besetzung mit Naomi Watts, die aufgrund der vielen Demütigungen, die sie ertragen muss, kaum Chancen hat, ihre Schönheit zur Schau zu stellen, mag dem Arthouse-Publikum aufstoßen. Doch Watts ist weniger Mainstream als man ihr unterstellt.

Andererseits ist ihre Popularität wiederum ein geschickter Schachzug des diskussionswürdigen Manipulators, der sich durch diesen Auftrag in seiner Arbeit bestätigt fühlen muss. Naomi Watts lockt ein Publikum an, das ganz andere Erwartungen hat, das einen Thriller sehen will, Spannung und ein Happy End. Nichts von dem wird passieren.

Claudia Nitsche

Credits:
V:X Verleih, USA 2007, R: Michael Haneke, D: Tim Roth, Naomi Watts, Brady Corbet u.a.

Laufzeit: 112 Min.

Kinostart:
29. Mai 2008


Für eine dreiköpfige Familie werden die Sommerferien in
den Hamptons zum wahren Albtraum.
Für eine dreiköpfige Familie werden die Sommerferien in den Hamptons zum wahren Albtraum. (X Verleih AG)

Für Paul (Michael Pitt) kann das perfide Spiel nun beginnen.
Für Paul (Michael Pitt) kann das perfide Spiel nun beginnen. (X Verleih AG)

Ann (Naomi Watts) kann einfach nicht glauben, was gerade um sie herum geschieht.
Ann (Naomi Watts) kann einfach nicht glauben, was gerade um sie herum geschieht. (X Verleih AG)

Datum: 29.05.2008

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