Sex and the City

Sex and the City

(tsch/mb) New York, Manhattan: Vier Frauen sitzen an einem Tisch in einem schicken Restaurant und reden über Männer. Sie tun das so unverschämt und selbstbewusst, dass sie zu Vorbildern gleich mehrerer Frauengenerationen wurden: Die Jüngeren wollten mal so werden, und die Älteren liebten sie womöglich dafür, dass sie nie die Möglichkeit oder den Mut hatten, selbst so unverschämt und selbstbewusst zu sein. In ihren Gesprächen ging es immer um „Sex and the City“: nicht mehr und nicht weniger. Shopping, Glamour und Style im teuren New Yorker Viertel spielten nebst Sex die Hauptrolle in der Serie. Jeder hat seine Gründe, „Sex and the City“ zu lieben oder zu hassen. Bekannt ist allerdings – und dieser Tatsache verdankt die Serie ihren Riesenerfolg – dass die vier Freundinnen angeblich aus der Seele vieler Frauen sprechen. An diese Fangemeinde richtet sich auch der Kinofilm „Sex and the City“. Dass der Sex und die City jedoch nicht mehr so eine große Rolle spielen, mögen manche enttäuschend finden, andere dafür als positive Weiterentwicklung ihrer Lieblingscharaktere schätzen.

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Bei Freundinnen, die sich lange nicht gesehen haben - in diesem Fall fast vier Jahre - kann es ein Weilchen dauern, bis sie sich wiederfinden. In Leben und Gewohnheiten, die sich verändert haben. Nach Gedanken wie: Oh nein, was ist sie für eine Spießerin geworden! Oder: Oh nein, sie haben einfach nur einen weiteren Hochzeitsfilm gemacht! Doch das sind nur Momente, nach denen man sich selbst ermahnt: "Hey, das ist 'Sex and the City', die beste Serie, die die Mädels jemals hatten! Natürlich wird da nicht einfach so geheiratet wie überall sonst!" Und dann hat man den Faden wieder.

So ein sich anbahnendes Happy End schon zu Beginn muss misstrauisch machen. Carrie (Sarah Jessica Parker) und ihr Traummann Mr. Big (Chris Noth) sind nach sage und schreibe zehn Jahren (1998 startete die Serie beim US-Kanal HBO) voller Höhe- und Tiefpunkte sowie anderen Männern, die auch toll, aber eben nicht Big waren, nun schon geraume Weile ein solides Paar. Der Film knüpft nicht an die Zeit vor der letzten Klappe der TV-Serie 2004 an. Auch im fiktiven Manhattan sind die Jahre ins Land gegangen. Nun beschließen die beiden, zu heiraten.

Doch das ist nur der Ausgangspunkt für viele höchst emotionale Momente mit den Schwestern. Sarah Jessica Parker, die auch als Co-Produzentin fungierte, ist das mitreißende Zentrum des Geschehens und sie ist in Hochform. Das Drehbuch gönnt ihr dramatische Szenen - die besten gleich zu Beginn als Beinahe-Braut. Bevor Big kalte Füße bekommt.

Carrie Bradshaw, mittlerweile nicht mehr Kolumnistin, sondern Bestseller-Autorin, erstattet wie immer Bericht aus dem Off. Auch die anderen Damen haben so ihre Probleme. Außer vielleicht Charlotte (Kristin Davis): Ihr Klein-Mädchen-Traum vom Familienglück hat sich mit Ehemann Harry (Evan Handler) und Adoptivtochter Lily erfüllt. Da gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen - oder doch? Miranda (Cynthia Nixon) dagegen ist gestresst vom Berufs- und Familienalltag mit Steve (David Eigenberg) und Sohn Brady in Brooklyn. Eine Ehekrise bahnt sich an.

Samantha (umwerfend wie immer: Kim Cattrall) schließlich hat zwei essenzielle Dinge aufgegeben, um nach ihrer Chemo-Therapie mit ihrem knackigen Boyfriend, dem Schauspieler Smith Jerrod (Jason Lewis), in Los Angeles zu leben: New York und ihre wechselnden Liebhaber. Anders formuliert: Sex - and the City. Was einfach nicht geht. Entsprechend gebärdet sie sich wie ein Fisch auf dem Trockenen und sorgt damit für die heitersten Momente im Film.

Der scheinbar mühelose Wechsel vom ganz großen Drama hin zum nächsten Gag, das war schon an der Serie das Großartige. Es ergibt sich aus der Art, wie Michael Patrick King seine Heldinnen strickte, wie er sie miteinander agieren und vor allem sprechen ließ. Deshalb sind Versuche, obendrein auf andere Art und Weise Lacher zu erzeugen - wie zum Beispiel ein permanent Kissen rammelndes Schoßhündchen - auch eigentlich überflüssig.

Als nach langem Gagen-Gerangel und vielen Gerüchten der Kinofilm endlich gedreht werden konnte, begingen die Macher nicht den Fehler, nun auf der Leinwand eine besonders spektakuläre Geschichte erzählen zu wollen. Alles dreht sich weiterhin um die vier Frauen, die sechs Staffeln lang Manhattan nach dem Traummann abgesucht hatten, und um die Frage: Was passiert, wenn wir die Liebe gefunden haben? Wie kann man auch nach dem Happy End happy bleiben?

Sie sind nicht mehr so frivol, nicht mehr so abenteuerlustig und amüsierfreudig wie früher, sondern erwachsener, gesetzter, und das steht ihnen auch gut. New York entdecken, Männer abchecken und beim Anblick einer Designer-Handtasche in die Knie gehen, das tun nun andere. Zum Beispiel Louise aus St. Louis, die Assistentin, die sich Carrie in einem Moment größter Verzweiflung zu Hilfe holt, und die von Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson ("Dreamgirls") gespielt wird.

Die Geschichte wird fortgeschrieben, und das ist es, was Serien-Fans interessiert. Dabei wird nicht allzu sehr in Erinnerungen geschwelgt, und wenn, dann scheinbar beiläufig - wie zum Beispiel in Form eines Kleides, das die "Sex and the City"-Fangemeinde noch aus dem Vorspann der Serie kennt. Der Style- und Glamour-Faktor ist nach wie vor hoch, ein Paar blaue Schuhe soll am Ende gar eine schicksalsentscheidende Rolle spielen. Doch Shopping und Ausgehen, das passiert mit mehr Selbstverständlichkeit. Es sei denn, ein Diamantring wird versteigert oder es ist Fashion Week! One-Nights-Stands - das ist passé. Die Freundinnen führen keine Gespräche mehr, die dem Publikum die Schamesröte ins Gesicht treiben und mit denen sie zu Beginn der Serie Furore machten. Immerhin sitzen nun gelegentlich auch Kinder mit am Tisch! Trotzdem ist irgendwie alles beim Alten: Carrie ist das intellektuelle Mode-Mädchen, Charlotte eine spießige Romantikerin, Miranda ein zynischer Kopfmensch und Samantha selbstironisch und sexy. Sie sind die gleichen geblieben - füreinander und für ihre Fans vor der Leinwand. Das ist ein herrliches Gefühl für Freundinnen.

Es war mit Michael Patrick King der gleiche Autor und Regisseur, es waren die gleichen Darsteller (bis hin zu Candice Bergen als "Vogue"-Chefin) und natürlich die gleiche Kostümdesignerin Patricia Field! Es war das gleiche gemütliche Carrie-Apartment, das wieder aufgebaut wurde, und - last not least - die gleiche Stadt! Auch sie hat sich ein wenig verändert, spielt aber keine so große Rolle mehr. Die Damen erweiterten ihren Aktions-Radius ein wenig über Manhattan hinaus.

Über die Länge von sagenhaften knapp zweieinhalb Stunden hinweg durften auch andere Schauplätze wie L. A. für Abwechslung sorgen. Und nach Hause kommen ist schließlich immer am schönsten. Da konnte nun wirklich nicht viel schiefgehen. Mädels, es war wieder ein großes Vergnügen mit Euch! Schade, dass Ihr nicht bleiben könnt. Mit den verzweifelten Hausfrauen und jungen Ärzten ist es irgendwie nicht dasselbe.

Petra Fürst

Credits:
V:Warner, USA 2008, R: Michael Patrick King, D: Sarah Jessica Parker, Kim Catrall, Kristin Davis u.a.

Laufzeit: 145 Min.

Kinostart:
29. Mai 2008


Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) erstattet wieder Bericht: weniger über Sex, weniger über die City, dafür mehr über sich, ihre Freundinnen und die Liebe.
Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) erstattet wieder Bericht: weniger über Sex, weniger über die City, dafür mehr über sich, ihre Freundinnen und die Liebe. (2008 Warner Bros. Ent.)

Vamp Samantha Jones (Kim Cattrall) verlegt sich gezwungenermaßen zunehmend auf die Ersatzbefriedigung Shoppig.
Vamp Samantha Jones (Kim Cattrall) verlegt sich gezwungenermaßen zunehmend auf die Ersatzbefriedigung Shoppig. (2008 Warner Bros. Ent.)

Projiziert ihre Klein-Mädchen-Träume auch auf andere und rastet über die Nachricht einer bevorstehenden Hochzeit noch mehr aus als die Braut selbst: Charlotte York (Kristin Davis).
Projiziert ihre Klein-Mädchen-Träume auch auf andere und rastet über die Nachricht einer bevorstehenden Hochzeit noch mehr aus als die Braut selbst: Charlotte York (Kristin Davis). (2008 Warner Bros. Ent.)

Datum: 27.05.2008

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