Nine Songs
(GB 2004, R: Michael Winterbottom, D: Margo Stilley, Kieran O'Brien, Boby Hardy u.a.)
Fellatio und Franz Ferdinand
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Wenn im Kino geliebt wird, dann sind die Liebenden meist körperlos. Andeutungen sind erlaubt, verschämt aufblitzende Brüste oder eine Ahnung von Männerhintern. Leidenschaft entwickelt sich maximal beim Küssen. Der britische Regisseur Michael Winterbottom stellt die Beziehung zwischen zwei Menschen in "Nine Songs" dar, indem er sie (fast) ausschließlich beim Sex zeigt. Die intimen Momente - explizit, aber nicht "dirty", wie die britische Yellow Press urteilte - transportieren ein Gefühl der Vertrautheit und letztlich der Liebe und körperlichen Hingabe, die jeden Beginn einer Beziehung kennzeichnet. 67 Minuten dauert Winterbottoms konsequenter Bettkantenblick, der Anfang des Jahres zwar für ein Rauschen im Blätterwald sorgte, aber dem Kinopublikum zu eindringlich war. Nur 18.000 Zuschauer wollten den Film, der jetzt auf DVD erscheint, sehen.Liebe kann so banal, so alltäglich sein und gerade dann als besonders tief empfunden werden. In der Antarktis stapft Matt (Kieran O'Brien) einsam durch die weiße, kalte Landschaft. Er erzählt von Lisa (Margo Stilley). Einen Sommer hat der Polarforscher mit der amerikanischen Austauschstudentin in London verbracht. Michael Winterbotton geht es nicht darum, umständlich zu schildern, wie die beiden zueinander fanden oder wie sie Beziehungsprobleme meistern. Matt und Lisa verbringen ihre Zeit gemeinsam im Bett oder bei Rockkonzerten, bis die 21-jährige Studentin zurück in die USA geht. Cunnilingus wie Ejakulation werden gleichermaßen deutlich von der Handkamera eingefangen, und dennoch wirkt das echte Liebesspiel der beiden Schauspieler selten pornografisch, sondern auf eine eindringliche Weise romantisch. Matt und Lisa sind eben verliebt, ihre Beziehung ist eine hauptsächlich sexuelle. Bei einem Konzert vom Black Rebel Motorcycle Club hatten sie sich kennen gelernt - "Whatever Happened to My Rock And Roll" ist der erste der "Nine Songs". Zwischen den Bettszenen geht das Paar wieder zu Konzerten. Die Leidenschaft, aber auch die Melancholie, die sich vorher beim Sex ausdrückte, spielt sich immer mehr auf der Bühne der Brixton Academy ab. Für die Bilder begnügte sich Winterbottom mit einer Digitalkamera und einem Mini-Team. Die Intimität der beiden Darsteller sollte zumindest beim Dreh gewahrt werden. Eine dreiköpfige Film-Crew mischte sich für die Zwischensongs unter die Konzertbesucher und fing so wunderbar authentisch die Auftritte der Bands ein. Franz Ferdinand, The Von Bondies, Primal Scream, The Dandy Warhols, Elbow sowie The Super Furry Animals präsentieren sich hier in grobkörnigen Bildern, die nichts mit MTV-Ästhetik zu tun haben. Der Sound dazu kommt direkt vom Mischpult und überzeugt mit Konzertfeeling. Die optische Umsetzung auf der DVD ist, wie im Kino, nicht gerade blendend. Das Ausgangsmaterial wurde allerdings - mit allen Schwächen - gut transferiert. Der Bonusteil ist zwar überschaubar, aber in den Interviews nutzen Regisseur und Darsteller die Möglichkeit, ihre Beweggründe für diese Arbeit zu erläutern. Die Gespräche sind ruhig, sachlich und intim - fernab vom Boulevardgetöse, das den Film zum Kinostart in Großbritannien begleitete.
Susanne Wolff
bewertungsbox
| bildformat |
1,85:1 (anamorph) |
| sprachen |
Deutsch (5.1 / 2.0), Englisch (5.1) |
| untertitel |
Deutsch, Englisch, Französisch |
| extras |
Interviews: Michael Winterbottom, Margo Stilley, Kieran O'Brien |
| laufzeit |
67 Min. |
| tonsystem |
Dolby Digital |
| regionalcode |
Regionalcode 2 |
| preis |
ca. 18 Euro |
| bewertung film |
Ausgezeichnet |
| bewertung bild |
befriedigend |
| bewertung ton |
befriedigend |
| bewertung extras |
befriedigend |
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| Liebe aus der Bettkantenperspektive: Michael Winterbottoms explizite Sexstudie "Nine Songs" erscheint jetzt auf DVD. (Sony) |
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| Das Ende der Beziehung bahnt sich auch in sexueller Frustration an: Lisa (Margo Stilley) wartet nicht mehr auf ihren Freund Matt. (Sony) |
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| Lisa (Margo Stilley) und Matt (Kieran O' Brien) führen eine kurze, intensive Beziehung. (Sony) |
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