Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
Im Western viel Neues
Es ist Liebe zum Film im Spiel, das dürfte mittlerweile klar sein. Das Genre des italienischen Westerns wurde von Koch Media in der Vergangenheit oft liebevoll beleuchtet, neben diversen Boxen erschienen im Rahmen der einheitlich gestalteten "Italo Western Collection" bereits zwölf Filme. Jetzt geht die Reihe in die nächste Runde: Ab sofort sind Sergio Sollimas "Lauf um dein Leben" (1968), Duccio Tessaris "Ringo kommt zurück" (1965) und Sella d'Argentos "Silbersattel" (1978) als DVD erhältlich. Ein Trio, das die Vielfältigkeit und die Bandbreite des Genres gut erklärt und wie üblich nicht nur geschmacksicher gestaltet, sondern auch mit bemerkenswerten Extras flankiert wurde.
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Regisseure, Darsteller, Kameramänner, Angehörige: Die Macher der Extras befleißigten sich auch bei diesen drei DVDs einer manchmal natürlich etwas langatmigen, aber eigentlich sehr informativen Form der begleitenden Erzählung, die den bekannten technischen Informationen und den bunten Bildern ein bisschen Menschlichkeit beifügt. Eineinhalb Stunden Gespräche mit Beteiligten sind's, fasst man die Extras der drei DVDs zusammen, dazu kommen die üblichen Trailer, Bildmaterial und, das ist selten geworden, ausführliche Informationen zu den Filmen im Inneren der Pappschuber.
Die sind alle drei auf ihre Art sehenswert - weil sie dem Genre jeweils auf eine andere Art und Weise begegnen und zeigen, wo es den amerikanischen Western trifft und was es von ihm trennt, aber auch wie gewitzt man damals mit Einflüssen aus ganz anderen Bereichen umging: So ist "Ringo kommt zurück" in puncto Handlung an Homers "Odyssee" angelehnt. Montgomery Brown (grandios: Giuliano Gemma), der auf der Seite der Nordstaaten diente, kommt nach dem Bürgerkrieg in sein texanisches Heimatdorf zurück und stellt fest, dass sich alles verändert hat. Ein mexikanischer Großgrundbesitzer und dessen Bruder haben die Kontrolle übernommen - vor allem aber Browns Frau und Kind. Wie das passierte, und warum es genau Brown traf, wird nicht erklärt, es passt aber gut in eine Geschichte, die auch an anderer Stelle die Dinge mit starker Bild- und Zeichensprache beschreibt. Die Heilige, die Hure, der Narr: All das sind Charaktere, die sich hier finden und deren Verhaltensmuster mit denen typischer Western-Protagonisten oft gar nichts zu tun haben. Gerade deshalb, aber auch weil am Ende genretypisch das Gute nur unter Einsatz immenser Bleimengen siegen kann, eine ziemlich sichere Bank für jeden Freund der Gattung.
Auch im 13 Jahre später und damit weit nach der Glanzzeit des Genres abgedrehtem "Silbersattel" spielt Gemma die Hauptrolle. Spannender ist hier aber, wer auf dem Regiestuhl saß: Lucio Fulci wurde durch Horror- und Splatterfilme bekannt, von denen viele wegen ihrer extremen Gewaltdarstellungen sofort nach Erscheinen indiziert wurden. "Silbersattel", der recht harsch die Geschichte eines Revolverhelden erzählt, der als Kind zusehen musste, wie sein Vater erschossen wurde und nun wiederum dem Neffen des damaligen Mörders das Leben retten muss, ist ebenfalls erst ab 18 Jahren freigegeben. Dabei hält sich die gezeigte Gewalt im Vergleich mit Fulcis übrigem Werk in Grenzen, die sichtbaren Einschusslöcher sieht man heute in jedem Primetime-Krimi. Bemerkenswert ist hier neben Gemmas darstellerischer Leistung vor allem der Soundtrack.
Sergio Sollimas "Lauf um dein Leben" dürfte der Film sein, der seinerzeit an den Kassen am meisten einspielte. Die Fortsetzung von "Der Gehetzte der Sierra Madre" wurde dabei bedingungslos auf ihren Protagonisten zugeschnitten: Cuchillo (Tomás Milán) wurschtelt sich auf der Suche nach einem Goldschatz von Mexiko nach Texas und wird dabei von Gott und der Welt verfolgt. Neben hübsch choreografierten Schießereien und einer gnadenlos komischen Synchronisation ist es auch hier die reiche Charakterwelt, die den Film prägt. Da trifft man nicht nur auf eine unfassbar kühl-erotische Offizierin der Heilsarmee, sondern auch auf französische Berufskiller und eigenartig tanzende Russen. Am Ende siegt natürlich die Revolution, vor allem aber ein umherziehender Vagabund, der laut Regisseur seine Wurzeln in der spanischen Literatur hat.
Jochen Overbeck
"Ringo kommt zurück" erzählt eine Art Odyssee-Geschcihte im Western-Format. (Koch Media)
Montgomery Brown (Giuliano Gemma) will seine gestohlene Familie zurück erobern. (Koch Media)
Gnadenlos gewalttäig: "Silbersattel" wurde von Splatter-Meister Lucio Fulci inszeniert. (Koch Media)
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