Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
Mit Melone und Zauberring
Zumindest die Kinder mussten nicht unter dem Kalten Krieg leiden. Im Gegenteil, in den 70er- und 80er-Jahren haben (west-)deutsche und tschechische Fernsehsender gemeinsam die bis heute schönsten und zeitlosesten Kinderserien geschaffen. Hergestellt in den Prager Barrandov-Studios sind die WDR-Koproduktionen "Pan Tau", "Luzie der Schrecken der Straße", "Die Tintenfische aus dem 2. Stock" und nicht zuletzt "Die Märchenbraut" bis heute faszinierend. Nicht zuletzt, weil sie mit Ruhe und Gelassenheit schlicht und einfach kindgerechte Geschichten erzählen. Heute weitgehend aus dem Kinderprogramm verschwunden, wurden die tschechischen Serienklassiker in einer umfangreichen DVD-Edition neu aufgelegt.
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Allen voran Autor und Regisseur Jindrich Polak machte die Kinderserien zum Exportschlager der Tschechoslowakei. Vor allem sein "Pan Tau" ist unvergessen. Ein komischer Typ war das: Stets gut gekleidet brauchte der Mann mit der Melone auf dem Kopf nie viele Worte, um auf mysteriöse Weise Dinge zu verändern, Verhältnisse auf den Kopf zu stellen und Gutes zu tun. Mit nur einer Handbewegung konnte er Dinge verschwinden lassen und sich selbst schrumpfen: Kurz mit dem Finger um den Hut gestrichen, und schon waren alle Sorgen vergessen.
Ganz einfach, ganz zauberhaft - vor allem, weil der nette Herr die Fantasie seiner kleinen Zuschauer anregte. Die Magie, die fand damals noch mehr in den Köpfen statt. "Man hätte 'Pan Tau' so wie 'Bonanza' ewig weiterführen können", sagte Jindrich Polak in den 90er-Jahren in einem Interview. Aber er wollte es nicht. Nicht nur, weil Otto Simanek, der Darsteller des stummen, eleganten Kinderfreundes, früh verstorben und schwer zu ersetzen war.
In der fruchtbaren Kombination mit dem Drehbuchautoren Ota Hofmann wurden auch Polaks andere Kinderserien wahre Dauerbrenner und Exportschlager: "Luzie, der Schrecken der Straße" und "Die Tintenfische aus dem zweiten Stock" zum Beispiel. Die persönliche, selbstproduzierte Lieblingsserie des Regisseurs ist allerdings "Die Besucher". Hier werden Zukunft und Realität vermischt, und es wird durchaus kritisch die Zeit betrachtet.
Das machte auch "Die Märchenbraut", die im DDR-Fernsehen unter dem Titel "Die schöne Arabella und der Zauberer" lief. Hier erfüllt ein Zauberring im Handumdrehen Wünsche, die Protagonisten können zwischen Märchenreich und wirklicher Welt hin- und herreisen. Und dabei üben Märchenprinzessin Arabella, ihr Freund Peter, Herr Meier vom Fernsehen und der böse Zauberer Rumburak durchaus herbe Zivilisationskritik - allerdings mit einem behutsamen pädagogischen Ansatz und unaufgeregten, aber spannenden Geschichten.
Da wird die Wirkung des Fernsehens auf Kinder thematisiert, wenn etwa Rumburak die Märchen verfälscht und daraus Prügelgeschichten und Räuberpistolen macht. Oder wenn Arabellas Schwester Xenia das Märchenreich modernisieren lässt, mit rauchenden Schloten, Müll im Wald und TV-Geräten für alle. Zwerge, Hexen und Ritter werden dann praktischerweise gleich in eine jener Betonburgen untergebracht, die in den 60er- und 70er-Jahren die Wohnraumprobleme mit Plattenbauweise lösen sollten.
Legt man moderne Maßstäbe von technischer Brillanz an die Boxen an, muss man mehrere Augen zudrücken: Der Ton ist nicht ohne Hintergrundrauschen, das Bild oft körnig und düster. Aber die Liebe zu der unvergessenen Kinderserie tröstet über die recht schwache technische Qualität der Klassiker hinweg.
Andreas Fischer
Mit nur einer Handbewegung konnte "Pan Tau" Dinge verschwinden lassen und sich selbst schrumpfen. (UFA Kids)
"Die Märchenbraut" ist das zauberhafteste Wesen, das jemals aus dem Märchenreich in die Wirklichkeit kam. (UFA Kids)
Hat immer einen Streich parat: "Luzie, der Schrecken der Straße". (UFA Kids)
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