Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
Keine Lust auf Schmerz und Leid
Das Ende kam viel zu früh: Nach nur zwei Staffeln wurde die makaber-witzige US-Serie "So gut wie tot" (2004/2005), in der ein junges Mädchen die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits begleitet, abgesetzt. Sehr zum Leidwesen der Fans, aber auch Hauptdarstellerin Ellen Muth (28) war nicht sehr glücklich. Nicht, dass sich die geistreiche Blondine - ihren IQ will sie nicht verraten, ist aber Mitglied in den Hochbegabtenvereinigungen Mensa und Intertel - aus Neu-England in der Zwischenzeit gelangweilt hätte. Zumal 2008 ein Spielfilm für die Heimkino-Direktvermarktung produziert wurde, der nun, wie die finale Staffel der Serie, auf DVD erhältlich ist.
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teleschau: Wie enttäuscht waren Sie, als "So gut wie tot" abgesetzt wurde?
Ellen Muth: Das war eine erschütternde Erfahrung, ein Schock. Nicht nur für mich, sondern für jeden, der an der Show mitgearbeitet hatte, einschließlich der Produzenten und Drehbuchautoren. Niemand hatte damit gerechnet. Wir hatten ordentliche Quoten, die Sendung war erfolgreich.
teleschau: Ein sinnloses Ende?
Muth: Die Entscheidung wurde von Showtime gefällt: Der Sender war in einer Umstrukturierungsphase, bekam einen neuen Präsidenten, und der krempelte erst mal alles um. Er wollte dem Sender ein neues Profil geben. Das betraf nicht nur uns, so ziemlich alle Sendungen wurden abgesetzt, um komplett neu zu beginnen.
teleschau: Was haben Sie in den fünf Jahren seitdem gemacht? Im Film und Fernsehen waren sie nicht so oft zu sehen.
Muth: Eigentlich nicht viel. Einer meiner Freunde hat mir das Lee-Strasberg-Institute in New York empfohlen und ein Stipendium besorgt. Also habe ich "method acting" studiert, zwei Jahre lang. Das gefiel mir, und weil ich danach noch nicht genug hatte, habe ich mich auf diesem Gebiet weitergebildet und mich auch mit anderen, moderneren "method acting"-Ansätzen, von Sanford Meisner oder Uta Hagen beschäftigt. Irgendwann begann ich dann, selbst zu unterrichten. Aber nicht nur einen Ansatz, sondern mehrere, damit sich meine Schüler den für sie passenden aussuchen können. Leider hat das nur ein halbes Jahr geklappt, weil ich aufgrund meines immer noch vollen Terminkalenders den Unterricht zu oft absagen oder verschieben musste.
teleschau: Sie scheinen eine schnelle Auffassungsgabe zu besitzen, was dann auch Ihre Mitgliedschaft in diversen Hochbegabten-Vereinigungen erklären würde ...
Muth: (lacht) Ach das. Es mag merkwürdig klingen, aber meine alternative Karrierewahl wäre die Medizin gewesen. Und zwar nicht irgendwo im Labor oder in der Forschung, sondern ich wollte eine richtige, echte, approbierte Ärztin sein.
teleschau: Was gab denn den Ausschlag, doch Schauspielerin zu werden?
Muth: Es ist einfach meine erste große Liebe. Es gibt einfach nichts anderes, was mir so viel Freude und Vergnügen bereitet. Das ist ganz einfach eine Frage der Leidenschaft, die in mir brennt, wenn ich vor einer Kamera stehe und mit einem anderen Menschen interagiere.
teleschau: Nicht mal Rennautos machen so viel Spaß? Immerhin haben Sie eine "Race School" absolviert.
Muth: Ich liebe Autos, vor allem wenn sie schnell sind. Und dann hatte ich damals einen Freund, der sich auch total für Autos interessiert hat. Also habe ich beschlossen, zu lernen, wie man Rennautos fährt, und saß eines Tages in einem Indy-Car. Allerdings war es nur ein sehr kurzer Kurs. Vier oder fünf Tage für die Grundausbildung haben mir gereicht. Das nächste Level hätte doppelt so viel gekostet, wäre aber nur halb so lang gewesen.
teleschau: Also haben Sie sich lieber um ihre neun Katzen gekümmert?
Muth: So viele sind es gar nicht mehr. Ich habe nur noch ein paar, darunter ein Munchkin.
teleschau: Was ist das denn?
Muth: Munchkins sind eine Art Katzenzwerge. Sie sehen aus wie richtige Katzen, haben aber nur ganz kurze Beine. Stellen Sie sich einen wandelnden Hotdog in Katzenform vor. Es ist eine relativ neue Züchtung, und ich kannte niemanden, der ein Munchkin hatte. Deshalb wollte ich so ein Tier haben. Aber ehrlich, ich würde nie wieder ein Munchkin nehmen. Die Tiere sind sehr problematisch, wild und gewalttätig.
teleschau: "So gut wie tot" zelebriert einen herrlich morbiden Humor, beschäftigt sich mit Tod und Vergänglichkeit. Wie konnten Sie sich denn damit identifizieren? Immerhin dachten Sie daran, Ärztin zu werden und Leben zu retten ...
Muth: Ich bin von Hause mit einem Sinn für Sarkasmus gesegnet, versuche allerdings gleichzeitig auch sehr fröhlich und mit unbeschwertem Humor den Menschen die positiven Seiten des Lebens zu zeigen. Mein Glas ist weder halb leer, noch halb voll. Ich habe einfach die Hälfte getrunken.
teleschau: Wie stellen Sie sich das Leben nach dem Tod vor?
Muth: Ich? Hmh. Ich hoffe, es gibt zweite Chancen, für alle die Dinge, die wir im ersten Leben nicht gemacht oder vermasselt haben.
teleschau: Das erstaunt mich ein wenig: Auf Ihrer MySpace-Seite schrieben Sie den wundervollen Satz: "Keep one foot in the past, one in the future - and you're pissing on the present." Also: "Wer in Vergangenheit und Zukunft lebt, der pinkelt die Gegenwart an." Da klingt eigentlich wie: Nichts bereuen! Und nun hoffen Sie, in der Zukunft die Gegenwart ändern zu können ...
Muth: Es gibt viele Momente, in denen man Fehler und Versäumnisse bedauert. Oder Dinge, die man hätte tun könnten, aber dann doch unterließ. Das Leben im Jetzt kann so unglücklich sein, so elend. Was gestern geschah, lässt sich nicht ändern. Deswegen ist es besser, nach vorne zu sehen. Zumal man über die Zukunft, obwohl sie sich natürlich nicht exakt vorhersagen lässt, mehr Kontrolle hat als über die Vergangenheit. Was geschehen ist, ist geschehen. Das Einzige, was bleibt, sind Richtigstellungen und Klärungen im Nachhinhein. Das klingt vielleicht ein wenig konfus, und vielleicht vermassele ich auch gerade das Interview. Was ich sagen will: Genieße das Leben jeden Augenblick, weil er in zehn Minuten schon wieder Geschichte ist. Und schließlich weiß man nie, was passiert.
teleschau: Der Himmel könnte einem auf den Kopf fallen, oder zumindest eine Kloschüssel aus einer Raumstation. Wie in der Serie, wo ja auf möglichst makabre Weise gestorben wird. Haben Sie einen Lieblingstod?
Muth: Obwohl ich das oft gefragt werde, konnte ich mich noch nie entscheiden. Im Moment ist mein Lieblingstod die Eröffnungsszene des Spielfilms, in der sich ein Wissenschaftler mit einer verrückten Vorrichtung selbst das Licht ausbläst.
teleschau: Sie würden also gern die Kontrolle über Todesart und -zeitpunkt behalten?
Muth: Ich würde es nicht mögen, in der Lage zu sein, eine Vorhersage zu treffen. Das wäre wie eine Todesstrafe: rumsitzen und wissen, dass es in zwei Minuten so weit ist. Schreckliche Vorstellung! Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mir wünschen, dass es im Schlaf passiert, sodass ich nicht weiß, was geschieht und nichts mitbekomme. Davon abgesehen, dass mir Schmerz und Leid erspart bleiben sollen und ich auf keinen Fall auf dem Sterbebett in traurige Augen blicken möchte.
Andreas Fischer
Ellen Muth war ziemlich überrascht, als "So gut wie tot" trotz erfolgreicher Quoten abgesetzt wurde. (Fox)
Wenn sie als Schauspielerin keine Toten ins Jenseits gebracht hätte, wäre Ellen Muth wohl Ärztin geworden. (Fox)
Ellen Muth ist Mitglied in zwei Hochbegabtenvereinigungen: Aufgenommen wird nur, wer mindestens einen IQ von 135 hat. (Fox)
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