Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
"Kein Transformers 2 für mich!"
Steven Spielberg hat eine Schwäche für humanistische Botschaften und aufregende Spezialeffekte, Roland Emmerich lässt gern die Welt untergehen, und Michael Mann nimmt die Kamera am liebsten selbst in die Hand. Alle Regisseure haben ihre Markenzeichen - das macht sich nicht nur beim Dreh bemerkbar, sondern auch in der Auswertung ihrer Filme auf DVD und Blu-ray-Disc.
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Wie viel Einfluss sie dabei tatsächlich haben, ist von außen nicht ohne Weiteres zu erkennen, aber manches fällt doch auf. Michael Bay beispielsweise machte während des Formatkriegs zwischen Blu-ray und HD DVD seine Position mehr als deutlich: Als Paramount 2007 ankündigte, nur noch HD DVDs zu unterstützen, drohte Bay damit, die geplante Fortsetzung von "Transformers" platzen zu lassen: "Ich will, dass die Leute meine Filme im bestmöglichen Format ansehen. Dass sie das jetzt denen vorenthalten, die Blu-ray haben, ist Scheiße! (...) Kein 'Transformers 2' für mich!", schrieb der erzürnte Regisseur in seinem Internetforum. Zwar ruderte er schon kurz darauf wieder zurück, doch als Blu-ray Anfang 2008 den Krieg für sich entschied, trat er noch einmal nach: "Es war wirklich nicht mein Kampf, aber erinnert ihr euch noch daran, was ich der Presse gesagt habe? Ich habe gesagt, dass HD DVD verlieren wird."
Auch Steven Spielberg ließ noch während des Formatkriegs durch seinen Sprecher Marvin Levy verkünden, dass er "ein großer Unterstützer von Blu-ray" sei. Spielbergs Busenkumpel George Lucas dagegen hielt sich trotz neugieriger Nachfragen aus Fankreisen zurück - verständlich, nachdem er sich schon in den 80er-Jahren mit der Veröffentlichung seiner "Star Wars"-Trilogie auf Laserdisc ziemlich in die Nesseln gesetzt hatte. Eine Wissenschaftlerin des Lucas-Unternehmens THX erklärte sogar, dass weder Blu-ray noch HD DVD das Format der Zukunft seien: "Ich denke, Konsumenten werden erst dann daran interessiert sein, die DVD zu ersetzen, wenn High Definition-Filme auf Flash-Speicher erhältlich werden." Gut möglich also, dass Lucas noch länger abwarten wird.
Andere Regisseure lassen sich gerne auf die neuen Möglichkeiten ein, die Blu-ray ihnen bietet. So beantwortete "Watchmen"-Regisseur Zack Snyder auf der diesjährigen Comic-Con in San Diego zur Präsentation des "Watchmen Director's Cut" nicht nur die Fragen der anwesenden Fans, sondern auch die der BD-Besitzer, die per BD-live zugeschaltet waren und Snyders Antworten über eine Textbox während des Films erhielten. Der Director's Cut hat auch ein "Director Walk-On"-Feature, bei dem Snyder den Film nicht per Audiokommentar erklärt, sondern tatsächlich auftritt und am Standbild erklärt, bestimmte Partien wiederholt oder zu Featurettes verlinkt.
"Für mich ist das wirklich cool, weil es keinen Aspekt von 'Watchmen' gibt, den ich nicht überarbeitet habe. (...) Es ist der perfekte Film, um zu sagen: 'Oh, wir haben diese Kleenex-Box gebaut' oder 'Wir haben den Tisch da gebaut' (...) Es macht Spaß", so Snyder in einem Interview. Auch "Fluch der Karibik"-Regisseur Gore Verbinski gibt gerne seine Geheimnisse preis: "Das Schaffen dieser Filme war ein so erstaunliches, seltsames Abenteuer, dass es als eigene Form der Unterhaltung dient, denke ich."
Ganz anders denkt da Steven Spielberg; er ist strikt gegen Kommentare: "Ich denke, ein Film sollte sein, was er ist, er sollte eine Geschichte erzählen. Hinterher, im Zusatzmaterial der DVD, da kann man den Einblick hinter die Kulissen gewähren, das Making Of zeigen, die Interviews mit Regisseuren, Schauspielern und Autoren führen, finde ich."
Der in dieser Hinsicht mit Abstand schrulligste Regisseur allerdings ist - man hätte es ahnen können - Woody Allen: Ganz gleich, welche Möglichkeiten der technische Fortschritt eröffnet, Allen dreht alle seine Filme von vornherein in Mono. Wenn sich doch einmal Dolby Digital 2.0-Spur auf eine seiner DVDs verirrt (wie beispielsweise bei "Match Point" geschehen), ist das eine Stereo-Spur, auf der ein Mono-Signal liegt. Selbst auf der Blu-ray-Edition von Allens "Vicky Cristina Barcelona" tönt der DTS-Sound in Mono. Soundmixer Lee Dichter erzählt in einem Interview von einem Testscreening, vor dem Allen sich zu Dolby Surround hatte überreden lassen: "Die Anfangsmusik startete und war in Stereo, und ich hatte den Panpot weit offen, da sagte er: 'Weißt du was, Lee, das klingt interessant, aber es ist ein bisschen zu weit. Kannst du es ein bisschen nach innen ziehen?' Also haben wir es ein bisschen nach innen gebracht. 'Kannst du's noch ein bisschen mehr nach innen ziehen?' Und so ging es weiter, bis es endlich genau in der Mitte war und er sagte: 'Das gefällt mir. Mach das mit dem ganzen Film.' Ich sagte 'Woody, das ist Mono.' Er antwortete: 'Kein Wunder, dass es so gut klingt!'"
Sabine Metzger
Steven Spielberg will Audiokommentare weder hören noch selbst sprechen. (2008 Getty Images)
"Transformers - Die Rache" läuft derzeit in den deutschen Kinos - obwohl Michael Bay für sein Lieblings-HD-Format aussteigen wollte. (Paramount Pictures / DW Studios L.L.C.)
Ein Mann, drei Frauen: Woody Allen hat mit "Vicky Cristina Barcelona" eine spannende und zugleich erotische Liebesgeschichte inszeniert - in Mono. (Concorde)
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