Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
Drei gewinnt
Das ging schnell: Während 3D-Filme gerade erst beginnen, sich ernsthaft im Kino zu etablieren, haben die ersten Hersteller auf der IFA bereits Geräte für ein dreidimensionales Heimkinoerlebnis präsentiert. Sony und Panasonic lieferten erste Kostproben und wollen bereits 2010 marktreife Geräte präsentieren.
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In Zukunft: die Brille. Die 3D-Technologie, die Sony und Panasonic in Berlin vorstellten, benötigt eine aktive Shutterbrille - dieselben, etwas klobigen Geräte, die auch im Kino an die Zuschauer verteilt werden. Brillenpflicht im Wohnzimmer: Die Vorstellung, dass sich die Familie zum Videoabend mit getönten Gläsern versammelt, ist noch immer gewöhnungsbedürftig. Aber erstens wird das nicht bei jeder Sendung der Fall sein und zweitens dürfte die junge Zielgruppe eine solche Spielerei bereitwilliger mitmachen.
Game-Aficionados und Freunde des gepflegten Action-Blockbusters - bei Sony definiert Pressesprecher Gerrit Gericke die potenziellen Interessenten. Auch bei Panasonic weiß man, dass es vor allem technikaffine Early Adopters zu gewinnen gilt. "Die Tagesschau in 3D zu sehen, ist für kaum jemanden sexy", schmunzelt Friedhelm Licht vom Produktmanagement und erwähnt dabei beiläufig, welche Inhalte es wohl in naher und mittlerer Zukunft nicht in 3D geben wird. Für den TV-Alltag gäbe es kein Interesse an 3D, wohl aber daran, besondere Filme zu einem echten Erlebnis zu machen. "Und dafür setzten sich die Leute dann auch die Brillen auf", sind sich Licht und Gericke unabhängig voneinander sicher.
Überhaupt haben die Fernsehsender lange Jahre gebraucht, bis sie ihre Sendungen in HD ausstrahlen, "und 3D braucht fast doppelt so viele Daten". Dass es also Live-Fußball in 3D geben wird, wie ihn Sony auf der Messe präsentierte, ist nicht zu erwarten. Ganz abgesehen davon, dass der "Wow"-Effekt dabei ohnehin ausbleibt. "Ich habe schon das Gefühl, auf dem Platz zu stehen", sagt Gerrit Gericke zwar marketingfreundlich, aber die vielen Totalen und Halbtotalen beim Fußball lassen genau das nicht zu. Und auch bei der Leichtathletik wäre es höchstens spannend, wenn eine umgetretene Hürde aus dem Bild fällt oder der Sand beim Weitsprung ins Gesicht der Zuschauer spritzt.
Anders ist das bei Naturdokus, Animationsfilmen, Spielen und Blockbustern. Da macht 3D wirklich Spaß. Allerdings sollte das Fernsehgerät in die Kategorie "majestätische" Bildschirmdiagonale fallen. Panasonic, so verriet Friedhelm Licht, plane, im nächsten Jahr 52-Zoll und 65-Zoll-Modelle in die Läden zu bringen, bei Sony wird's wohl auch eine Nummer kleiner gehen. Die Preise stehen bei beiden Herstellern noch nicht fest, aber "soll nicht in der Nische stehen, sondern ein Massenprodukt werden", verspricht Gericke. Etwas teurer als herkömmliche Geräte werden die neuen trotzdem, dafür sind sie aber abwärtskompatibel. Licht dazu: "Mit der neuen Technik lassen sich auf jeden Fall auch 2D-Inhalte ansehen." Wer auf den 3D-Knopf drückt, holt dann sozusagen zu besonderen Anlässen das "technische" Silberbesteck raus.
Als Vorreiter können Sony und Panasonic sich nun nicht nur Marktvorteile sichern, sondern haben wohl auch ein gewichtiges Wort bei der Spezifikation des noch nicht verabschiedeten 3D-Standards mitzureden. "Wir gehen in eine ähnliche technische Richtung", erläutert Friedhelm Licht, sowohl Panasonic als auch Sony werden die minimal zeitversetzten und ineinander verschobenen Bilder doppelt gesendet - eins für das rechte Auge, eins für das linke. Die aktive Shutterbrille ist mit dem Ausgabegerät per Infrarotsender synchronisiert und blendet jeweils ein Bild aus. Die Einigung auf einen einheitlichen Standard dürfte nicht allzu schwer fallen, die Konkurrenz hat dann mit ihren Ansätzen das Nachsehen. Zumal in Berlin nicht einmal Prototypen präsentiert wurden, die - wie angekündigt - ganz ohne Brille auskommen oder mit passiven rot-grün Sehhilfen arbeiten.
Damit sich das räumliche Erlebnis im Wohnzimmer durchsetzt, sind drei Schritte notwendig, wie Gericke erläutert: "3D-Inhalte müssen produziert werden, die entsprechenden Abspielgeräte müssen verfügbar sein, das Fernsehgerät muss die Bilder wiedergeben können." Mit einem großen Filmstudio im Rücken macht man sich bei Sony über Punkt eins keine Gedanken. Zumal das Kino generell verstärkt auf 3D setzt: Allein in diesem Jahr brachten unter anderem "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", "Final Destination 4", "Ice Age 3", "Coraline" und "Monsters vs. Aliens" ein räumliches Kinoerlebnis. Im Herbst starten mit Disneys "Oben" (17. September) und John Camerons "Avatar" (17. Dezember) noch zwei potenzielle Blockbuster in der dritten Dimension.
All diese Filme werden auf Blu-ray-Disc erscheinen (oder sind es bereits), dem Content-Motor des 3D-Zuges, wie ihn Sony-Chef Howard Stringer auf der IFA nannte. "Sony kann viel bewegen, vor allem mit der PlayStation 3", meinte Stringer und heizte damit Spekulationen an, dass die Konsole bereits so gut wie fit ist, für die neue Technik. Sinn machen würde es, zumal für das nächste Jahr bereits 3D-Games angekündigt wurden.
Man munkelt nun, dass ein Software-Update ausreichen könnte um die PS3 3D-fähig zu machen. Die Frage des Verschlüsselungsstandards scheint zwar noch problematisch: Angedacht ist, dass der HDMI-Anschluss die gerade verabschiedete Spezifikation 1.4 erfüllen muss, und offiziell verbaut sind diese Teile noch nicht. Aber heimlich wir davon ausgegangen, dass vor allem in der gerade erschienen PS3 Slim viel mehr steckt, als auf dem offiziellen Datenblatt angegeben wurde. Womit auch Punkt zwei auf Gerickes Liste abgehakt wäre. Und den letzten Punkt haben der Sony Pressesprecher und sein Marketing-Kollege von Panasonic ausgiebig präsentiert.
Andreas Fischer
Achtung Hai: Sony zeigte auf der IFA Berlin, dass 3D auch im Heimkino funktionieren kann. (Sony)
Sony will bereits im kommenden Jahr 3D-fähige Fernsehgeräte auf den Markt bringen: Bei Sportübertragungen macht die dritte Dimension aber kaum Sinn. (Sony)
Panasonic warb mit James Camerons "Avatar"-Trailer auf der IFA Berlin für Heimkino-3D. (Panasonic)
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