Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
"Ich hasse Stunts"
Dass Ridley Scott bevorzugt mit Schauspieler Russell Crowe zusammenarbeitet, ist mittlerweile bekannt. Aktuell drehen sie ihrem fünften Film, "Robin Hood". Ihr erstes gemeinsames Werk, "Gladiator" (2000), das Crowe einen Oscar und weltweiten Ruhm einbrachte, erscheint nun auf Blu-ray-Disc. Erfolgsregisseur Scott setzt auch bei anderen Crew-Mitgliedern auf Langzeitbeziehungen. Stunt-Koordinator Phil Neilson war ebenfalls schon an fünf Filmen des 72-Jährigen beteiligt. Derzeit arbeitet er an der Spielfilm-Adaption des "A-Teams", die 2010 in die Kinos kommen soll. Auch bei dem Toga- und Sandalenfilm "Gladiator" war Neilson mit von der Partie und erinnert sich nun zur BD-Veröffentlichung an die anstrengenden Dreharbeiten.
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teleschau: Herr Neilson, was macht ein Stunt-Koordinator eigentlich?
Phil Neilsen: Ein Stunt-Koordinator interpretiert jede Action-Sequenz des Drehbuchs, alles, was vielleicht gefährlich sein könnte. Er plant, designt, baut die nötige Ausrüstung und testet sie. Er schafft eine Illusion.
teleschau: Wie kommt man zu diesem Job?
Neilson: Ich ging den normalen Weg und begann selbst als Stuntman. Ich arbeitete mich hoch und sammelte Erfahrungen, die ein Stunt-Koordinator braucht. Irgendwann designte ich dann die Stunts, anstatt nur für einen bestimmten Stunt engagiert zu werden.
teleschau: Bedeutet "designen", dass Sie auch Dinge vorschlagen, die das Drehbuch nicht vorsieht?
Neilson: Manchmal versuche ich eine eigene Note einzubringen, wenn der Regisseur das zulässt. Im Grunde wurde alles schon einmal gemacht. Ich versuche einen neuen "Dreh" zu finden, um eine eigene Identität zu verleihen.
teleschau: Wir war es denn konkret bei "Gladiator"?
Neilson: Gigantisch. Es musste so viel organisiert und trainiert werden, dass einer alleine das nicht bewältigen konnte. Deshalb teilte ich alles, was mit Action zu tun hatte, in drei Gruppen auf: die Mann-gegen-Mann-Kämpfe, die Action mit den Pferden und die normalen Stunts - Sprünge, Stürze, Feuer und Ähnliches. Ich stellte einen "Horse Master" ein, der mit den Reitern arbeitete, und erklärte ihm, was ich mir vorstellte. Er trainierte die Leute und brachte mir schließlich das Ergebnis, das dann wiederum von mir noch einmal bearbeitet und angepasst wurde. Gleichzeitig gab es einen "Fight Master", der dasselbe mit den Darstellern machte. Eine andere Crew kümmerte sich um das Feuer und baute die Anlagen, mit denen Leute zum Beispiel durch die Luft geschleudert wurden. Nach den einzelnen Tests kamen alle zusammen, und wir arbeiten an der eigentlichen Szene.
teleschau: "Gladiator" war ein extrem großes Projekt ...
Neilson: Das wussten wir damals nicht. Niemand hat damit gerechnet. Alle dachten, wir drehen einen Toga- und Sandalenfilm. Zur damaligen Zeit machte das niemand, und die Leute dachten es wäre gefährlich (lacht). Aber nicht mit Ridley Scott ...
teleschau: ... mit dem Sie sich nach fünf gemeinsamen Projekten blind verstehen.
Neilson: Ich liebe es, mit ihm zu arbeiten. Er ist ein Visionär. Ich habe viel über das Erzählen von Geschichten und über Bildsprache von ihm gelernt. Er vertraut den Menschen, mit denen er arbeitet, viel von seiner Vision an. Vielleicht ist er deshalb so gut. Viele Regisseure sind im Gegensatz zu Ridley sehr egozentrisch. Sie meinen, sie würden den Film alleine umsetzen und jeder andere sollte froh sei, dass er mitmachen darf.
teleschau: Heute könnten viele der Szenen, die damals real entstanden, am Computer gemacht werden ...
Neilson: In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen dramatisch verändert. Die Fortschritte im Bereich CGI und bei den visuellen Effekten sind enorm. Ein Beispiel: Bei "Königreich der Himmel", ein anderer Film, den wir zusammen drehten, entstand die meiste Action zwar durch echte Stunts, zum Beispiel die Kämpfe, die Feuer, die Explosionen. Aber bei den Panoramaaufnahmen wurde dann viel computergeneriertes Material integriert.
teleschau: Empfinden Sie die Computertechnik als Bedrohung? Immerhin produzieren Sie "reale" Effekte.
Neilson: Das ist eine zweischneidige Sache. Es ist gut, dass viele Dinge jetzt weniger gefährlich werden. Wir können zum Beispiel Sicherungsseile benutzen, wo das früher nicht ging. Ich denke nicht, dass die Technik das Echte komplett jemals ersetzen ... Vielleicht sag ich das jetzt besser nicht. Diese Leute werden nämlich richtig gut.
teleschau: Finden Sie das manchmal bedauerlich?
Neilson: Ja und nein. Leider benutzen viele Filmemacher CGI als eine Stütze, weil ihnen beispielweise die Zeit fehlt, die Abläufe während der Dreharbeiten sauber zu planen, sodass sie die echten Stunts nicht umsetzen können. Persönlich finde ich es natürlich besser, dort wo es möglich ist, auf Live-Action zu setzen.
teleschau: Welche Filme sehen Sie selbst gerne? Muss immer Action dabei sein?
Neilson: Als ich noch als Stuntman arbeitete, sagte ich zu Regisseuren immer: "Ich hasse Stunts." Das hat die meisten sehr irritiert. Ich erklärte dann: "Ich hasse Stunts, die wie Stunts aussehen." Ich denke, Action sollte sich nahtlos in die Geschichte einfügen. Mir geht es immer um die Handlung. Solange die spannend ist, liebe ich den Film. Auch wenn nur zwei Menschen da sitzen und miteinander reden. Deshalb bin ich kein Fan von Action per se. Wenn ich irgendwann einen eigenen Film drehe, mache ich einen über ein Kaffeekränzchen.
Melanie Grimm
Ridley Scotts "Gladiator" erscheint nun als Blu-ray-Disc. (Universal)
Die spektakulären Kampfszenen des Films sind das Ergebnis einer aufwendigen Vorbereitung. (Universal)
Phil Neilson koordinierte bei "Gladiator" die Stunts. (Universal)
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