Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
Onkel Gavin macht das schon
Ein wenig underdressed fühle er sich in Jeans und T-Shirt, meint Gavin Hood und blickt dabei spitzbübisch zu Comic-Urgestein Len Wein rüber, der in schwarzem Hemd und Jacket anreiste. Und Produzentin Lauren Shuler Donner, führt der "X-Men Origins: Wolverine"-Regisseur fort, habe ihm zuliebe ihre Perlenkette abgelegt, damit er sich nicht ganz so schlecht fühle. Die Stimmung ist gut bei der Präsentation der "Wolverine"-Blu-ray-Disc, die sich in den USA bereits blendend verkauft und nun auch in Deutschland in den Regalen steht.
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"Ich liebe Kino, aber Blu-ray-Technologie ist 'the next best thing'", erklärt Gavin Hood den anwesenden Journalisten. Ein Satz, der bei einem Event rund um die blaue Scheibe natürlich fallen muss. Obwohl man das Gefühl nicht los wird, dass der Südafrikaner die Vorzüge des DVD-Nachfolgers an anderer Stelle wohl nicht explizit erwähnt hätte, wirkt es dennoch sehr aufrichtig, wenn er beklagt, dass er es als Vater zweijähriger Zwillinge kaum noch schafft, ins Kino zu gehen.
Begeistert, viel und gestenreich redet der 46-Jährige, den sich Fox ins Boot holte, um die Biografie des "X-Men"-Helden Wolverine auf die Leinwand zu bringen. Oder genauer: Den Hauptdarsteller Hugh Jackman ins Boot holte - er war es, der Gavin Hood bat, sich des Projekts anzunehmen, nachdem die beiden vorherigen "X-Men"-Regisseure Bryan Singer und Brett Ratner nicht mehr zur Verfügung standen. "Wir alle waren so begeistert von 'Tsotsi'", erinnert sich Lauren Shuler Donner, die alle Filme der Comic-Reihe produzierte.
"Tsotsi": Ein gewaltvolles Meisterwerk über einen 19-jährigen Gangster, der plötzlich Ziehvater eines Babys wird. Oscarprämiert. Wie genau ein krallenwetzender Comic-Held dazu passen sollte, wusste Hood anfangs selbst nicht. Beide Figuren verbindet ein gewisser Selbsthass, zieht er die Parallele. Zudem sei auch "Wolverine" durchaus nicht unpolitisch: Bösewicht Stryker bedient sich munter der Rhetorik von George W. Bush, und auch im Marvel-Universum spielen Rassenkonflikte und Integration eine wichtige Rolle. Toleranz sei ebenfalls ein sehr wichtiges Motiv, eilt ihm Lauren Shuler Donner zur Hilfe. Hoods Hauptgrund, in die Welt der "X-Men" einzusteigen, war jedoch die Bitte seines Neffen, dass Onkel Gavin auch mal einen Film drehen sollte, den auch er mit seinen elf Jahren ansehen dürfe.
Nicht ohne Schwierigkeiten wurde der Regisseur zum Franchise-Unternehmer: "Es war eine Herausforderung, an einem so großen Projekt mit vorgegeben Parametern zu arbeiten", erinnert er sich. "Mittlerweile kenne ich den Unterschied zwischen einem Gavin-Hood-Film und einem Film unter der Regie von Gavin Hood." Doch zumindest von einer Seite musste der studierte Jurist keine Interventionen befürchten: Len Wein, der Erfinder von Wolverine, hatte keinerlei Probleme damit, dass er den Lebensweg seines "Babys" ein wenig abwandelte. "Die wichtigen Züge der Figur wurden perfekt getroffen, darum finde ich es vollkommen legitim, dass Wolverine und seine Geschichte etwas überarbeitet wurden", versichert der 61-Jährige. "Dass er nicht mehr in gelbem Spandex herumläuft, ist beispielsweise äußerst begrüßenswert", fügt er schmunzelnd hinzu.
Gemeinsam mit Comic-Legende Stan Lee ("Er kann von sich behaupten, hauptberuflich Stan Lee zu sein") gibt er im Bonusteil der Blu-ray-Disc einen erfrischenden Insider-Einblick in die Welt der "X-Men". Mit einer gewissen Routine: "Ich kam auch schon im Bonusteil der "Watchmen"-, "Spider-Man"-, "Fantastic Four"- und "X-Men"-Filme vor. Ich sollte das als zweites Standbein in Betracht ziehen: professionelle Auftritte in DVD- und BD-Extras", resümiert der Comic-Autor schmunzelnd. Er selbst kann das Phänomen Blu-ray leicht in einem Satz, quasi in Sprechblasenform, zusammenfassen: "Es ist wie Kino, nur das um dich herum keine Leute quatschen".
Aus der Perspektive des Regisseurs ist es allerdings wie Kino, nur dass Leute in den Dreh hineinquatschen: "Ich musste mich erst daran gewöhnen, meine Arbeit zu unterbrechen, weil zwischendurch noch für die DVD- und BD-Features gedreht wurde. Doch aus der Zuschauerperspektive weiß ich, dass so etwas natürlich interessant ist. Ich selbst bin beispielsweise ein großer Fan von Audiokommentaren."
Das dürfte zum einen der Grund sein, warum er selbst im Bonusteil der Blu-ray-Disc sehr präsent ist, zum anderen ein weiteres Argument kontra Download - legal wie illegal. "Wenn tausende Menschen deine Filme illegal herunterladen, weil sie sie vorab sehen wollen, ist das in gewisser Weise schmeichelhaft, aber es macht die Industrie kaputt." Kostenpflichtige Downloads würden derzeit noch zu lange dauern, um für die breite Masse attraktiv zu sein. Und: "Wir drehen keine Filme mit ausgefeilten Actionszenen und großen Soundeffekten, um sie auf einem 17-Zoll-Monitor und mit PC-Lautsprechern wiedergeben zu lassen".
Abseits der großen Präsentation offenbart Hood einen weiteren Beweggrund, für die Heimkino-Variante des Films die Werbetrommel zu rühren. Er vermutet, dass die angedachte Fortsetzung der "Wolverine"-Story letztlich mit den Verkaufszahlen von DVD und Blu-ray-Disc stehen und fallen könnte. Er selbst sei jedenfalls am Zustandekommen des Projekts interessiert: Seinem Neffen habe "Wolverine" nämlich sehr gut gefallen.
Annekatrin Liebisch
"X-Men Origins: Wolverine" ist nun auch auf Blu-ray-Disc erhältlich. (Fox)
Team "Wolverine": Regisseur Gavin Hood (rechts), Produzentin Lauren Shuler Donner und Comic-Autor Len Wein stellten die Blu-ray-Edition von "X-Men Origins: Wolverine" vor. (Fox)
Wollte endlich einen Film drehen, den auch sein elfjähriger Neffe im Kino sehen darf: Regisseur Gavin Hood. (Fox)
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