Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
"Michael Bay war meine größte Herausforderung"
Er hat sich einen Namen gemacht in Hollywood, und das, obwohl er erst 40 Jahre alt geworden ist. Robert J. Hoffmeister wurde am 16. Oktober 1969 im fränkischen Coburg geboren und absolvierte eine ganz normale Schullaufbahn: Nach seinem Abitur studierte er an der Fachhochschule Hannover an der Fakultät Medien Information und Design, bevor es ihn nach London an die Brunel University verschlug. Zielstrebig verfolgte er sein Ziel, zum Film zu kommen. Als Mann hinter den Kulissen schaffte er es 2001 in die USA, seit 2002 arbeitet Robert Hoffmeister als Digital Compositor und Sequence Supervisor bei Industrial Light & Magic (ILM) in San Francisco. Zuletzt wirkte er bei dem Film "Transformers - Die Rache" mit, der jetzt auf DVD und Blu-ray-Disc erhältlich ist.
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teleschau: Welcher Film war ihre größte Herausforderung bisher?
Robert Hoffmeister: Das war ganz klar "Transformers 2".
teleschau: Warum?
Hoffmeister: Das hat mehrere Gründe. Ein Aspekt ist sicherlich Michael Bay, der Regisseur. Er hat schon sehr große Vorstellungen von allem, deswegen ist er auch derjenige, der solche Filme wie "Transformers" macht. Außerdem war ich als 2D-Supervisor für alle IMAX-Sequenzen zuständig. IMAX-Bilder benötigen ein Vielfaches von der Auflösung, die normal im Kino zu sehen ist. Von daher stellte "Transformers 2" uns oft vor besondere Aufgaben.
teleschau: Was ist denn so besonders daran?
Hoffmeister: "Transformers - Die Rache" lief nicht nur in normalen, sondern auch in IMAX-Kinos. In IMAX-Sequenzen können die Kamerabewegungen nicht so schnell sein, sonst würde das Publikum nach fünf Minuten umfallen. Die Bilder sind so riesig, dass man überreizt würde. Noch nie hat ein Film so viele Computergrafiken in IMAX gezeigt. Dafür mussten wir alle Robotermodelle komplett überarbeiten, bis zur kleinsten Schraube, das ging sehr stark ins Detail. Die meiste Arbeit steckt in zwei großen Sequenzen, dem "Forest Fight" und "Devastator Fight". Der Devastator ist so groß wie ein zehnstöckiges Gebäude. Es gibt da einen Shot, wo die Kamera um ihn herumkreist und er gerade einen Benzintanker einsaugt. Würde man diese eine Szene auf dem besten und schnellsten Computer berechnen, den es gibt, würde das Ganze drei Jahre dauern. Eine weitere Aufgabe war also auch, mit unseren Speicherressourcen gut umzugehen und zu jonglieren.
teleschau: Die Transformer-Actionfiguren gibt es schon länger, auch der Comic und die Serie sind bekannt. Kann man mit diesen Vorgaben seine Fantasie eigentlich noch spielen lassen?
Hoffmeister: Das betraf mein Arbeitsgebiet nicht. Zuständig dafür war unser Effect Supervisor Scott Farrard, der eng mit Michael Bay zusammenarbeitete. Aber natürlich haben wir schon eine Verpflichtung den Fans gegenüber. Wir haben hier ein Art Department, das versucht, im Design so nah wie möglich am Bekannten zu bleiben, aber dieses natürlich auch noch zu übertreffen. ILM hat da viel mit entwickelt, unter anderem auch das Transforming der Roboter. Das muss mechanisch stimmen und trotzdem cool aussehen. Wir haben das schlicht und einfach so gelöst, dass die Transformation immer nur in Richtung Kamera funktioniert: Hätte man das Ganze von hinten gefilmt, hätte man gesehen, dass ein Rad zum Beispiel mitten durch die Tür geht und vieles technisch so nicht klappt.
teleschau: Was ist denn bei einem Film wie "Transformers 2" noch "echt"?
Hoffmeister: Als Michael Bay die Hintergründe drehte, in die wir die Roboter später einfügten, hat er versucht, viel Realistisches einfließen zu lassen. Er jagte vieles "wirklich" in die Luft, es gab echte Explosionen, bei denen Dreck und Metall durch die Gegend flog. Auch die Militärflugzeuge waren echt, und Michael Bay war der Erste, der an den Pyramiden drehen durfte. Er ist ein unglaublich fordernder Regisseur, im positiven Sinne. Oft war es zwar anstrengend, weil er einfach so viel Energie hat. Er weiß, was er will und nimmt sich Zeit für Details. Trotzdem mussten bei vielen Szenen noch Elemente eingefügt werden, zum Beispiel umfallende Bäume beim "Forest Fight". Da diese Szene aber in IMAX laufen sollte, konnten wir schon vorhandenes Bildmaterial nicht benutzen. Wir mussten dafür also extra drehen, und diese Drehs wurden mir anvertraut. Auch das war eine große Herausforderung für mich. Insgesamt haben wir bei ILM 51 Minuten des Films bearbeitet. Aber es galt: Wenn etwas gedreht werden kann, wird das auch gemacht.
teleschau: Kommen Sie bei Ihrer Arbeit auch mit den Schauspielern in Berührung?
Hoffmeister: Nein, ich persönlich nicht. Das machte auch unser Effect Supervisor Scott Farrard, der bei den Drehs direkt dabei war. Aber der Effect Supervisor ist der "direkte Draht ins Hirn des Regisseurs", wie wir sagen. Er gibt an uns weiter, was der Regisseur will, sodass wir zügig arbeiten können. Ich selbst war auch leider nie am Set mit Michael Bay. Bei den Aufnahmen, die ich begleitete, war kein Regisseur dabei. Ich arbeitete mit Statisten, die dann im Hintergrund vorkamen.
teleschau: Sie arbeiten seit über zehn Jahren beim Film. Was hat sich in dieser Zeit in der Branche verändert?
Hoffmeister: Schon während des Studiums in den 90er-Jahren arbeitete ich freiberuflich in Deutschland an Filmen mit. Seit 2001 bin ich in den USA und seit 2002 bei ILM. Weiterentwicklungen gab es natürlich. Jedes Jahr werden die Computer größer, schneller und doller, aber es werden auch die Anforderungen immer größer, schneller und doller. Von daher relativieren sich die Veränderungen wieder. So etwas wie "Transformers" hätte man vor zehn Jahren auf keinen Fall machen können, zumindest nicht in der Art. IMAX wird immer beliebter, aber auch beim Home Entertainment hat sich vieles getan. Man muss wirklich von Anfang an bei einem Film detailgenau arbeiten, damit das Blu-ray-Bild zu Hause gestochen scharf ist. Hätten Sie die Frage vor zehn Jahren gestellt, hätten Sie wahrscheinlich etwas Ähnliches zu hören bekommen. Das Wichtigste ist, dass man am Ball bleibt.
teleschau: Trägt die fortschreitende Technologie dazu bei, dass Filme an Authentizität verlieren?
Hoffmeister (lachend): Ein klares Jein! Natürlich kommen solche Fragen auf, gerade bei einem Film wie "Transformers", in dem unheimlich viel Technologie drin ist. Aber es gab schon immer Actionfilme, die eine entsprechende Technik erfordert haben. Die Filme verlieren nicht an Authentizität, wenn sie gut gemacht sind. Natürlich gibt es immer wieder schlechte Inszenierungen. Mit guten Effekten kann man kein schlechtes Drehbuch retten. Es muss beides zusammenpassen.
teleschau: Waren Sie jemals mit einer Arbeit von sich unzufrieden?
Hoffmeister: In meiner Laufbahn habe ich sicherlich schon mal das ein oder andere gemacht, das ich heute anders umsetzen würde. Aber bei ILM arbeite ich ja nicht alleine, und insgesamt ist hier jeder immer bemüht, sein Bestes zu geben.
teleschau: Wenn Sie es sich aussuchen könnten, welche Art von Film würden Sie am liebsten machen?
Hoffmeister: Einen bestimmten Film gibt es eigentlich nicht, da ich die Möglichkeit habe, an so vielen tollen Projekten mitzuarbeiten. Am meisten Spaß habe ich aber bei der Produktion von Kinderfilmen wie "Harry Potter".
Julia Kreissl
Bei "Transformers - Die Rache" war Robert Hoffmeister als 2D-Supervisor für alle IMAX-Sequenzen zuständig. (ILM)
Die Roboter bei "Transformers - Die Rache" (jetzt als Blu-ray-Disc erhältlich) erschienen in Lebensgröße auf den IMAX- Screens. (Paramount)
Besser geht's nicht: Die BD-Version von "Transformers - Die Rache" ist optisch und akustisch perfekt, hinter den Extras steckt ein ausgefeiltes Konzept. (Paramount)
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