Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
Im Schatten, im Licht ...
Es ist ja nicht so, dass Carlos Bernard ein Leben lang nur Tony Almeida war. Er spielte in anderen amerikanischen TV-Serien ("Walker, Texas Ranger", "Sunset Beach"), in Fernsehfilmen ("10.5: Apocalypse", "Alien Raiders"), arbeitet als Produzent. Doch dass alle Welt Carlos Bernard Papierski kennt, sein Vater stammt aus Polen, liegt einzig und allein an "24". Jener Serie, die 2001 ihren Siegeszug durch die Welt antrat. Heute hat der 47-Jährige nirgendwo mehr seine Ruhe. Millionen Fans kennen ihn weltweit, und Millionen Fans fragen sich: Wie konnte es so weit kommen, dass Tony Almeida, einst der beste Freund von Superagent Jack Bauer (Kiefer Sutherland) die Seiten gewechselt hat. kabel eins zeigte zuletzt die siebte Staffel, die nun auf DVD und Blu-ray erscheint. Und wie immer herrscht größte Geheimhaltung, was die achte und womöglich letzte Staffel betrifft. Carlos Bernard ist in einer Zwickmühle ...
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teleschau: Sie sind in einer eigenartigen Situation. Sie geben Interviews in aller Welt, dürfen aber niemals etwas über Ihre persönliche Zukunft oder die der Serie verraten.
Carlos Bernard: Ja, frustrierend nicht? Aber wahrscheinlicher frustrierender für Sie als für mich ...
teleschau: Durch "24" werden Sie mittlerweile überall in der Welt erkannt. Ihr Leben hat sich verändert ...
Bernard: Ja, natürlich. Die Reisen durch die Welt sind schon eine wunderbare Begleiterscheinung. Ich war in meinem Leben auch früher viel unterwegs, aber nun ist es etwas anderes. Vor einer Weile war ich übrigens auch bei Ihnen in Deutschland, in München. Aber die wichtigste Veränderung für mich ist sicher die Erfahrung mit dem Team der Serie. Wenn du als Künstler mit einer solch begabten Mannschaft arbeiten darfst, dann ist das wahrscheinlich das Beste, was dir passieren kann.
teleschau: Sie haben ja eine Saison ausgesetzt und kamen dann wieder zurück. Eine Art Heimkehr in einer Familie?
Bernard: Das lässt sich tatsächlich mit einer Familie vergleichen. Ich war ein gutes Jahr weg. Als ich zurückkam, kam es mir schon nach kurzer Zeit so vor, als sei es nur eine Woche gewesen, die ich weg war.
teleschau: Sie arbeiteten in der Zwischenzeit als Schauspieler, auch als Produzent, hatten also sicher andere Aufgaben. Zögerten Sie, als das Angebot für ein Comeback kam?
Bernard: Schon, am Anfang zumindest. Der erste Entwurf der Story schien mir noch nicht ganz und gar ausgereift. Doch als ich dann das endgültige Buch erhielt, gab es keinen Zweifel mehr. Ich ahnte, dass es für mich als Schauspieler eine echte Herausforderung sein würde. Und so war es dann auch.
teleschau: Ihre Rückkehr hatte auch mit den Quoten zu tun. Spürten Sie einen besonderen Druck, der auf Ihnen lastet?
Bernard: Ja, schon ein bisschen. Die Macher haben mir einiges auferlegt für diese Staffel, aber ich habe versucht, das auszublenden. Am Ende kann ich mich doch nur um meine Aufgabe kümmern und die erledigen, so gut es mir möglich ist.
teleschau: Ihre Figur machte auch eine äußerliche Verwandlung durch. Sogar die Stimme klingt anders ...
Bernard: Auf die Sache mit der Stimme haben mich schon einige angesprochen ...
teleschau: War das keine Absicht?
Bernard: Keineswegs, ich höre das auch gar nicht. Aber es wird schon stimmen, wenn es so viele sagen. Es ist eben so, dass sich Tony Almeida diesmal einfach in einer völlig neuen Situation befindet. Ich habe lange mit dem Chef-Autor der Serie über die Entwicklung der Figur diskutiert, bestimmt einen Monat lang. Wo war Tony Almeida, was hat er durchgemacht? Viele haben mir erzählt, dass es für sie, als sie seinen neuen Look sahen, ein regelrechter Schock gewesen sei.
teleschau: Wie würden Sie ihn in der neuen Staffel beschreiben. Ist er tatsächlich auf die Seite des Bösen gewechselt? Oder darf er all das tun, weil es am Ende doch die Liebe war, die ihn treibt?
Bernard: Ich habe ihn nie, nie als Bösen gesehen. Er tut einfach nur die Dinge, die er glaubt, tun zu müssen. Man hat ihm seine Familie genommen, und er will den Kerl finden, der dafür verantwortlich ist. Egal, wie er das anstellen muss. Es ist schon wahr: Ich stimme seinen Methoden nicht uneingeschränkt zu. Aber seine Emotionen verstehe ich. Es sind die eines Menschen, der verletzt wurde. Eines Menschen, der vom System verraten wurde.
teleschau: Es ist ein wiederkehrendes Prinzip der Serie, dass der Zuschauer rätseln darf, wer nun zu den Guten und wer zu den Bösen gehört.
Bernard: Schon in der ersten Staffel war das bei mir ähnlich. Aber genau das macht ja den Reiz von "24" aus. Immer wieder werden Charaktere eingeführt, bei denen man sich fragen muss: Stehen sie im Licht? Oder doch im Schatten?
teleschau: Wie man weiß, wird aus Geheimhaltungsgründen den Darstellern immer erst so spät wie möglich ihr Schicksal verraten, damit nichts an die Öffentlichkeit kommt. Wann haben Sie erfahren, dass Tony Almeida nicht sterben wird?
Bernard: So etwa bei der Hälfte des Drehs wurde entschieden, dass sie ihn nicht töten können.
teleschau: Weil die Figur für die Zukunft noch gebraucht wird?
Bernard: Naja, die Macher der Serie sind zur Überzeugung gekommen, dass es irgendwie nicht richtig wäre. Vielleicht haben sie sich wirklich darüber Gedanken gemacht, dass sie ihn noch brauchen.
teleschau: Also gibt es ein Comeback in der achten Staffel?
Bernard: Sie wissen doch. Kein Wort über die Zukunft. Ich kann es ihnen nicht verraten!
Kai-Oliver Derks
Die Fangemeinde rätselte: Hat Tony Almeida (Carlos Bernard) tatsächlich die Seiten gewechselt? (kabel eins / 2008-2009 Twentieth Century Fox)
Soll an der Spitze einer Terrororganisation stehen: Jack Bauers tot geglaubter Freund Tony Almeida (Carlos Bernard). (kabel eins / 2008-2009 Twentieth Century Fox Film Corporation)
Tony Almeida (Carlos Bernard) kehrte in der siebten Staffel von "24" zurück! (2005 Fox Broadcasting Co.)
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